Kind der Müllsammler in Delhi

Indien: Auch Müllsammlerkinder gehen auf die Schule

Indien. Delhi. 19 Millionen Menschen mit 19 Millionen täglichen Bedürfnissen. Es ist faszinierend, dass eine solche Stadt überhaupt funktioniert. Unweigerliche fragt man sich, ob das auch für die Ärmsten der Gesellschaft gilt, ob für sie die Stadt ein funktionaler Lebensraum ist. Unser Mitarbeiter Jörg Scharper ist in einem Projekt für müllsammelnde Familien am Ostrand der Stadt unterwegs. Seit gut drei Jahren wird hier Einiges bewegt.

(JS) Wie geht es den Familien? Was hat das Projekt der Caritas aus Delhi mit dem Namen Chetanalya im Leben der Familien verändert? Der erste Eindruck: Es ist zwar unglaublich ärmlich, aber die Stimmung ist nicht negativ. Im Gegenteil. Die vielen fröhlichen Kinder in diesem Slum verbreiten eine schon fast nicht mehr gekannte, unbeschwerte Atmosphäre. Unbeschwert? Müssen sie nicht, wie ihre Eltern, im Müll sitzen und ihn sortieren, damit die Familie ein Auskommen hat? Viele Kinder müssen das nicht, es genügt, wenn ein Elternteil dieser Arbeit nachgeht. Fast alle Kinder hier gehen zur Schule. Schön getrennt nach Geschlechtern, morgens die Mädchen, nachmittags die Jungen. In ihren Schuluniformen laufen sie in Gruppen durch die engen Gassen. Ihre Mutter erwartet sie schon. Sie hat gekocht, oft auf offenem Feuer, vor ihrem Haus. Die Mittagspause einer müllsammelnden Familie ist nicht viel anders als wir es kennen: es gibt frisches Essen, die Mädchen kommen von der Schule, die Jungen werden gleich gehen.

Praktisch alle Kinder hier sind in der Schule. Wer die Sekundarstufe II besucht, hat einen etwas weiteren Weg. Es herrscht allgemeine Schulpflicht in Indien, und zumindest in Delhi wird sie auch eingehalten. Familien, die ihre Kinder aus finanziellen Nöten nicht in die Schule schicken, gibt es auch in diesem Slum kaum noch. Dafür sorgt unter anderem auch das Projekt von Caritas international. Es verschafft den ärmsten Familien Zugang zu staatlicher Hilfe. Das klingt seltsam, ist aber für vielen Familien eine nur schwer oder gar nicht zu bewältigende Herausforderung. Theoretisch erhält eine arme Familie Unterstützung vom Staat. Praktisch ist dies eine umständliche Sache, bei der man sich mit Behörden und Papieren gut auskennen muss. Die Caritas in Delhi hilft den Familien in der Beantragung dieser ihnen eigentlich zustehenden Hilfen. Das funktioniert gut und sorgt dafür, dass immer mehr Kinder immer seltener auf der Müllhalde arbeiten. Sie sind dort zwar anzutreffen, meist jedoch, um die Ziegen zu hüten.

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