Hoffnung inmitten der Verwüstung

(FK) Caritas-Mitarbeiterin Christina Grawe befindet sich derzeit auf den Philippinen. Als Kommunikatorin berichtet sie über den Fortschritt der Nothilfe, die Caritas international zusammen mit lokalen Partnern vor Ort leistet. Am 20.11.13 erreicht sie die verwüstete Stadt Tacloban. Ihr Augenzeugenbericht ist erschütternd und gibt gleichzeitig Hoffnung auf eine langsame Verbesserung der Lage.

Frau Grawe, die internationalen Medien berichten vor allem aus der Stadt Tacloban. Unterscheidet sich die Situation dort merklich mit der Situation aus anderen Städten und Dörfern im Land?

Tacloban
Tacloban: Auch 12 Tage nach Haiyan gibt es noch Straßen, die so aussehen. (Foto: Caritas international)

Die Verwüstung in Tacloban ist unfassbar. Alles was ich hier sehe erinnert mich an die Zerstörungen nach dem Tsunami 2004. Mittlerweile hat der Flughafen wieder den Betrieb aufgenommen. Der Landeanflug hat mich sprachlos gemacht. Hier steht kaum ein Stein auf dem anderen. Große Containerschiffe sind hunderte Meter vom Meer aufs Land geschleudert wurden und liegen nun mitten in der Trümmerwüste. Uns bietet sich hier ein surreales Bild. Noch immer irren Menschen auf der Suche nach ihren Familienangehörigen durch die Stadt. Immer noch werden Tote geborgen und liegen in Leichensäcken am Straßenrand. Über der Stadt liegt ein penetranter Verwesungsgeruch. Ich möchte nicht einschätzen, ob von Tieren oder Menschen. Die Zerstörungen im Norden, in Cebu sind auch gravierend, trotzdem ist es hier besonders schlimm. Es ist kaum vorstellbar wie es hier noch vor 12 Tagen aussah.

Was hält die Menschen in der Stadt?

Ich erlebe hier zwei Seiten. Viele wollen die Stadt möglichst schnell verlassen und stehen am Flughafen in langen Schlangen an, um mit Militärmaschinen ausgeflogen zu werden. Für andere ist es selbstverständlich zu bleiben. Eine verzweifelte Frau hat mich heute gefragt, ob ich ihren Sohn gefunden habe. Vielleicht ist es die Hoffnung, die Verwandten doch noch zu finden, die Menschen dazu bewegt, hier zu bleiben. In Mitten dieser schrecklichen Schicksale und Verwüstungen  gibt es kleine Funken Hoffnung, die eine langsame Verbesserung der Situation hier erahnen lassen. In notdürftig zusammengezimmerten Bretterbuden werden etwa Lebensmittel wie Bananen oder Orangen verkauft.

Wie schätzen Sie die Koordination der Hilfe vor Ort ein?

Ein Problem bei der Koordination der Hilfe in Tacloban stellt die Kommunikation dar. In einer halbzerstörten Pfarrei wurde ein Kommunikationszentrum eingerichtet und von hier aus treten wir in Kontakt mit der Außenwelt.

Caritas Mitarbeiterin Christina Grawe in Tacloban. (Foto: Caritas international)
Caritas Mitarbeiterin Christina Grawe in Tacloban. (Foto: Caritas international)

Unsere Partner der Caritas Philippinen sind oft selber Opfer des Taifuns. Selbstverständlich leiden auch die bewährten Caritasstrukturen unter diesen Umständen. Bisher ist uns aber glücklicherweise nichts bekannt über Verstorbene in den Caritas-Reihen und unsere Partner leisten unter diesen Umständen beeindruckende Arbeit. Die Philippinen werden noch lange auf die Hilfe von ausländischen Organisationen und Experten angewiesen sein.

Was wird in Tacloban am dringendsten benötigt?

Hier regnet es täglich und alles wird  nass. Die Menschen sind obdachlos und können sich nicht schützen. Damit die Seuchengefahr nicht weiter steigt, verteilt die Caritas und ihre Partner Planen und Hilfspaket mit Lebensmitteln, Desinfektions- und Hygienemitteln. Noch befinden wir uns in der Phase der Nothilfe. Die Infrastruktur ist komplett zerstört. Wasser wird in Kanistern und Flaschen mit dem Flugzeug angeliefert. Wir sind dankbar für jede Spende und hoffen, dass wir über die erste Katastrophenhilfe hinaus längerfristige und nachhaltige Hilfe und Unterstützung leisten können. Ein Anliegen der Caritas ist, auch nach dem ersten Medienecho die Aufmerksamkeit weiter auf die prekäre Situation der Mensch hier zu leiten. Die Katastrophe nach der Katastrophe muss unbedingt verhindert werden. Daher rufen wir weiter zu Spenden auf.

 

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Autor: Florian

Florian König ist 2013/2014 Praktikant bei Caritas international

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