3. Juni 2015   | Neuer Kommentar

El Salvador: “Von unten” Rechte einfordern

Paco heißt eigentlich Michael und kam während des Bürgerkrieges als Arzt nach El Salvador. Heute arbeitet er für die größte Organisation für Menschen mit Behinderungen in dem mittelamerikanischen Land. In seinem ersten Beitrag berichtet er über die Anfänge seiner Arbeit.

Ich bin Paco und 1987 nach El Salvador gekommen. Mittlerweile arbeite ich in einem Caritas-Projekt für Menschen mit Behinderungen. Damit ihr diese Arbeit etwas  besser versteht, möchte ich euch zunächst etwas über ihr Entstehen und den historischen Kontext erzählen.

Ab 1980 herrschte in El Salvador zwölf Jahre lang Bürgerkrieg, der Las Flores dic.92 regreso de Cuba1992 durch ein Friedensabkommen zwischen der damaligen Regierung und der Guerrillabewegung FMLN (Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional) unter Vermittlung der Vereinten Nationen beendet wurde. 1987  kam ich selbst als Arzt in das Kriegsgebiet und nahm zu der Zeit den Decknamen Paco an, der mir bis heute geblieben ist.

Der Krieg und das anschließende Friedensabkommen bewirkten – zumindest in einigen Bereichen – tiefgreifende Veränderungen im Land: Der staatliche Repressionsapparat wurde aufgelöst, es war wieder möglich für politische und soziale Veränderungen mit friedlichen Mitteln zu kämpfen und die ehemalige Guerrillabewegung verwandelte sich in eine politische Partei, die 1994 erstmals an den demokratischen Wahlen teilnahm und seit 2009 den Präsidenten des Landes stellt. Vor dem Krieg wurden Wahlresultate nur dann von der Oligarchie akzeptiert wenn sie “genehm” waren. Im anderen Fall wurde geputscht.

Aber trotz dieser Fortschritte hinterließ der Krieg auch ungefähr 40.000 Kriegsbehinderte unter den ehemaligen Soldaten, Guerillakämpfern und der Zivilbevölkerung. Aus der Erkenntnis heraus, dass man “von unten” nur in organisierter Form gesellschaftliche Verhältnisse verändern und  seine Rechte durchsetzen kann, gründeten die Kriegsbehinderten der ehemaligen Befreingsbewegung  einen Verein, der nach kurzer Zeit auch für ehemalige Soldaten und Kriegsbehinderte aus der Zivilbevölkerung geöffnet wurde. Heute ist dieser Verein mit über 8.000 Mitgliedern die größte Organisation von Menschen mit Behinderung des Landes und sogar eine der größten in Lateinamerika.  Ziel war und ist es, die Rechte der Kriegsbehinderten gegenüber der Regierung, dem Staat und der Gesellschaft einzufordern und durchzusetzen. Den Organisationsprozess und den anschließenden Kampf um die Einhaltung der im Friedensvertrag festgelegten Rechte habe ich, zunächst im Auftrag der FMLN als Partei, ab 1992 begleitet.

Da dieser Kampf und die Durchsetzung der Rechte von Menschen mit Behinderung, unabhängig von ihrer jeweiligen Ursache, aber einen langen Atem erfordern, hat die Organisation auch von Anfang an eigene Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Kriegsbehinderten entwickelt und durchgeführt. Um die dafür benötigte Finanzierung, die zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich durch internationale Unterstützung möglich war, zu erlangen, war vor allem ich zuständig. So trafen wir 1996 auf Caritas international, mit denen wir seitdem zusammenarbeiten.

Über die konkrete Arbeit und ihre Entwicklung im Laufe der Jahre, erzähl’ ich euch dann in meinem nächsten Beitrag.


Archiv, Lateinamerika, Teilhabe bei Behinderung

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