Deutschland: Upcycling beim Katholikentag

10334448_546556078788063_5173906167629664115_nEingeladen von der youngcaritas Deutschland reiste ich zum Katholikentag nach Regensburg. Im Jugendzentrum sollte ein kleiner, aber feiner Upcycling-Workshop stattfinden. Doch statt der geplanten zwölf Leute standen rund 30 Interessierte vor unserer Tür. Was dann passierte, war faszinierend.

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Die Gruppe beim kreativen Arbeiten.

Als ich ankam, waren der Gang und der Raum, in dem der Workshop geplant war, prall gefüllt mit Jugendlichen – und es wurden immer mehr. Das Workshopangebot kam fast zu gut an. Da wir jedoch niemand wegschicken wollten, planten wir kurzer Hand um. Mit der Warnung, dass uns eventuell das Material ausgehen wird und der Bitte enger zusammen zu rutschen, bildeten sich drei große Arbeitstische und alle, die daran Platz fanden, konnten mitmachen.

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Zwei Teilnehmerinnen bei der Gewinnung von Jerseygarn

Ich schätze, wir hatten etwa 30 zukünftige Upcycler vor uns sitzen und meine Bedenken ihnen gerecht zu werden, waren anfangs groß. Aber unterstützt von Patricia Blasel von der youngcaritas Freiburg und tollen Teilnehmer(inne)n entwickelte sich schnell eine energiegeladene und kreative Stimmung im Raum. Wir hatten eine sehr starke Gruppe. Zum einen waren die Jugendlichen motorisch fit und brachten teilweise auch Erfahrung im Nähen oder Flechten mit. Zum anderen waren sie experimentierfreudig und halfen sich gegenseitig. So entwickelte der Workshop eine eigene Dynamik, die von der Gruppe getragen wurde. Wir boten zwei Upcycling-Methoden: Die Arbeit mit Jerseygarn und das Umnähen von Bekleidung. Jerseygarn gewinnt man beispielsweise, wenn ein T-Shirt horizontal in Streifen geschnitten wird. Durch den Elasthananteil im Jerseystoff rollt sich der Streifen ein. Das gewonnene „Garn“ lässt sich auf viele (Textil)techniken anwenden.

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Der Klassiker: Eine Jerseygarnkette.
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Aus alt mach neu: Eierwärmer aus T-Shirts 🙂

Es kann damit gehäkelt, gestrickt, geflochten oder geknotet werden. Spielerisch näherte sich die Gruppe den Techniken an, ergänzte sie durch eigene und fertigte in Kürze eine Vielzahl an neuen Produkten aus alten T-Shirts. Mit der zweiten Hälfte der Gruppe arbeitete ich an einem separaten Tisch an Nähmaschinen. Aus alten Jeans nähten wir Taschen, aus Hemden wurden Kissen. Auch hier zeigte sich die Stärke und Geschicklichkeit der Gruppe. Obwohl es eng war und die Nähmaschinen ihnen nicht bekannt, passten sie sich der Situation schnell an und bildeten einen produktiven Teamgeist.

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Diese Teilnehmerin war so geschickt, das sie gleich drei Produkte anfertigte.
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Aus einer Jeans nähte sie ein Tasche

Am nächsten Tag präsentierte eine inklusive Gruppe die gefertigen Einzelstücke. Auf freiwilliger Basis konnten die Produkte im Anschluss an den Workshop an die youngcaritas abgegeben werden. Diese wurden im Rahmen der Präsentation auf der Caritas-Bühne versteigert. Entgegen der anfänglichen Angst, nicht genügend Kapazitäten für die Gruppe zu haben, entwickelte sich der Workshop zu einem positiven Beispiel. Wir hatten gemeinsam Spaß und die Möglichkeiten von Upcycling wurden den Teilnehmer(inne)n in einer kreativ entspannten Atmosphären weitergegeben: Ein Bewusstsein für handwerkliche Arbeit, soziale Interaktion sowie motorische und künstlerische Förderung.

Abendstimmung an der Donau in Regensburg.
Abendstimmung an der Donau in Regensburg.
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Autor: Ariane Piper

Die 29-Jährige lebt in Berlin und ist Kulturwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt interkulturelle Beziehungen in der Mode. Sie beschäftigt sich mit nachhaltiger Mode, Produktionsbedingungen in der Textilindustrie und den Möglichkeiten alternativen Konsums. Ehrenamtlich koordiniert sie das Upcycling Projekt *vergissmeinnicht* der Young Caritas in Berlin.

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