Besuch bei der Caritas Tansania (I)

(IN) Caritas international unterstützt in der Erzdiözese Arusha in Tansania die  Förderung von Kindern mit Behinderung. Menschen mit Behinderung sind für das nomadische Volk der Massai eine Herausforderung. Oft werden sie an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Kinder und Jugendliche mit Einschränkungen werden von ihren Familien versteckt. Auf meiner Reise besuchte ich u.a. das Behindertenzentrum der Erzdiözese Arusha. Das Projekt fördert die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Akzeptanz der Menschen mit Behinderung. Gerne teile ich mit euch meine Erlebnisse und Eindrücke.

Erste Eindrücke

Sonntag 06.10.2013: Wir verlassen die Kleinstadt Arusha. Vorbei an kleinen Kaffeeplantagen geht es durch die Vororte. In manchen Ortschaften ist heute Markt. Gemüse, Kleidung, Schuhe – alles für den täglichen Bedarf wird angeboten. Nach etwa 20 Minuten führt die Straße durch die Steppe. Weites Land. Am Ende der Trockenzeit ist das Grass überall braun und dürr. Alle paar Meter begegnen uns Massai-Kinder in ihren roten oder blauen Umhängen. Mit einem Stab treiben sie Vieh und Ziegen vor sich her. Die kleinen etwa Vierjährigen sind verantwortlich für die Ziegen. Lachend scheuchen sie ihre Tiere immer wieder von der Straße weg. Die größeren Massai-Kinder und Jugendlichen ziehen mit Viehherden zu etwa 20 Tieren durch die Ebene zum nächsten Wasserloch.

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Massai-Kinder. (Foto: Ingmar Neumann)

Ein Massai-Kind zu sein heißt, mobil sein zu müssen, bedeutet Verantwortung für Tiere und damit für das Einkommen der Familie – bereits im Kindesalter. Kinder mit Einschränkungen, die nicht mobil sind, werden in dieser Gesellschaft zu einer Herausforderung – sie können nicht mithalten. Genauso leisten Kinder, die die Vorschule besuchen keinen Beitrag zum Familienunterhalt. Die Caritas-Projekte in der Erzdiözese Arusha setzen aber genau hier an: Förderung von Kindern mit Behinderung und Vorschulbildung stehen im Mittelpunkt. Ich bin gespannt, was ich hier die kommenden Tage erleben werde.

Lazarus

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Lazarus (Foto: Ingmar Neumann)

Montag 07.10.2013: Heute lerne ich Lazarus kennen. Seit zwei Jahren kommen der Dreijährige und seine Mutter regelmäßig in das Reha-Zentrum der Erzdiözese Arusha. Lazarus ist geistig und körperlich behindert zudem ist er Epileptiker. Im Augenblick ist er wieder für zwei Wochen mit seiner Mutter im Reha-Zentrum. Kinder wie Lazarus werden in ihren Dörfern oftmals für Jahre versteckt und geheim gehalten. Den freiwilligen Community Health Workers im Heimatdorf der Familie ist es gelungen für Lazarus und seine Mutter einen Kontakt zum Reha-Zentrum herzustellen. Hier bekommt er nun Physiotherapie und seine Mutter lernt Übungen, die sie zu Hause selbständig mit ihrem Sohn durchführen kann. In der Werkstatt des Reha-Zentrums wurden eine Stehhilfe und eine Sitzhilfe für Lazarus angefertigt. So lernt der Dreijährige zu stehen und aufrecht zu sitzen. Seine Mutter ist sichtlich stolz als sie von den Fortschritten ihres Sohnes berichtet. Dieser Stolz in den Augen und in der Stimme der jungen Frau berührt mich und macht mich unheimlich glücklich.

Fortsetzung folgt!

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