Indonesien: Begrenzter Spielraum für eine bessere Zukunft

(MY) In meinem letzten Blogeintrag erzählte ich Euch, mit welchen Schwierigkeiten Ahmadi, der Leiter des Masyithoh-Kindergartens in Bantul, beim Wiederaufbau der Einrichtung konfrontiert war. Umso erfreulicher ist es, nun von den herausragenden Erfolgen des Kindergartens berichten zu können…

Während ich mich mit Ahmadi unterhalte, gesellt sich Siti zu uns, eine Erzieherin mittleren Alters. Ihrer Meinung nach versuchen viele Eltern Einfluss auf die Erzieher/innen zu nehmen, um für ihre Kinder einen Platz im Masyithoh-Kindergarten zu erhalten.  „Allerdings sind unsere Kapazitäten begrenzt. Wir haben lediglich drei Gruppenräume, die jeweils Platz für zwanzig Kinder bieten. Die Nachfrage ist einfach zu groß. Jedes Jahr erhalten wir Anfragen für etwa einhundert Kinder, unsere Einrichtung bietet aber nur Raum für sechzig Kinder. Würden wir mehr Kinder zulassen, wären die Räume überfüllt. Für die Kinder wäre das nicht gut“, erzählt mir Siti aufgeregt.

Nicht nur die Neugestaltung des Gebäudes bewegt die Eltern dazu, ihre Kinder in den Masyithoh-Kindergarten zu schicken. Einige der erfolgreichen Lern- und Lehrmethoden der Einrichtung wurden bereits in Wettbewerben auf Distrikt- und Provinzebene ausgezeichnet. Zum Beispiel gewannen die Masyithoh-Kindergartenkinder jeweils den ersten Platz bei einem Drum Band Wettbewerbund einem Malwettbewerb, den zweiten Platz bei einem Singwettbewerb, und außerdem wurde der Kindergarten für Reinlichkeit und Ordnung mit einem zweiten Platz ausgezeichnet.

„Besonders im Distrikt Bantul wird der Masyithoh-Kindergarten aufgrund seiner hohen Qualitätsstandards bevorzugt. Jedes Jahr ermöglichen wir Universitätsstudent/innen ein Praktikum und unterstützen sie dadurch. Dabei handelt es sich um Praktika im Bereich der Lehrplanentwicklung, der Lehr- und Lernmethoden und des Kindergartenmanagements. Wir wurden auch schon von anderen Kindergartenerzieher/innen und Vertreter/innen des Ministeriums für Bildung und Kultur im Rahmen ihrer Vergleichsstudien besucht“, teilt mir Siti mit. Die Erzieherin, Ahmadi und ihre drei Kolleg/innen scheinen sehr stolz und glücklich darüber zu sein, dass der Masyithoh-Kindergarten – verglichen mit der Situation vor dem Erdbeben-  einen derartigen Zulauf hat.

Alle im Team sind lokal ansässige Personen mit einer interessanten Geschichte.  Ahmadi zum Beispiel ist seit Jahren ein Geschäftsmann und sozial sehr engagiert. Neben seinen fünf  Restaurants in Bantul und Yogyakarta betreibt er auch noch ein eigenes  Waisenhaus, hauptsächlich für Straßenkinder. „Momentan beherberge ich 86 Kinder in meinem Haus, von Schüler/innen  bis hin zu jungen Erwachsenen. Sie sind entsprechend ihres Alters und Geschlechts untergebracht. Sie lernen auch den Koran zu lesen – das ist mir sehr wichtig.“, erzählt mir Ahmadi.

Zuvor arbeitete der Kindergartenleiter ein Jahr lang im Iran. Er fühlte sich unwohl dort und entschied sich nach Indonesien zurückzukehren. Nachdem er als Obstverkäufer  genug Kapital zusammengespart hatte, eröffnete er schließlich sein erstes Restaurant. Heute, viele Jahre später, besitzt er fünf Restaurants, die sehr gefragt sind. „Ich nutze den Gewinn meiner Restaurants, um mein Waisenheim zu finanzieren, das in mein Haus integriert ist. Es ist zu einhundert Prozent selbst finanziert und ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass mir das möglich ist. Ich glaube, das ist meine Bestimmung. Manchmal kommt es vor, dass ehemalige Waisenkinder, die ich alle wie meine eigenen Kinder behandle, auch Geld schicken. Sie möchten damit ihre „Brüder und Schwestern“unterstützen. So fühlen wir uns wirklich wie eine Familie.“ Während Ahmadi seine persönlichen Erfahrungen mit mir teilt, werden seine Augen feucht.

Während ich den Kindergarten verlasse, sehe ich, wie eine Gruppe lokal ansässiger Frauen das Gebäude betritt. Sie treffen sich hier regelmäßig und nutzen die Gruppenräume zum gemeinschaftlichen Sparen, dem arisan, oder auch für andere Treffen. Die Räumlichkeiten des Kindergartens werden außerdem jeden Tag eine Stunde lang der Früherziehung für Kinder aus armen Familien (PAUD) zur Verfügung gestellt.

Auf diese Weise trägt der Masyithoh-Kindergarten zum Wohlergehen aller und zur Entwicklung der Gemeinschaft bei. Es ist ein Spielraum für alle, die eine bessere Zukunft unterstützen wollen.

Euer Michael Yudha

 

 

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