Philippinen: Ein Neuanfang mit Donuts

Bei seinem Besuch auf Samar lernt Caritas-Mitarbeiter Ingmar Neumann die Bewohner der Insel kennen, die mit viel Tatenkraft in ein neues Leben gestartet sind. Auch ein Jahr nach dem Taifun Haiyan geht der Wiederaufbau mit Caritas-Unterstützung weiter: Nicht nur Häuserwände werden gemauert, auch Perspektiven werden geschaffen…

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Datu wächst bei seiner Großmutter auf: Sie hat einen kleine Donut-Bäckerei aufgebaut. Mit dem Gewinn kann sie ihr Enkelkind unterstützen. (Foto: Sherwin Aquino)

Ich muss mich bücken, um in die kleine Wellblechhütte zu kommen. Als ich wieder aufblicke strahlt mich der 13-jährige Datu an. Mit seinen Füßen hält er geschickt die Fernbedienung eines neu wirkenden TV-Geräts. Mit kleinen Zehen drückt er gezielt die Tasten. Plötzlich kreischt er verzückt. Er hat den Comic-Kanal gefunden. Der Junge wächst bei seiner Oma auf. Er ist mehrfach behindert und dringend auf die Unterstützung seiner Großmutter Lola angewiesen.

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Mit dem Startkapital der Caritas konnte Lola sich Mehl kaufen – eine wichtige Zutat für die Donuts. (Foto: Sherwin Aquino)

Lola berichtet von den Wochen nach dem Taifun. Sie ist in ihre Hütte an der Küste zurückgekehrt. Mit Planen und etwas Holz, hat sie die Behausung wieder bewohnbar gemacht. Von Caritas hat sie außerdem 5.000 Pesos Startkapital erhalten. Investiert wurde dieses Geld in Mehl. Damit kann sie nun Donuts backen und – wenn ihr jemand den Enkel für ein paar Stunden abnimmt – auch verkaufen. Der Fernseher ist ihr Stolz. Mit ihren Einkünften und Ersparnissen konnte sie das Gerät erwerben. Endlich kann der Junge nach Herzenslust fernsehen und wird nicht mehr von den Nachbarn weggeschickt, weil er zu laut kreischt, wenn er bei ihnen seine Lieblingssendung entdeckt.

 Trügerische Idylle

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Wenn der nächste Taifun über die Philippinen fegt, bieten solche sporadisch errichteten Häuser keinen Schutz. (Foto: Sherwin Aquino)

Nachmittage streifen wir durch die Küsten Barangays. Die einfachen Hütten stehen quasi am Strand. Was bei schönem Wetter idyllisch wirkt, wird bei Seebeben oder Hochwasser zu einer tödlichen Falle. Und dennoch haben die Menschen ihre Hütten hier wieder aufgebaut. Ihre Geschäfte genau hier wieder eröffnet. Es fehlt die Alternative. Die Bewohner gehören zu den Ärmsten und sind froh, dass sie diese Parzellen ihr eigen nennen können. Kinder springen um die Häuser, Motorroller tuckern auf der Küstenstraße vorbei. Mir steigen die Tränen in die Augen.

Stabile Häuser, neue Fischerboote und nachhaltige Fischerei

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Mit Unterstützung der Caritas werden massive Häuser gebaut, die einem Wirbelsturm Stand halten können. (Foto: Sherwin Aquino)

Was für ein Tag. Ich lerne unterschiedliche Barangays (Siedlungen) der Gemeinde Balangiga kennen. Vormittags werde ich von den Caritas-Volunteers durch Bacajo geführt. In den kommenden Monaten werden hier 147 massive Häuser gebaut. Das ganze Dorf zieht dabei einige Meter weiter ins Landesinnere, um die Häuser in einer sichereren Umgebung zu bauen. Am Wasser liegen die neuen Fischerboote. Am Küstensaum werden Mangrovenwälder wiederaufgeforstet und die Gemeinschaft stellt gemeinsam um auf nachhaltige Fischerei.

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