Japan: Wasserkochen zur Traumabewältigung

(RW) Die Nahrungsmittelverteilungen sind inzwischen passé. In Ishinomaki wird allerdings nach wie vor heißes Wasser für die inzwischen nur mehr rund 120 Bewohner des Evakuierungszentrums zubereitet. Zu Spitzenzeiten waren über 1.000 Menschen zu versorgen. Da die lokale Verwaltung es – aus welchen Gründen auch immer – nicht schaffte, heißes Wasser für Tee und Suppen zur Verfügung zu stellen, konnte die Caritas hier eine Art Alleinstellungsmerkmal bekommen. Ihre Dienste sind überaus geschätzt.

Zusätzlich hat man ein Café eröffnet, das ab sechs Uhr morgens Tee, Kaffee und Suppen bereit stellt. Da die meisten der Evakuierten wieder ihren Beschäftigungen nachgehen können (und die Kinder zur Schule), erhalten sie so ein warmes Frühstück, das sie auf den Arbeitstag vorbereitet. Mittags und am Nachmittag kommen dann gerne die Älteren auf einen Plausch vorbei. Auch solche Alltagsgespräche können helfen, die Traumata zu bewältigen.

So hat eine vergleichsweise simple Maßnahme wie Wasserkochen eine enorme Bedeutung für die Betroffenen, etwas, das von außen her schwer in seinem Wert richtig einzuschätzen ist. Hatten wir beim Briefing in der Basis noch die Stirn gerunzelt, so glättete sich diese nach dem Besuch ganz schnell.

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Autor: Reinhard

(RW) Reinhard Würkner, Asienexperte der Caritas international aus Leidenschaft. Er ist Leiter des Projektreferats Asien / Ozeanien. Schon einige Jahre begleitet er Caritas international – genauer gesagt steht im Oktober 30 jähriges Jubiläum an.

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