17. November 2014   | Neuer Kommentar

Deutschland: Nachhhaltig(er) leben 2.0

Nachhaltig einkaufenWie kann ich mein Leben nachhaltiger gestalten? Was bedeutet Nachhaltigkeit überhaupt? Wer alternative Wege vorschlägt, muss auch erklären, was dahinter steckt. Gemäß dieser Devise möchte ich heute ein paar Gedanken zum Thema alternativer Konsum und nachhaltig(er) leben mit euch teilen.

Nachhaltigkeit. Ein Konzept, das seit einigen Jahren nicht mehr wegzudenken ist. Es kam. War da. Und verwirrte. Ist das was Neues? Haben das Generationen vor uns nicht schon immer gemacht? Ja und nein, lautet meine Antwort.  In Zeiten des Rohstoffmangels war der Umgang mit Ressourcen auf Sparsamkeit ausgelegt. Bekleidung wurde von Kind zu Kind weitergeben, es wurde repariert statt weggeworfen und Anschaffungen wurden “fürs ganze Leben” gemacht. Dieser bewusste Umgang mit Ressourcen war nachhaltig.

Produktion, Konsum und die Folgen sind grenzenlos

Weit weg ist auch beim Kauf von Kleidern oft mal näher als man denkt. Darauf verweist auch die Caritas-Kampagne www.globale-nachbarn.de

Weit weg ist auch beim Kauf von Kleidern oft mal näher als man denkt. Darauf verweist auch die Caritas-Kampagne www.globale-nachbarn.de

Der freie Handel, der die Textilindustrie durch Arbeitsteilung in verschiedenste Billigproduktionsländer auslagert, hat eine neue Welt geschaffen. Unterfüttert und schön verkauft durch die Medien, muss es heutzutage immer mehr, immer abwechslungsreicher und immer günstiger sein. Muss das sein? Längst lässt sich nicht mehr verbergen, dass unser Konsumverhalten negative Konsequenzen hat. Seien es die Näher(innen), die unter miserablen Bedingungen arbeiten müssen, die Rohstoffeausbeute, die natürliche Gleichgewichte zerstört oder die steigende Zahl von Intoleranzen und Allergien. Auf dem Blog von Fashion Kleidung findet ihr eine aufschlussreiche Zusammenfassung der Auswirkungen am Beispiel des konventionellen Baumwollanbaus.

Nachhaltig leben und wirtschaften – wie geht das?

Zunächst muss sich jeder seiner Handlungen und der Folgen bewusst werden. Dieser Appell wendet sich an alle: im privaten wie beruflichen, an Konsumenten oder Unternehmer, Fabrikbetreiber oder Arbeitnehmer. Jeder kann einen Beitrag leisten. Sicher unterscheidet sich die Spanne der Verantwortung einer Angestellten zu der einer Führungsposition. Aber man sollte die Macht des Einzelnen nicht unterschätzen. Vielleicht ist es auch die Masse, die die richtige Zusammensetzung und damit die Ganzheitlichkeit ergibt. Denn es ist gar nicht einfach, die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen. Vielleicht sollten wir den Anspruch “Alles richtig zu machen” erst einmal etwas entschärfen.

Natürlich ist ein ganzheitlicher Ansatz der effektivste und glaubwürdigste. Aber das ist eben nicht immer leicht. Es benötigt viel Zeit für Recherche, ist eine Herausforderung an unsere Gewohnheiten und endet auch mal in der Frustration. Deshalb kann und sollte Nachhaltigkeit relativ gesehen werden und jeder muss für sich selber abwägen. Gestern hatte ich wieder so eine Situation im Supermarkt: Kaufe ich die in Plastik eingeschweißte Bio-Gurke oder die konventionelle unverpackte? Eine Kleinigkeit ich gebe es zu. Ein Abwägen auf der Mikroebene.

Die 10 Gebote des nachhaltige(re)n Lebens

“Bleiben sie realistisch!” Das raten Marina Chaboune und Alex Bohm. Kleidung soll aus 100 Prozent ökologischen Materialien sein, ethisch fair hergestellt und am besten noch zertifiziert sein. Das wäre super, ist aber nicht immer möglich. Sehen wir es doch auch mal so: es ist doch schon toll, wenn es Biobaumwolle ist, oder?  Die beiden Autorinnen haben in einem Beitrag für das Flair Magazine, die zehn Do’s und Don’ts  für den korrekten Klamottenkonsum aufgelistet.  Die Liste ist eine Handlungsanweisung für den Verbraucher. Online zu finden ist ein Teil ihres Beitrag auf dem spannenden Blog beyondfashion auf dem sich noch allerlei andere interessante und hilfreiche Artikel finden. Die Liste der beiden ergeben sozusagen die zehn Gebote des nachhaltigeren Lebensstils.

Die richten sich auch an Unternehmer, Politiker und weitere Akteure am anderen Ende des Kette. Wie können diese nachhaltigere Konzepte umsetzen? Meines Erachtens fängt alles bei Transparenz, Glaubwürdigkeit, Vertrauen und langfristigem Denken an. Diese Eigenschaften sind für mich zentrale Anforderungen an die Unternehmensführung. Wer sein Türen öffnet, nichts verschleiert oder schönredet und auch kritische Stimmen zulässt, dem schenke ich viel mehr Vertrauen als Unternehmen, die alles “ach so gut und richtig machen”. Und am Schluss stellt sich heraus, dass es viel heiße Luft ist. Und das gibt es leider wirklich zu oft.

Übrigens habe ich mich gestern gegen beide Gurken entschieden. Verzicht ist manchmal auch eine Lösung.

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Über Ariane Piper

Ariane Piper Die 29-Jährige lebt in Berlin und ist Kulturwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt interkulturelle Beziehungen in der Mode. Sie beschäftigt sich mit nachhaltiger Mode, Produktionsbedingungen in der Textilindustrie und den Möglichkeiten alternativen Konsums. Ehrenamtlich koordiniert sie das Upcycling Projekt *vergissmeinnicht* der Young Caritas in Berlin.

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