18. März 2015   | 2 Kommentare

Jordanien: Von Hannover nach Madaba

Ab dem 15. April wird Stefan Mispagel, ein Kaplan aus Hannover, für vier Wochen das Freiwilligenteam der Caritas Jordanien verstärken. Vor Ort wird er irakische und syrische Flüchtlinge in zwei Sammelunterkünften betreuen und weitere Nothilfeprogramme im Caritas-Zentrum in Madaba unterstützen. Über unseren Blog wird er uns an seinen Eindrücken teilhaben lassen. In seinem ersten Artikel erzählt er uns, wie es eigentlich dazu kam.

MispagelIch bin 38 Jahre alt und lebe zurzeit in Hannover, wo ich als Kaplan in einer Pfarrei am Stadtrand eingesetzt bin. Dort unterstütze ich den Pfarrer und unser Pastoralteam in verschiedenen Bereichen der Seelsorge. Schwerpunkte meines Diensts sind jedoch die Kinder- und Jugendarbeit, die Vorbereitung auf die Erstkommunion und die Familienpastoral. Daneben gehöre ich zum Team der Cityseelsorge in der Innenstadt von Hannover, wo ich mit unterschiedlichsten Themen und Problemen der Gemeindemitglieder konfrontiert werde. Dazu gehört auch Armut, wenngleich eine andere Form von Armut, als ich sie zum Beispiel in Indien erfahren habe, wo ich während meines Wirtschaftsstudiums für einige Monate bei einem Entwicklungsprojekt mithelfen durfte.

Die Flüchtlingsbilder aus dem Nahen Osten lassen mich nicht los
Der eigentliche Beweggrund, mich für einen vierwöchigen humanitären Einsatz bei der Caritas international zu bewerben, war ehrlich gesagt ein inneres Drängen. Ich habe die Bilder aus den Flüchtlingslagern im Nahen Osten gesehen und dabei den dringenden Wunsch verspürt, meine Gemeinde im sicheren Deutschland für eine Zeitlang zu verlassen, um an anderer Stelle Dienst an den Menschen in einer Weise tun, die noch einmal sehr anders und vermutlich direkter sein würde, als meine Aufgaben in einer Pfarrei in Deutschland das ermöglichen.

Zudem wird sehr bald in unmittelbarer Nachbarschaft unserer Kirche ein großes Flüchtlingsheim gebaut. Die Arbeit mit syrischen und irakischen Flüchtlingen in Jordanien gibt mir die Chance, mehr über den Kontext dieser Menschen zu erfahren. Diese Erfahrungen und die Berührung mit einer mir weitgehend fremden Kultur sehe ich als Bereicherung für meine spätere Arbeit mit Flüchtlingen in Deutschland. Dies ist auch einer der Gründe, warum mein Bischof und der Pfarrer meiner Gemeinde mein Anliegen unterstützen. Dennoch hatte ich auch Zweifel, ob mein zeitlich beschränktes Angebot, vier Wochen in einem Flüchtlingsgebiet mitzutun, für die Caritas mehr Aufwand als Nutzen bedeuten würde, auch wenn ich die Kosten meines Aufenthaltes selbst trage.

Ein paar Brocken Arabisch und einen Ball im Gepäck
Um mich auf meinen Auslandaufenthalt vorzubereiten und um ein allererstes Bild zu erhalten, wie es ist, in Deutschland als Fremder anzukommen, werde ich in den nächsten Tagen eine der Erstaufnahmeeinrichtungen in Niedersachsen besuchen. Ich halte es für wichtig, die Situation insbesondere der syrischen und irakischen Flüchtlinge besser kennenzulernen, um vor Ort in Jordanien einen Vergleich herstellen zu können. Parallel versuche in der Kürze der Zeit noch einige Brocken Arabisch zu lernen, um vielleicht nicht nur mit Händen und Füßen kommunizieren zu können. Einen Deutschkurs für Anfänger werde ich auch einpacken. Vielleicht lerne ich ja Leute kennen, die ein paar Worte Deutsch lernen möchten. Und ein Fußball darf im Gepäck natürlich nicht fehlen, das weiß ich inzwischen aus der Jugendarbeit in Deutschland.

Vermutlich wird das meiste sehr anders sein, als ich es mir vorstelle, weil ich mir die Flüchtlingssituation und das große Leid, das an den Menschen dort geschehen ist, trotz der vielen Bilder und Berichte in den Medien nicht wirklich vorstellen kann. Trotzdem hoffe ich, bei allen zeitlichen und sprachlichen Einschränkungen, ein kleines Zeichen der Solidarität für diese Menschen setzen zu können, die fast alles verloren haben. Ich halte Sie in diesem Blog auf dem Laufenden.

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Über Stefan Mispagel

Stefan Mispagel Stefan Mispagel ist ein Kaplan aus Hannover, der für vier Wochen das Freiwilligenteam der Caritas Jordanien verstärkt. Vor Ort wird er irakische und syrische Flüchtlinge in zwei Sammelunterkünften betreuen und weitere Nothilfeprogramme im Caritas-Zentrum in Madaba unterstützen.

2 Antworten auf Jordanien: Von Hannover nach Madaba

  1. Petra sagt:

    Hi Stefan,
    ich bewundere deinen Mut. Ich weiß, dass deine Arbeit großartig sein wird, auch wenn du leider nicht alle Menschen retten kannst. Du kannst aber, wie du selber geschrieben hast, ein Zeichen setzen, den Kinder Mut machen, Hoffnung geben und einfach für sie da sein.
    Ganz lieben Gruß
    Petra & Co

  2. Norbert und Uschi Ellert sagt:

    Lieber Stefan,
    alles Gute für Deinen Aufenthalt in Jordanien!
    Herzliche Grüße von Norbert und Uschi Ellert

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