21. März 2013   | Neuer Kommentar

Japan: Gartenarbeit gegen Bewegungsmangel

(ST) Diesen Monat erreichte uns eine Nachricht über ein kleines Projekt in Japan, das großen psychischen Stress der Bewohner/innen in der Stadt Onagawa lindern kann, und zwar mit Gartenarbeit. Wie es dazu kam, davon berichtet uns heute Shinichiro Ohara von der Caritas Partnerorganisation AAR Japan.

Nordjapan an der Küste Sanriku: Der Tsunami, der am 11. März 2011 große Landstriche entlang der Küste verwüstete und ganze Städte zerstörte, wütete in der Stadt Onagawa bis hinauf in die hügeligen Regionen. Während die Wiederaufbaumaßnahmen noch andauern, leben Zigtausende aus dieser Region noch in Notunterkünften. Das führt bei vielen Bewohnern und Bewohnerinnen – auch weil es häufig an Freizeitaktivitäten fehlt – zu Bewegungsmangel und zu enormem psychischen Stress. In ihren Häusern und Wohnanlagen hatten die meisten der Menschen einen Garten, pflanzten Gemüse und Kräuter an. Allein durch diese Arbeiten in freier Natur hatten sie auch reichlich Bewegung, die ihnen jetzt fehlt.

Es verwundert daher nicht, dass die Menschen in den von der Katastrophe betroffenen Gebieten Gefallen an Aktivitäten finden, bei denen sie brachliegendes Land umgraben und darauf Gemüse anbauen können. So kamen sie dem Leben, an das sie gewöhnt waren, wieder näher und konnten Abhilfe für den Bewegungsmangel schaffen. Die AAR Japan, unterstützt von Caritas international, ermöglicht es Opfern der Katastrophe, Grundstücke für Gartenarbeiten vorzubereiten. Interessierten wird das notwendige Handwerkszeug zur Verfügung gestellt. Dadurch, dass die Menschen gemeinsam in den Gärten arbeiten, sprechen und lachen sie auch wieder mehr miteinander.

Der Kommunalpolitiker Yoshihiro Takahashi stellte ein brachliegendes Stück Land vor den Notunterkünften für Gartenarbeiten zur Verfügung und brachte damit den Stein für das Hilfsprojekt ins Rollen. Das Grundstück liegt an einem Fluss, so dass die Bewässerung kein Problem darstellt. Allerdings musste das Land, um es für Gartenarbeiten nutzbar zu machen, erst von Steinen und Felsbrocken befreit werden, die die Flutwelle 2011 angetrieben hatte. Außerdem fehlten dem Boden die nötigen Mineralien, die für ein gesundes Wachstum von Pflanzen unerlässlich sind.

Studenten helfen beim Anpflanzen im GartenAus diesem Grund stellte die Caritas-Partnerorganisation AAR einen kleinen Traktor und Gartengeräte wie Schaufeln, Hacken oder Sicheln zur Verfügung, einen Geräteschuppen, in dem all das Handwerkszeug aufbewahrt werden kann, zwei Tonnen neue Gartenerde und Biodünger. Studenten der Universität Tohoku halfen mit, Schutt und Steine zu beseitigen. Viele größere Felsbrocken, die aus dem Weg geräumt werden mussten, machten ihnen diese Aufgabe nicht leicht. Doch haben sich die Arbeiten gelohnt: am Ende entstand ein 450 Quadratmeter großer Garten.

Die Nutzer/innen tauften ihn „Fureia Noen“. Es war unverkennbar: In ihre Gesichter kehrten Freude und Lächeln zurück, als sie „Fureia Noen“ bepflanzten. Die Menschen unterhielten sich angeregt, als sie gemeinsam Unkraut jäteten, die Pflanzen gossen und Snacks für den Nachmittagstee vorbereiteten.

Shinichiro Ohara, AAR Japan

Mehr zu den von Caritas international unterstützten Projekten in Japan hier

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Über Stefan Teplan

Stefan Teplan Stefan Teplan ist Journalist und Öffentlichkeitsarbeiter für Caritas international. Seit 2007 begleitet er die jährlichen Begegnungsreisen mit Caritas-Mitarbeitenden aus aller Welt.

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