Nur Weitermachen hilft

Sein Bauunternehmen stand unter Wasser. Trotzdem schaut Friedhelm Matzke nach vorn – schließlich werden er und seine Firma in Schönhausen bei Stendal in Sachsen-Anhalt dringend gebraucht. Alex Bohn traf ihn letzte Woche in seinem leergeräumten Firmenlager.

Kurz bevor die Flut seinen Betrieb erreichte, war Friedhelm Matzke noch in Fischbeck und hatte beim Deichbau geholfen – wie so viele freiwillige Helfer. Sein eigenes Unternehmen sei nicht in Gefahr, das bestätigte man ihm im Landratsbüro auf Nachfrage. Trotzdem fuhr Friedhelm Matzke am neunten Juni noch in seine Firma in Schönhausen und packte gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Sandsäcke. Um 00:05 Uhr in der Nacht bricht dann der Deich in Fischbeck, um 00:30 werden die rund 2.300 Bürger und Bbürgerinnen von Schönhausen per Polizeidurchsage aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen.

Friedhelm Matzke fährt mit Unterstützung seiner Tochter und seines Schwiegersohns, die aus Rostock zu Besuch sind, alle Fahrzeuge seiner Firma – LKWs und Bullis – nach Tangermünde. Sie sichern auch die Elektrogeräte, Computer und Akten. Als sie nochmals nach Tangermünde fahren wollen, kommt ihnen das Wasser schon „entgegengeschossen“, wie Friedhelm Matzke sagt. Im Erdgeschoss der Firma versuchen sie einige Gerätschaften auf Paletten hochzustellen und zu sichern. Wie sich herausstellen wird: Ohne Erfolg, das Wasser reißt alles mit sich. Früh um fünf schließlich gelangt Friedhelm Matzke auf Umwegen und nach mehr als hundert Kilometern über Rathenow, Magdeburg und Stendal bis nach Flessau bei Osterburg, wo er bei seinem Schwager unterkommt.

Schon am zehnten Juni fährt Friedhelm Matzke nach Stendal, um sich zu orientieren. „Ich hab’ schon geahnt, dass ich mit meinem Betrieb abgesoffen bin“, sagt er. Aber er ist auch erleichtert: Sein Elternhaus und sein Wohnhaus sind unbeschadet. Seine Firma hingegen ist „ein Drama. Nicht mal die Türen konnte man öffnen, weil der Boden hochgekommen war.“

„Die Solidarität hier imponiert mir sehr”

Durch den langen Winter hatte das Geschäftsjahr für Friedhelm Matzke und seine Baufirma, die auf Hochbau spezialisiert ist, schlecht begonnen. Der lange und harte Winter sorgte dafür, dass ihre Arbeit erst im April so richtig in Schwung kam. Durch die Flut der Elbe findet sie nun ein jähes Ende. Die Schadenssumme hat Friedhelm Matzke bereits grob auf 200.000 Euro geschätzt, aber statt zu verzweifeln ist er entschlossen, so schnell wie möglich wieder in Gang zu kommen: „Ich habe acht Angestellte, zwei von denen sind privat betroffen. Es muss ja weitergehen, schon um ihretwillen. Außerdem bin ich erst 55, da habe ich noch ein paar Jahre Arbeit vor mir“, sagt er. Mit seinen Angestellten und Bekannten, die zum Helfen anrückten, sobald das Wasser abfloss, hat er die Aufräumarbeiten bereits gemeistert. Die Büroräume sind inzwischen entkernt und werden getrocknet – mit einem Trockner, den ihm die Caritas zur Verfügung gestellt hat. Auch in den Lagerhallen sieht es übersichtlich aus. „Ein Bekannter hat mir eine Mehrzweckhalle angeboten, da kann ich jetzt Materialien einlagern.“

Mann in einer leeren geschädigten Lagerräumen
Bauunternehmer Friedhelm Matzke nach der Räumung seiner Firmenlager. Foto: Alex Bohn

Friedhelm Matzke hat Glück im Unglück. Zum einen ist er privat nicht betroffen, zum anderen wird seine Hilfe vor Ort nun händeringend gebraucht. „Ich komme hier manchmal keine hundert Meter weit, weil es von allen Ecken heißt ‚Kannst Du mal hier die Wand anschauen, kann man die retten, oder müssen wir abreißen?’, so geht das.“ Er steht mit Rat und Tat zur Seite und hat längst beschlossen, dass er den Leuten vor Ort helfen will, wo er nur kann. „Die Solidarität hier imponiert mir sehr. Auch wie die Jugendlichen mit anpacken ist beachtlich.“

Wie es bei ihm ganz finanziell weitergeht, weiß Friedhelm Matzke hingegen noch nicht genau. Er hat keine Elementarversicherung – wie die meisten Betroffenen – und einige seiner Kredite, die er für Neuanschaffungen aufgenommen hat, laufen noch. „Die Antragsformulare auf staatliche Hilfen habe ich alle ausgefüllt“, sagt er, „jetzt muss ich abwarten, was daraus wird.“

Untätig sein wird Friedhelm Matzke sicher nicht. Zwei seiner Baustellen warten darauf, dass er die Arbeit wieder aufnimmt. In seinem Wohnhaus hat er seinen Computer aus der Firma aufgestellt und sich einen provisorischen Arbeitsplatz eingerichtet. „Hier ist ein großer Aufbau gefordert“, sagt er, „die Schäden sind so groß, dass unsere Kapazitäten als Firma gar nicht reichen werden, um das alles zu bedienen. Je eher wir loslegen, desto besser.“

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