Jordanien: Amer und Basima

Namen nachtragen mit UNHCR FLüchtlingsbogenEs zwitschert in der kleinen Wohnung. Zwei Vogelkäfige stehen in den Fenstern, auf dem Boden liegen Matratzen und es gibt einen alten Fernseher. „Das ist alles, was wir haben“, sagt Amer Mohamed Al Shaied. Neben ihm sitzen seine Frau, sein ältester Sohn Mohamed, seine Schwiegertochter Fadia und eine Schar Enkel.

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Basima El Nahas erzählt der Caritas ihre Geschichte. (Foto: Philipp Spalek/Caritas international)

Es ist nicht ganz einfach, die elf Personen zuzuordnen, die hier im Raum versammelt sind. „Ich habe in Syrien als Vogelhändler gearbeitet und hatte Kunden in Syrien, Jordanien und Saudi-Arabien. Das ist alles vorbei.“, sagt der gebrochen wirkende Mann und schaut traurig auf die zwei Käfige. Seine Frau pflichtet ihm bei. Die 45jährige Basima El Nahas ist eine immer noch energische Frau, der es besonders wichtig war, ihre drei Söhne davor zu bewahren, in den syrischen Krieg zu ziehen. Fast wäre es soweit gekommen. Der Einberufungsbefehl zur syrischen Armee für den ältesten Sohn Mohamed lag schon auf dem Tisch, da schlug eine Bombe in ihr Haus ein. Zum Glück wurde niemand verletzt und Mohamed packte die Familie in seinen Pickup-Truck statt in den Krieg zu ziehen. Das Auto, das er bisher für ein eigenes kleines Baustellen-Lieferunternehmen genutzt hatte, fuhr er bis an die jordanische Grenze.Dort verkaufte er es für einen Bruchteil seines Wertes und alle kamen unbehelligt nach Jordanien.

In dieser malerischen schmalen Gasse  Ammans lebt Familie Shaied.
In dieser malerischen schmalen Gasse Ammans lebt Familie Shaied. (Foto: Philipp Spalek/Caritas international)

Jetzt sitzen sie hier seit eineinhalb Jahren und können immer noch nicht fassen, was ihnen passiert ist. Niemand von ihnen darf arbeiten. Sie tun es gelegentlich trotzdem, doch wenn jemand dreimal aufgegriffen wird, der illegal arbeitet, so besagt eine Regelung, der wird wieder nach Syrien abgeschoben. Und dort würde Mohamed angeklagt werden als fahnenflüchtiger Soldat. Er ist ein starker Mann, der das Beste aus jeder Situation machen will, das spürt man. Auf Baustellen hat er versucht, ein wenig Geld zu verdienen, doch sie haben ihn bereits zweimal aufgegriffen. Jetzt sitzt er wie gefesselt in dieser Wohnung. Dafür sind seine zwei Brüder unterwegs und verdienen auf irgendeine Weise die Miete. Die Caritas hilft der Familie mit Essensgutscheinen und Matratzen.

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“Wir müssen ständig daran denken, wie viel besser unser Leben war.” (Foto: Philipp Spalek/Caritas international)

Mohamed, dieser kräftige junge Mann, muss mühsam die Tränen zurückhalten, wenn er über sein früheres Leben spricht. Seine Mutter springt für ihn ein: „Wir haben nie einen Unterschied gemacht zwischen Sunniten, Schiiten und Alawiten, wir waren alle eine große Gemeinschaft. Jetzt sind Grenzen zwischen Menschen entstanden, die früher Freunde waren“, so Basima. Und ihr Mann erzählt von den Zeiten, als die Jordanier nach Syrien kamen, weil sie etwas wollten – billige Waren. „Sie haben sich bei uns mit allem eingedeckt, was sie brauchten, weil es in Jordanien bis zu viermal teurer war. Wir müssen ständig daran denken, wie viel besser unser Leben war“, so Amer. Wie um ihn daran zu erinnern, zwitschert der Kanarienvogel, aber Amer ist jetzt in Gedanken woanders.

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