Schicksalsschläge

(JM) Meine erste Interviewpartnerin heißt Katharina Iffland. Sie ist gerade erst von ihrer Reise aus Sri Lanka zurückgekehrt. Von der Arbeit in den Projekten der Partner in Nord-Sri Lanka beispielsweise zur Traumabewältigung der Tsunami- und Bürgerkriegsopfer hat sie sich ein Bild gemacht. „Es ist schon ein Einschnitt, wenn man aus Sri Lanka wieder zurück an den Schreibtisch zu Hause kommt“, erklärt sie mir. „Es ist eine Sache, die Situation vor Ort in Deutschland zu beschreiben, und eine andere, sie in Sri Lanka selbst zu erleben.“ Während des Bürgerkrieges wurden die Menschen gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben. Nach und nach sind sie nun in ihr altes Zuhause zurück gekehrt und viele stehen vor dem Nichts. Aus UNHCR-Planen, Palmblätter und Wellblech haben sie Unterkünfte errichtet. Der Wiederaufbau geht nur langsam voran, da viele ihre Existenz verloren haben.

Um u.a. Frauen eine Einkommen schaffende  Perspektive zu geben, werden einige zu Schneiderinnen ausgebildet. Andere Familien bekommen Unterstützung in Form von Saatgut, um ihre Felder wieder zu bestellen. Katharina besucht dort einen Nähkurs und die 25 Teilnehmerinnen stellen sich ihr vor. „Ich habe kurz von mir erzählt und anschließend reihum die Frauen. Man hat gemerkt, wie sie versucht haben Fassung zu bewahren. Aber schließlich haben sie mir unter Tränen von ihren Schicksalsschlägen erzählt. Dass der Krieg erst im Mai 2009 ein Ende nahm, konnte ich deutlich spüren.

Viele Frauen sind verwitwet und haben teilweise ebenfalls Kinder und ihre eigenen Eltern verloren. Sie erzählen mir, dass innerhalb der zurückgekehrten Gemeinden und sogar innerhalb der Familien großes Misstrauen herrscht. Denn die Präsenz des Militärs und die Restriktionen der Regierung verhindern, dass sich irgendwie ein Vertrauensverhältnis aufbauen lässt.“ Katharina erklärt mir, dass trotz der Probleme und täglichen Hindernisse unsere Partner vor Ort große Fortschritte machen. Viel ist geschafft, aber der Wiederaufbau und die Rückkehr zu einem beständigen Leben wird noch viel Zeit benötigen.

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