Chile: Mit Kommunikation Waldbrände bekämpfen

(IS) In den ersten Januartagen waren verschiedene Gemeinden der chilenischen Region Maule massiv von Waldbränden betroffen. 17.000 Hektar Wald verbrannten. Dank der von der Caritas international unterstützten Projekte der Katastrophenvorsorge, die auf die aktive Teilnahme der Gemeindemitglieder zählt, konnte Schlimmeres verhindert werden.

Dabei kam auch ein Mercedes Benz G-Klasse-Modell zum Einsatz, den die Daimler AG vor einiger Zeit speziell als Katastropheneinsatzfahrzeug technisch aufgerüstet hat. Diese ermöglicht u.a. die Kommunikation im Katastrophenfall aufrecht zu erhalten sowie Strom z.B. für Wasserpumpen zu liefern.

Mercedes mit Kommunikationstechnik
Dieser Mercedes der G-Klasse ist ausgerüstet mit einem Generator u. Kommunikationstechnik. (Foto: Caritas international)

Unteren anderem waren die Gemeinden Pencahue, Palmas de Toconey, Cancha Quillay, Curepto, Gualleco, Constitucón und Putú von den Bränden betroffen. Häuser und Hab und Gut drohten niederzubrennen. Als der Notfall ausgerufen wurde, schaltete sich die die Caritas Chile aktiv in die Koordination der Hilfe ein. Die Caritas hat in Zusammenarbeit mit der Daimler AG genau zu diesem Zwecken das G-Klasse-Modell als operatives und mobiles Notfallzentrum eingerichtet. In Absprache mit den lokalen Behörden machte sich ihr Einsatzfahrzeug in die betroffenen Regionen auf.

Wie wichtig bei solchen Notfällen eine zuverlässige Kommunikation mit den Einsatzkräften, sowie die sinnvolle Koordination sind, stellte sich bei diesem Einsatz heraus.

17.000 Hektar Pinienwald in Flammen
17.000 Hektar Pinienwald wurden vom Brand vernichtet. (Foto: Caritas international)

Rodrigo Cárcamo, Nothilfeexperte der Caritas, schildert den einstudierten Ablauf folgendermaßen: „Dank unserer Telekommunikationstechnik konnten wir permanenten Kontakt zu den einzelnen gefährdeten Regionen sicherstellen und entscheiden, wann wir wo welchen Einsatz durchführen. Mit unserem Spezialfahrzeug unterstützten wir die lokalen Notfallleitstelle bei der Kommunikation mit Technik, und konnten wichtige Hinweise geben, welche Entscheidungen zu treffen waren.“

Im Bezug auf die gesammelte Erfahrung ergänzt der Mitarbeiter der Caritas: „Der erfolgreiche Einsatz hat Modellcharakter. Es wurde deutlich, dass besonders bei Waldbränden eine Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und staatlichen Behörden besonders wichtig ist. Durch die Erfahrung der Bewohner der Gemeinden konnte schlimmeres verhindert werden. Von Beginn an konnten die Brandherde bekämpft werden. Dank der Unterstützung bei der Kommunikation und der Koordination des Einsatzes konnten Häuser, Hab und Gut und letztendlich Leben gerettet werden. Dass nur fünf Häuser abgebrannt sind und es keine Todesopfer zu beklagen gab, ist ein großer Erfolg. Das ist der guten Vernetzung und Zusammenarbeit der verschiedenen Einsatzkräfte zu verdanken. Unser Mercedes-Katastrophenhilfefahrzeug hat einen wichtigen Anteil daran.“

Die Arbeit in Cancha Quillay

Einige der Gemeinden, die von den Bränden betroffen waren, nehmen seit einem Jahr an einem Projekt teil, das „lokales Katastrophenrisikomanagement“ heißt. Das Projekt wird von der Caritas Chile durchgeführt und von Caritas international unterstützt. Die Caritas Chile arbeitet bei der Umsetzung eng mit den Gemeinden und der Lokalregierung zusammen. Das Ziel ist die Einrichtung von lokalen Notfallkomitees (Comités Locales de Emergencia“, CLE), die die Katastrophenvorsorge auf Gemeindeebene selbständig organisieren können.

Das Dorf Cancha Quillay ist eines der Dörfer, das an diesem Projekt teilnimmt. Die Bewohner von Cancha Quillay haben mit Hilfe der Caritas seit Januar vergangenen Jahres ihre Umgebung analysiert und die Isolierung von der Außenwelt bei Waldbränden und Erdbeben als größte Gefahr identifiziert: Die Häuser der Gemeinde verstreuen sich über mehrere Kilometer in einem abgelegenen, stark bewaldeten Tal. Caritas international unterstützte daher den Kauf von Funkgeräten, die im Katastrophenfall den entscheidenden Unterschied ausmachen und Menschenleben retten können.

Die 80-jährige Nelda Marchant engagiert sich im Dorf als Vorsitzende der Gemeindeversammlung und des lokalen Notfallkomitees: „Während des Feuers waren die Funkgeräte, die wir von der Caritas erhalten haben, eine große Erleichterung. Geholfen hat uns auch die Arbeit, die wir im ganzen letzten Jahr geleistet haben. Durch eine Katastrophenübung, die Simulation eines Waldbrandes im Oktober des vergangenen Jahres, wussten wir genau, wie wir uns verhalten mussten.

