Haiti: Erste Fahrstunde

Ingmar Neumann, unser Mitarbeiter von Caritas international, reiste im März nach Haiti, um Projekte, die er betreut, persönlich kennenzulernen. In Haitis Straßenverkehr gilt es, gelassen zu bleiben:

Buntes Chaos auf den Straßen von Port-au-Prince
Buntes Chaos auf den Straßen von Port-au-Prince

Morgens kurz nach sieben in Port-au-Prince: Wir schieben uns im Caritas-Jeep durch den dichten Verkehr den Berg hinauf, um Luca, den Sohn meiner schweizerischen Kollegin Anita, in die Schule zu bringen. Alle sind etwas aufgeregt: Hervey der Fahrer, Luca, Anita und ich – es ist Anitas erste eigene Fahrt auf den Straßen Haitis. Hervey sitzt sozusagen als Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz. Anita schlägt sich gut. Trotz dichtem Verkehr dem typischen Gehupe und Gedränge verliert sie nicht den Überblick. Ab und zu drückt sie beherzt auf die Hupe und erkämpft sich den Weg. Wenn es nach Luca ginge, dürfte seine Mutter ruhig noch öfter lautstark auf sich aufmerksam machen. Der Straßenverkehr in Haiti ist ein Phänomen, auf den ersten Blick scheint pures Chaos zu herrschen. Auf zweispurigen Straßen kämpfen drei Fahrzeuge nebeneinander um Platz. Motorräder schießen vorbei oder werden zur Seite gehupt. Das faszinierende für mich: Aus Deutschland bin ich es gewohnt, dass im Stau die Nerven blank liegen. Wüste Beschimpfungen, Nachkarten mit der Lichthupe oder wildes Auffahren gehören zum Repertoire. Die Haitianer dagegen scheinen es zu akzeptieren, wenn Sie den Kampf um die Vorfahrt verloren haben. Sie drängen einfach weiter. Stoßstange an Stoßstange bleibt ihnen auch nichts anderes übrig.

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Autor: Ingmar Neumann

Ingmar Neumann ist bei Caritas international für den Bereich Stiftungskooperationen und Unternehmenspartnerschaften zuständig.

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