Indonesien: Aller Anfang ist schwer

(FM) Erinnert Ihr Euch noch an das schwere Erdbeben in Indonesien im Jahr 2006? Besonders hart traf es damals die Region um Yogyakarta auf der Hauptinsel Java. Es hatte über 6000 Menschen das Leben gekostet. Achtzig Prozent der Häuser sind damals zerstört worden. Caritas international unterstützte die Caritas Indonesien (KarinaKAS) bei ihrem Wiederaufbauprogramm. Michael Yudha hatte die Gelegenheit eines der geförderten Projekte, den Masyithoh Kindergarten in Bantul südlich von Yogyakarta, zu besuchen. Welche Hürden beim Wiederaufbau der Einrichtung genommen werden mussten und wie es heute um den Kindergarten steht, erzählt er uns in seinem neuen Blogbeitrag…

(MY) Eine Gruppe Kindergartenkinder steht entlang des Masyithoh Kindergartens in einer Reihe. Von der Terrasse einer Moschee aus, die direkt mit dem Eingang des Kindergartens verbunden ist, können die Eltern ihnen zusehen. Die Kinder spielen in einer Drum-Band, die von einem jungen Erzieher unterrichtet wird. In graue Batikshirts und weiße Hosen gekleidet sehen sie sehr glücklich aus und trommeln voller Elan mit ihren Schlaginstrumenten, Trommeln und Becken. Eine Stunde später betreten sie im Marsch die Schule und verstauen das ganze Drum-Band-Equipment in einem Holzschrank unter der Treppe. Begleitet wird dieses Schauspiel von lauten und spontanen Rufen und witzigen Gesten – ja, das ist tatsächlich eine Welt der Kinder.

Das Erdbeben auf der Insel Java im Jahre 2006 hatte den Masyithoh Kindergarten schwer beschädigt. Ein Jahr später wurde er auf einer Fläche von gerade einmal 110 Quadratmetern wiederaufgebaut. Die anspruchsvolle zweistöckige Bauweise stützt sich auf ein modernes internationales Kindergartenkonzept. So ist ein „vertikaler Kindergarten“ mit angemessenen Sicherheitsvorkehrungen im oberen Stockwerk entstanden. Masyithoh ist nur einer von insgesamt 21 Kindergärten, die KarinaKAS, die indonesische Caritas mit Unterstützung von Caritas international und dem Caritas-Netzwerk wiederaufgebaut hat.

„Das Gebäude ist sehr gelungen. Es ist nicht nur erdbebensicher, es bietet auch weitaus mehr Platz, als ich es mir hätte vorstellen können. Das Design ist sehr kreativ und kinderfreundlich, alle hier mögen es. Allerdings sind die Wände so hart, dass wir kein Spielzeug oder Lehrmaterialien aufhängen können – die Nägel brechen beim Hämmern einfach ab. Wir benutzen jetzt einfach Klebeband, um die Sachen zu befestigen.“, erzählt mir Ahmadi und lacht. Er ist der Kindergartenleiter und wird von den anderen Erzieher/innen aufgrund seiner großen Hingabe und Bescheidenheit sehr geschätzt. Er erzählt mir auch, dass es bisher keine undichten Stellen, Risse oder technische Probleme gab. „Wir haben gerade noch einmal die Innenwände der Gruppenzimmer gestrichen. Seither können sie von kreativen Kindern auch als Zeichenfläche genutzt werden.“

Ahmadi erinnert sich noch daran, dass eine Gruppe von Menschen die Unterstützung der KarinaKAS beim Aufbau des Kindergartens zunächst ablehnte. Sie vermuteten Missionierungsabsichten hinter dem humanitären Engagement. Es gab Protestaktionen und Ahmadi wurde von lokalen Geistlichen kritisiert. „Es war nicht einfach für mich, die Hilfen anzunehmen. Einerseits mussten wir unseren Kindergarten wieder aufbauen. Andererseits fühlten sich meine Kolleg/innen nicht wohl dabei, von einer christlichen Organisation unterstützt zu werden. Aber schlussendlich kennen sie alle die Wahrheit: humanitäre Hilfe ist einfach nur Solidarität zwischen Menschen – dahinter steckt keine geheime Agenda.“ Für Ahmadi waren die Anfänge der Wiederaufbauphase und ganz besonders die Zeit der intensiven Treffen und Diskussionen, bei denen Eltern, Schulkomitee, Dorfbewohner/innen und die Lokalregierung einbezogen wurden, eine wertvolle Erfahrung, an deren Ende nun ein Happy End steht…

Beim nächsten Mal werde ich Euch von den Erfolgen des Kindergartens und dem herausragenden Engagement der Mitarbeiter/innen berichten. Euer Michael Yudha

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