Nelda Marchant am Funkgerät
Jeanette Fuentes engagiert sich in ihrer Gemeinde für die Katastrophenvorsorge und Koordination. (Foto: Caritas international)

Die Gemeinschaft arbeitete koordiniert zusammen: die Rucksäcke waren gepackt, die Eimer mit Wasser gefüllt, die Schaufeln griffbereit, alle nötigen Geräte an Ort und Stelle. Genauso, wie wir es in der Übung des lokalen Notfallkomitees gelernt haben. Die Gemeinde schaffte es, die Ausbreitung des Feuers zu unterbinden und das Feuer schließlich zu löschen. Somit wurde eine größere Katastrophe verhindert. Der Handyempfang war während des Feuers zusammengebrochen, doch wir konnten auf die Funkgeräte zählen. Ich bedanke mich bei der Caritas für die Verbindung, die sie seit  dem großen Erdbeben 2010 zu uns aufgebaut hat. Inzwischen sind wir ordentlich vorangekommen. Auch der Lehrer bringt den Schülern bei, wie sie sich im Katastrophenfall verhalten müssen. Die Unterstützung durch das Notfallkomitee hat perfekt funktioniert. Es ist sehr viel Arbeit und Verantwortung, das Notfallkomitee zu leiten. Aber für das Wohl der gesamten Gemeinde müssen wir weiter machen“, fügt sie hinzu.

Für Jeanette Fuentes, auch ein Mitglied des Notfallkomitees, ist „das Erlebte der wahrgewordene Alptraum. Als wir im Dorf die Übung gemacht haben, dachten wir an einen möglichen Notfall, der hoffentlich nie eintreffen würde. Die Mühe der Übung hat uns jetzt sehr dabei geholfen, zu wissen wie wir reagieren mussten. Schnell haben wir uns mit den Nachbarn in Verbindung gesetzt und jeder unterstützte den anderen, dabei haben uns die Funkgeräte sehr geholfen. Wir hätten nie gedacht, dass wir sie soll schnell brauchen würden. Das Erlernte hat mir geholfen die nötige Ruhe zu bewahren und die Angst zu überwinden.“

Karen Torres, die sich auch im Notfallkomitee von Cancha Quillay engagiert, erläutert: „Glücklicherweise hat uns das Feuer nicht überrascht. Die Übung hat im Vorfeld gezeigt, wo unsere Schwachstellen sind. Wir konnten sie überwinden, weil wir uns als Gemeinde organisiert haben.“

„Bewusstsein für Notfälle schaffen“

Arturo Parra
Katastrophenbeauftragter Arturo Parra. (Foto: Caritas international)

Arturo Parra, war 18 Jahre Lehrer in der Gemeinde Cancha Quillay. Als Katastrophenbeauftragter des Landkreises setzt er zudem sich für die Sicherheit der Gemeinden ein und versucht die Sicherheitskonzepte ständig zu verbessern. „Der Fortschritt, der durch die Arbeit des lokalen Notfallkomitees in diesem Sektor erreicht wurde, hat mich begeistert. Von Beginn an haben alle die Thematik sehr ernst genommen und es wurde erreicht, dass alle auf den Notfall vorbereitet sind. Keiner hatte vorher an Waldbrände als mögliche Gefahr gedacht, obwohl wir uns in einem Gebiet befinden, dass von Pinienwäldern umgeben ist. Schließlich hatten die Kinder in der Schule die Idee, die Katastrophenübung im Bezug auf einen möglichen Waldbrand durchzuführen. Als der Ernstfall eintrat, waren alle vorbereitet. Die Gemeindemitglieder wussten genau, was sie tun mussten, wo sie sich sammeln sollten und das sie Brandschneisen an bestimmten Orten schlagen müssen. Dank der Funkgeräte konnten sich die Nachbarn absprechen sowie weitere Gemeinden informiert werden. So konnten wir bei dieser Katastrophe nicht bloß reagieren, sondern durch gezielte Schutzmaßnahmen aktiv das Niederbrennen von weiteren Häusern verhindern.

Es handelt sich bei diesem Dorf um eine sehr abgelegene Gegend – ohne Telefonanschluss und mit schlechter Verkehrsanbindung; nur zwei Mal in der Woche gibt es einen Transport aus bzw. ins Dorf. Dank der Funkgeräte fühlen sich die Bewohner nun verbundener mit ihren Nachbarn. Die bisherige Arbeit und der Fortschritt, der gemacht wurde, haben für viele das Leben verändert. Wenn jemand Hilfe benötigt, kann er sich mitteilen. Aus individuellem Handeln hat sich gemeinschaftliches Handeln entwickelt. Jetzt werden mehr Erfahrungen geteilt und mehr im Gemeinschaftssinn gedacht. Es hat sich ein starkes Netz der Solidarität gebildet“, betont er mit Nachdruck.

Über die wesentlichen und anstehenden Herausforderungen sagt er: „Nach dem Brand sind wir gerade dabei, die Schäden aufzunehmen um zu erfassen, wie groß die Verluste tatsächlich sind. Wie viele Tiere, wie viel Tierfutter, wie viel Anbauflächen usw. wurden vernichtet? Wir sind noch am Anfang unserer Arbeit. Die Zerstörungen sind eindeutig schlimmer als nach dem Erdbeben. Wir möchten erreichen, dass alle Gemeinden miteinander vernetzt sind. Sehr wichtig ist es, ein Bewusstsein für mögliche Katstrophen zu schaffen. Dadurch, dass die Kinder die Gefahr der Waldbrände erkannt haben, ist eine wichtige Grundlage geschaffen. Ich bedanke mich herzlich bei der Caritas für das tolle Projekt. Es geht weit mehr über die Bereitstellung von Gerätschaften hinaus. Der Zusammenhalt in der Gemeinschaft wurde gestärkt.“

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Autor: Ingrid Saavedra

Ingrid Saavedra ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Caritas Chile.

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