25. November 2013   | 1 Kommentar

Äthiopien – 13 Monate Sonne und grandioser Kaffee

(MH) Wenn Äthiopien seine Besucher auf Werbeplakaten mit „13 Monaten Sonne“ umschmeichelt, ist das keineswegs gelogen. Tatsächlich kennt der äthiopische Kalender einen 13. Monat – auch wenn der nur sechs Tage dauert. „Und Sonne“, sagt die Sprecherin der äthiopischen Caritas, Makda Yohannes, „Sonne haben wir eigentlich immer, auch in der Regenzeit“.

Kaffee-Zeremonie in Mekele (Nord-Äthiopien)

Kaffee-Zeremonie in Mekele, Nord-Äthiopien (Foto: Markus Harmann)

Auch sonst fällt es uns, die wir im Rahmen der jährlichen Dialogreise von Caritas international am Samstag in Äthiopien landeten, nicht schwer, das Land auf Anhieb zu mögen. Das liegt zum Beispiel am herrlichen Kaffee (Buna), er wird in Zeremonien geröstet, gekocht, verdünnt und schließlich feierlich ausgeschenkt. Das liegt aber auch daran, dass Äthiopien seine Besucher jünger macht: Die Äthiopier leben nämlich aktuell im Jahr 2006. „Wenn Sie uns besuchen, werden Sie also sieben Jahre jünger“, sagt Yohannes und schmunzelt. In ihrer Stimme liegt Stolz. Stolz, der den Äthiopiern ohnehin nachgesagt wird. Denn das Land, das bei uns noch immer fast ausschließlich mit Hungerkatastrophen verbunden wird, ist ein Rarität auf dem afrikanischen Kontinent: Es ist das einzige, das nie unter der Fuchtel von Kolonialherren stand. Die Europäer, insbesondere die Italiener, die Äthiopiern gern zur Kolonie erklärt hätten, bissen sich an der Unzugänglichkeit des Hochlandes die Zähne aus.

Taxi auf äthiopischer Straße, im Hintergrund eine Banderole mit der Aufschrift "we belong to JESUS"

Taxi auf äthiopischer Straße, im Hintergrund eine Banderole mit der Aufschrift “we belong to JESUS” (Foto: Markus Harmann)

Darüber hinaus entwickelte Äthiopien als einziges Land in Afrika eine eigene christliche Tradition. Bereits im vierten Jahrhundert wurde das Christentum auf dem Gebiet des in Äthiopien Staatsreligion. Heute bekennen sich 40 Prozent der Bewohner zum christlichen Glauben, die meisten jedoch zur äthiopisch-orthodoxen Kirche. Gerade einmal ein Prozent der rund 80 Millionen Einwohner sind Katholiken.

Für Caritas International ist Äthiopien dennoch ein langjähriger und wichtiger Partner. Das hat nicht nur mit den immer wiederkehrenden Dürreperioden und der notwendigen Katastrophenhilfe zu tun. „Die äthiopische Caritas ist relativ groß und für uns ein guter Partner“, sagt Caritas-Länderreferent Wolfgang Fritz. Heißt: Gibt die deutsche Caritas Geld, ist auch Verlass darauf, dass die Äthiopier es gut verwenden.

Gruppenbild vor dem Monument in Mekele, das an den Befreiungskrieg gegen das kommunistische Regime erinnert.

Gruppenbild vor dem Monument in Mekele, das an den Befreiungskrieg gegen das kommunistische Regime erinnert. (Foto: Markus Harmann)

Die Dialogreise führt die zwölf deutschen Besucher – allesamt Führungskräfte aus hiesigen Caritasverbänden – nicht nur zu Projekten, sie will auch Impulse setzen. „Impulse für unsere eigene Arbeit. Es ist wichtig, dass wir vor Ort miterleben, mit welchen Problemen und Katastrophen die Menschen zu tun haben. Und es kommt oft vor, dass wir von diesen Dialogreisen Anregungen für die eigene Arbeit mit nach Hause nehmen“, so Oliver Müller, Leiter von Caritas international.

Markus Harmann

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Über Markus Harmann

Markus Harmann Markus Harmann ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln. Seit Mai 2012 leitet er dort die Stabsabteilung Information und Kommunikation.

Eine Antwort auf Äthiopien – 13 Monate Sonne und grandioser Kaffee

  1. Susan sagt:

    Oh ja! Äthiopischer Kaffee ist himmlisch! Aber nur Sonne ;)? Für mich wäre das wohl eher nichts.

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