Indonesien: Kein „business as usual“

(MY) Für Ari und seinen Kollegen Dwi Sihomo, ebenfalls ein CIQAL-Mitarbeiter (Center for Improving Qualified Activity in Life: Programm im asiatischen Raum, das Menschen mit Behinderung zu helfen versucht), ist die Unterstützung von bedürftigen Menschen nicht nur Passion, sondern auch Teil ihrer täglichen Arbeit. 

Gemeinsam mit den Familien werden Lösungen für die Bedürfnisse der Begünstigten gesucht.

„Die Herausforderung liegt in der Kommunikation zwischen uns als Unterstützern und den Begünstigten. Ein Beispiel: Die Begleitung einer taubstummen Person ist weitaus schwieriger als die Begleitung von Menschen mit Mobilitätsproblem. Viele taubstumme Menschen sind sehr empfindsam. Wir erleben häufig Missverständnisse im Umgang ihnen, da sie Probleme haben, sich auszudrücken. Daher bemühen wir uns darum, geduldig und aufmerksam zu sein und auf ihre Gefühle Rücksicht zu nehmen. Es bleibt aber die Gefahr, dass unsere positiven Intentionen fälschlicherweise negativ aufgenommen werden.“

Dwi hat einmal die Erfahrung gemacht, dass er während der Rückfahrt vom Zuhause einer Begünstigten zum CIQAL-Büro über 30 SMS von einer Frau erhielt, die er zuvor besucht hatte: „Sie suchte meine Aufmerksamkeit und ein Freund erzählte mir, die Frau habe sich in mich verliebt. Ich bin offenbar der einzige, der sie regelmäßig besucht und sich länger und freundlich mit ihr unterhält. Sie scheint diese Aufmerksamkeit, die Teil meines Jobs ist, als persönliche Zuneigung missverstanden zu haben. Ich verstand ihre Situation durchaus und versuchte ihr daher den Unterschied klar zu machen zwischen meiner Fürsorge als Teil des Jobs und persönlicher Zuneigung“, erzählt Dwi.

Ari und Dwi erlebten auch ganz andere Sachen,dass sie etwa von Menschen, denen sie eigentlich helfen wollten, bedroht oder vertrieben wurden. „Das sind eben die seltsamen Begegnungen, die wir so haben. So was erlebst du in keinem anderen Job“, erzählen die beiden lachend.

Eine der Schwierigkeiten, denen sich die Leute von CIQAL gegenübersehen, ist es, potentielle Bedürftige überhaupt erst ausfindig zu machen. „Tatsächlich fehlen den lokalen Behörden jegliche Daten über das Thema Behinderung“, berichtet Ari. „Das stellt für uns eine echte Herausforderung dar.“ Daher gehen die Mitglieder von CIQAL von Tür zu Tür und fragen nach Menschen, die wegen einer Behinderung Unterstützung benötigen. Mit Erfolg: „Mittlerweile greifen die Behörden auf die von uns gesammelten Daten zurück und versprechen Unterstützung für lokale Behinderteninitiativen.“

Fischteiche: Ob durch Fischzucht, Backen oder Schneidern: Ein eigenes Einkommen gibt den Begünstigten ein Stück Selbständigkeit und Selbstvertrauen zurück.

Die Mittel von CIQAL zur Förderung des selbständigen Lebensunterhaltes Behinderter reichen momentan jedoch nicht aus, um allen potentiell Bedürftigen zu helfen. CIQAL muss seine Begünstigten daher nach bestimmten Kriterien auswählen: nach persönlicher Motivation, der Unterstützung durch die Familie, Armutsgrad sowie etwaige Unterstützung durch andere Organisationen. „Am Ende der Auswahl entwickeln wir unterschiedliche Programme zur Förderung des Lebensunterhaltes, die auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Einzelnen abgestimmt sind. Die Menschen haben dabei das Recht, selbst zu entscheiden, wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen wollen, sei es durch Fischzucht, Nähen, Pilzanbau usw.“

Ari erklärt, dass die Anfangsförderung lediglich einen Anschub zur Erwirtschaftung eines Teils des Lebensunterhalts der Betroffenen darstellt. Das langfristige Ziel sei, dass die Begünstigten ihren Lebensunterhalt irgendwann ganz alleine bestreiten können. „Wir Menschen ohne Behinderung können unsere Arbeit ganz normal erledigen. Doch für Menschen mit Behinderung gibt es kein ‚business as usual‘.“

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Ein Gedanke zu „Indonesien: Kein „business as usual““

  1. Hallo Pak Michael Yudha,
    saya ingin tanya-tanya ke bapak. Boleh saya minta email bapak?

    Salam Rafael Marbun

    Hallo Herr Yudha,
    ich möchte gerne mit Ihnen unterhalten/schreiben. Viele Fragen möchte ich Ihnen stellen.
    Es wäre nett, wenn Sie mir ihre Email Adresse schreiben.

    MfG Rafael Marbun

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