Deutschland: Fette (Aus)beute bei Primark

(c) Juanma Pérez RabascoDie Tüten sind besonders groß, die Preise unfassbar klein und viele Kunden unglaublich unkritisch. Die Modekette Primark zeichnet sich eben durch ihre Extreme aus. Selbst die eingenähten Hilferufe von Näherinnen in den Kleidern der Marke hat dem Unternehmen und dessen Umsatz nicht nachhaltig geschadet. Schade eigentlich.

Protest gegen Primarkeröffnung in Berlin
Protest gegen die “Mörder-Preise bei Crimemarkt” in Berlin (c) Piper

Die Echtheit der Hilferufe wird von Primark angezweifelt, denn die Bekleidungsstücke stammen aus unterschiedlichen Produktionsstätten in verschiedenen Ländern. Die angeblichen Hilferufe der Näherinnen auf den Wäscheschildern lauteten: “Zur Arbeit bis zur Erschöpfung gezwungen” oder “Erniedrigende Bedingungen in einem Ausbeuterbetrieb”.

Es ist nicht der erste Versuch die Konsumenten auf die miserablen Arbeitsbedingungen in der Textilbranche aufmerksam zu machen. Bei einem Vortrag an einer Uni erzählte eine Studentin, dass sie als Mitarbeiterin eines großen schwedischen Bekleidungshändlers solche”Hilferufe” auch in Bekleidung gefunden haben. Die Reaktion in der Filiale war: Alles entfernen!

Mörderpreise bei Crimemark

Ob der aktuelle Fall von Primark nun echt war oder gefälscht, ist vielleicht gar nicht so wichtig, denn er hat Aufmerksamkeit generiert und das Thema weiter in die Medien gerückt. Leider nicht intensiv genug. Fast zeitgleich eröffnete in Berlin am Alexanderplatz die zweite Primarkfiliale. Während am frühen Morgen die Demonstranten in der Überzahl waren, stieg die Zahl der “Fans” Stunde um Stunde. Eine Traube von Menschen reihte sich in die Schlange ein und stand fleißig an um als erster den neuen Laden betreten zu können. Das Konzept kommt an: trendy, jung, schnell und extrem billig. Dadurch lässt sich für wenig Geld viel einkaufen.

Schnäppchenjagd statt nachhaltiger Einkauf

Primark Eröffnung Berlin
Andrang bei der Primark Eröffnung Berlin (c) Piper

Ich denke nicht, dass das irische Unternehmen Primark unter wesentlich schlechteren Bedingungen als andere Händler produzieren lässt. Die Masse macht mir dieses Unternehmen noch unsympathischer. Die Filialen sind extrem groß. Die Einkaufstaschen sind extrem groß, es passen sicherlich gleich zwanzig Kleidungsstücke rein. Und die Preise liegen unter denen anderer schon extrem günstiger Anbieter. Und sie sehen dabei nicht unbedingt billig aus. Das kommt besonders bei Jugendlichen an, wie die Primark-Plattform Primania zeigt, auf der sich Shopper mit Selfies vorstellen und Tipps geben können. Einblicke in die Ausmaße der Shopping-Exzesse liefern die Videos, die man unter dem Stichwort “Haul und Primark” bei youtube findet. Haul bedeutet übrigens übersetzt “Beute”, es wird in diesen Video also von der Ausbeute berichtet…

Ich kann nur Kirsten Brodde von Greenpeace zustimmen, die in ihrem Blog die einzig nachhaltige Lösung formuliert: Weniger kaufen und Kleidung nicht als Wegwerfprodukt sehen!

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Autor: Ariane Piper

Die 29-Jährige lebt in Berlin und ist Kulturwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt interkulturelle Beziehungen in der Mode. Sie beschäftigt sich mit nachhaltiger Mode, Produktionsbedingungen in der Textilindustrie und den Möglichkeiten alternativen Konsums. Ehrenamtlich koordiniert sie das Upcycling Projekt *vergissmeinnicht* der Young Caritas in Berlin.

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