Jordanien: Zusammenhalt über alle Grenzen hinweg

DSC00614.jpgUnsere Kollegin Dana Shahin aus Jordanien erzählt uns von ihren Begegnungen mit syrischen Flüchtlingen. Allem Elend zum Trotz schimmert für manche ein klein wenig Hoffnung und Normalität durch den schwierigen Alltag.

Vor einigen Tagen habe ich Shaymaa‘ Adileh getroffen. Sie ist 15 Jahre alt und eine der mehreren hunderttausend syrischen Flüchtlinge. Mit ihren Eltern und vier Geschwistern ist sie im Mai 2013 geflüchtet.

“Den Tag, an dem mein Vater beschloss, Syrien zu verlassen, werde ich nie vergessen. Es war beängstigend. Wir erlebten unseren Vater als äußerst besorgt, so sehr wollte er uns in Sicherheit bringen“, berichtet Shaymaa’. Nach der Ankunft in Jordanien bezog ihre Familie dank der Hilfe einzelner Wohltäter ein kleines Haus in der Region Karak.

Shaymaas Vater wusste von der Existenz eines Caritascenters in Karak. Er ging dorthin und meldete seine Familie an, um Hilfsangebote in Anspruch nehmen zu dürfen.

Nach den ersten Hilfsangeboten empfahl das Personal dem Vater, seine Kinder in einer spontan organisierten, vom Caritascenter betriebenen Schule, anzumelden.  “Seitdem ich drei Mal in der Woche die Caritasschule besuche, verspüre ich wieder Freude und Hoffnung, dass es sich doch zu leben lohnt“, hat mir Shaymaa‘ gesagt. Dann hat sie hinzugefügt: “Zwei meiner Brüder und meine Schwester gehen auch zur Schule. Leider kann mein jüngster Bruder nicht mit uns zum Unterricht. Seit seiner Geburt leidet er an Wachstumsstörungen”. 

An der Caritasschule bekommen Shaymaa’ und andere syrischen Kinder Unterricht in Englisch, Arabisch und Mathe. Der Unterricht trägt dazu bei, den verpassten Lernstoff aufzuholen und das bestehende Bildungsniveau einigermaßen beizubehalten. Zusätzlich zu klassischen Schulfächern werden wöchentlich auch Sportunterricht, Spiele und Handwerk angeboten.

“Einmal die Woche haben wir Kunstunterricht. Dort lernen wir durch Zeichnen, das Erlebte zu verarbeiten. Dadurch können wir ausdrücken, was wir empfinden. Das ist mein Lieblingsfach. Seitdem liebe ich es zu malen. Nähen tue ich auch sehr gerne und beim Handwerksunterricht komme ich auch bestens zurecht“,  erklärt Shaymaa’.

 “Vor kurzem bat man uns zu zeichnen, was uns als erstens einfiel oder was einem am meisten fehlte. Und das erste, was mir einfiel, war das Gefühl des Zusammenhalts. Ich erfuhr Liebe und Respekt ungeachtet meiner unterschiedlichen Religion und der Religion, der meine Lehrer angehören. Das von mir gemalte Bild gibt genau das wieder, was ich wirklich empfinde, und das wurde mir erst gar nicht eingetrichtert! Darum sage ich: Danke Caritas“. Shyamaa’ und ihre Freunde haben das erste Halbjahr an ihrer Schule abgeschlossen und freuen sich auf das nächste, das im kommenden Monat startet.

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