27. März 2013   | Neuer Kommentar

Künstlicher Sternenhimmel für die Kinder von Fukushima

Bevor die schwere Katastrophe im März 2011 sich in Japan ereignete, spielten die Kinder in Soma in den Parks und auf den öffentlichen Spielplätzen. Die Stadt gehört zur Präfektur Fukushima. Heute geht das kaum, weil viele dieser Parks und Spielplätze vom Tsunami zerstört wurden und in Teilen der Stadt eine zu hohe radioaktive Belastung herrscht. Yoko HAYASHI berichtet aus Japan, wie mit Feizeitaktivitäten der Lebensmut der Kinder gestäkrt wird.

Planetarium in Soma

Theoretische Exkursion ins All: Experte Tohyama erklärt dern Kindern die Sternbilder

Seit die Association for Aid and Relief (AAR) Japan, die lokale Partnerorganisation von Caritas international, im April 2012 in Soma ein Büro eröffnet hat, wurden dort schon viele Kinder unterstützt, unter anderem auch durch Schaffen neuer Spielmöglichkeiten in den Notunterkünften, in denen viele Opfer der Katastrophe noch untergebracht sind. Da die Helfer/innen von AAR die Notunterkünfte oft besuchen, freundeten sie sich mit sehr vielen Kindern dort an und hörten aufmerksam auf deren Wünsche. Ein besonderer Wunsch war der nach einer Planetarium-Show. Die AAR Japan hat daraufhin eine mobile Planetarium-Show kreiert in der Hoffnung, dass die Kinder dabei nicht nur etwas Sinnvolles über das Weltall lernen, sondern auch etwas Auftrieb erfahren und ihre Träume leben können.

In Soma gibt es kein Planetarium. Daher mussten die Kinder bisher in die rund eineinhalb Autostunden entfernten Städte Sendai oder Koriyama reisen, um eines zu erleben. Die Mutter eines Jungen, der gerade in die zweite Klasse geht, erzählt: „Seit mein Sohn begann, sich für Sterne zu interessieren, haben wir die Planetarien in Sendai und Koriyama mehrfach besucht. Aber nach der Katastrophe geht das nicht mehr, weil wir dabei durch hoch radioaktiv verstrahlte Gebiete reisen müssten.“

Schauplatz der mobilen Planetariums-Show war die staatliche Nakamura-Grundschule in Soma. In der Turnhalle wurde eine himmelsblaue Kuppel errichtet, unter der rund 40 Zuschauer/innen Platz haben. 489 Kinder und ihre Eltern besuchten die bislang zehn veranstalteten Shows.

Durch die Veranstaltung führte jeweils „Weltall-Profi“ Miyuki Tohyama vom „Mobilen Planetarium Yokohama“, eine der Organisationen, die diese Shows möglich gemacht haben. Auf die künstliche Himmelskuppel wurde exakt der Sternenhimmel von Soma projiziert, wie er sich an jenem Tag in Soma zeigte. Miyuki Tohyama erklärte den Kindern, wie sie die Sterne unterscheiden können und wies  auf Besonderheiten wie den Polarstern oder das Sommerdreieck hin. „Der Stern, den wir in Japan Orihime nennen“, teilte Tohyama mit, „ist die Wega im Sternbild Lyra, das ein Eck des so genannten Sommerdreiecks bildet. Und tief am nächtlichen Himmel sieht man im Norden über Soma heute das Sternbild Kassiopeia.“ Unter diesem faszinierenden Himmelsbild verging jede, rund 20 Minuten währende, Show im Fluge.

Die Mutter des achtjährigen Kosuke erzählte nach der Veranstaltung: „Diese Show kam gerade zur rechten Zeit, weil mein Sohn vor kurzem begann, sich für Sterne zu interessieren: Kürzlich erst haben wir ihm ein Buch über die Sterne gekauft.“ Auch Kosukes Vater freute sich: „Schön, dass wir hier sein können, weil es nicht viele Shows dieser Art gibt, bei denen Kinder etwas lernen können. Es wäre toll, wenn es das öfter gäbe.“

Über 80 Prozent der Besucher waren Kinder und die meisten von ihnen hatten zum ersten Mal so etwas erlebt. Leider war der Himmel an jenem Tag in Soma bedeckt, doch in klaren Nächten kann man sehen, wie er mit Sternen übersät ist. Im Winter sieht man viele Sternbilder wie etwa den Orion hell leuchten. Mit etwas Glück sieht man sogar die Geminiden. Bleibt zu hoffen, dass das Interesse der Kinder andauert und sie oft anwenden können, was sie in den Planetarium-Shows gelernt haben. AAR wir jedenfalls, unterstützt von Caritas international, weiter für sie in Fukushima da sein.
Text: Yoko HAYASHI / Übersetzung: Stefan Teplan

Print Friendly, PDF & Email

Archiv, Asien, Katastrophenhilfe und -vorsorge

Über Monika Hoffmann

Monika Hoffmann ist Referentin bei Caritas international / Online Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.