Deutschland: Solidarität mit Pflegehelfer/innen aus Osteuropa

innovatio_logo_100x100Pflegemigration ist noch immer ein Tabu. Die Probleme für die Pflegehelfer/innen aber sind gravierend: Sie lassen ihre Familien im Heimatland zurück und leiden in Deutschland unter sozialer Isolation. Gerda Dilger ist mit ihrem Projekt der Caritas-Konferenzen im Dekanat Linzgau nun für ihr Engagement mit dem Innovatio-Sozialpreis ausgezeichnet worden.

Vor knapp zwei Jahren hatte ich wenig Ahnung, wie die Pflegebranche in Deutschland funktioniert. Ich wusste: Wir brauchen osteuropäische Helferinnen, um die alternde Bevölkerung betreuen zu können. Heute schäme ich mich manchmal, Deutsche zu sein. Weil ich seit der Gründung unseres Projekts „Solidarität mit Pflegehelfer/innen aus Osteuropa“ direkt miterlebe, wie das Geschäft mit den Frauen aus Polen, Bulgarien oder Rumänien tatsächlich abläuft.

Pflegehelfer/innen aus Osteuropa müssen häufig die Erziehung und Pflege ihrer eigenen Kinder und Eltern vernachlässigen, um in Deutschland ein Auskommen bei der Pflege fremder Menschen zu verdienen.
Pflegehelfer/innen aus Osteuropa müssen häufig die Erziehung und Pflege ihrer eigenen Kinder und Eltern vernachlässigen, um in Deutschland ein Auskommen bei der Pflege fremder Menschen zu verdienen.

Die Vermittlung dieser Pflegehelferinnen befindet sich meist in einer Grauzone, bei der niemand so genau hinsieht – auch dann, wenn die Frauen legal beschäftigt sind. Die Frauen, die ich kennen gelernt habe, arbeiten rund um die Uhr, auch nachts. Statt der erlaubten Grundpflege machen sie auch den Haushalt, arbeiten im Garten oder geben Medikamente. Ein Risiko, für das letztlich niemand haftet. Am Ende bleiben von den 1.800 Euro Monatsgehalt, das die Familienangehörigen für die Betreuung zahlen, zwischen 800 und 900 Euro. Der Rest geht an Mittelsmänner oder geschäftstüchtige Agenturen. Wie groß dieser Markt tatsächlich ist, weiß keiner so genau. Und das in einem Land, in dem normalerweise jede Schraube, die die Grenze passiert, erfasst wird. Forscher schätzen die Zahl der Osteuropäerinnen in deutschen Seniorenhaushalten auf rund 170.000.

Es ist schwer, überhaupt mit diesen Menschen in Kontakt zu kommen. Wir haben eine der wenigen guten Vermittlungsagenturen vor Ort. Die Agentur lässt sich auf eine Kooperation mit unserem Projekt ein und erzählt den Frauen von unserem Angebot. Viele Pflegehelferinnen bleiben aber isoliert. Sie verbringen nahezu 24 Stunden in einer Wohnung bei der Pflegeperson. Schwarzarbeiterinnen wollen keine Aufmerksamkeit. Für eine Klage gegen korrupte Vermittlungsagenturen fehlen ihnen das Geld und der Mut. Umso wichtiger ist es für uns, diese Frauen zu finden und ihnen unser Projekt vorzustellen. Denn das ist deutschlandweit einzigartig. Wir können das System nicht umstürzen – aber wir wollen zumindest hinsehen und -hören, um zu verstehen, wie es funktioniert.

Mehr Infos zum Projekt:

-1786294753_20141002171508_305x305_Fit_1_0_15-6

Print Friendly, PDF & Email
Please follow and like us:

Ein Gedanke zu „Deutschland: Solidarität mit Pflegehelfer/innen aus Osteuropa“

  1. Liebe Gerda,
    wir haben den Blog über Deinen Einsatz und die Auszeichnung für die Dienste (alles ehrenamtlich) gelesen und haben Dich und Deinen Mann kennenlernen dürfen. Wir waren bei Euch eingeladen, und hast von diesem Projekt erzählt für das Du Dich einsetzt. Wenn man aber dann auch die Zeilen im Internet liest, kann man sich erst davon ein Bild machen was da an Arbeit und Zeitaufwand notwendig ist. Ohne Unterstützung Deines lieben Mannes Hermann würde das sicherlich nicht funktionieren.
    Vielleicht liest Du die Zeilen und meldest Dich bei uns.
    Herzliche Grüße
    Gottfried und Elfriede

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.