7. Oktober 2015   | 1 Kommentar

Serbien: Regen und Kälte

Tausende von Flüchtlingen erreichen täglich Serbien. Sie wollen weiter nach Österreich, Deutschland oder Schweden. Denn sie hoffen auf ein besseres Leben und auf ein Leben ohne Gewalt und Terror. Ana Zivkovic, Leiterin der Öffentlichkeitsabteilung der Caritas Serbien, erläutert, was sie ganz persönlich über die Situation denkt. Aufgezeichnet von Stefan Teplan.

Fluechtlinge_ an_ungarischer_Grenze

Flüchtlinge im Regen an ungarischer Grenze. Bild: Stefan Teplan / Caritas international

„Es regnet viel und täglich wird es kälter. Milica Ocokoljic, eine Caritas-Mitarbeiterin vom Flüchtlingslager in Presevo, erzählte mir, dass es für sie hart sei, die Menschen so hungrig und durchnässt zu sehen. Sie sei auf eine junge syrische Familie getroffen: Der Vater 34 Jahre und die Mutter 27 Jahre alt. Sie haben siebenjährige Zwillinge, einen vier Jahre alten Sohn und die Frau brachte am 7. September in Kavala in Griechenland Drillinge auf die Welt. Können Sie sich vorstellen, wie schwierig es sein muss, auf der Flucht Kinder auf die Welt zu bringen?

Da der Winter bald kommt, planen wir ein spezielles Winterhilfsprogramm. Verteilt werden sollen 5000 Schlafsäcke und Regenmäntel für Kinder. Im Flüchtlingslager in Preshevo, im Süden des Landes, verteilen wir Hygiene-Kits mit Zahncreme, Zahnbürsten, Feuchttüchern, Hygieneartikeln für Frauen und Babyartikel, wie Windeln, Puder und anderes. Gestartet hatten wir mit den Hygiene-Kits im Norden, an der ungarischen Grenze. Doch als es für die Flüchtlinge immer schwieriger wurde, diese Grenze zu überqueren, verlagerten sich die Verteilungen. In Preshevo gehen wir auch das Müllproblem an. Sie können sich vorstellen, wie viel Müll anfällt, wenn unerwartet so viele Menschen an einem Ort zusammen treffen: Die Gemeinde wurde der Lage nicht mehr Herr. Wir werden zusätzliche Container bereitstellen, auch um Krankheiten zu vermeiden.

Aber Flüchtlinge treffen Sie nicht nur entlang der Grenzen an. Wenn Sie durch Belgrad gehen, sehen Sie tausende Menschen, die dort in Parks campieren und unter freiem Himmel schlafen. Ich versuche, mich in sie hineinzuversetzen und kann regelrecht spüren, wie hart es sein muss, alles zurückzulassen und nur mit einem Rucksack solch eine Reise anzutreten.

Ohne Erlaubnis der örtlichen Behörden können wir leider keine Notunterkünfte bereitstellen. Die Regierung zeigt sich dafür verantwortlich und der Ministerpräsident hat angekündigt, ein großes Flüchtlingszentrum für 4000 Personen in Belgrad zu eröffnen. Wir planen, dann dort unsere Aktivitäten auszuweiten.

In der Nähe des Belgrader Bahnhofs sind ebenfalls etliche Flüchtlinge, die auf Transportmöglichkeiten warten. Dort werden wir sanitäre Anlagen und Duschen errichten. Natürlich verteilen wir auch Lebensmittel und Trinkwasser.

Damit die Menschen Kontakt mit ihren Familien aufnehmen können, stellen wir Internet-Hot-Spots in den Lagern im Norden und im Süden zur Verfügung.

Es bewegt mich sehr, so viele Familien zu sehen, die mit kleinen Kindern unterwegs sind. Die eine so lange und beschwerliche Reise auf sich nehmen. Es ist ein langer Weg und die Menschen nehmen diesen Weg nicht ohne Grund auf sich!

Viele Einwohner in Serbien wissen, was es heißt, auf der Flucht zu sein. Sie kommen aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus Bosnien und Kroatien. Sie wissen, was es bedeutet, alles zu verlieren und von vorne anfangen zu müssen. Wir haben großes Mitgefühl mit den Menschen dort draußen und wir werden helfen, so gut wir können.“

Ana Zivkovic, Leiterin Kommunikation der Caritas Serbien

Aufgezeichnet von Stefan Teplan

Weitere Informationen zu unserer Nothilfe in Serbien finden Sie auf unserer Website: http://www.caritas-international.de/hilfeweltweit/europa/serbien/fluechtlinge-serbien


Archiv, Europa, Flucht und Migration

Über Stefan Teplan

Stefan Teplan Stefan Teplan ist Journalist und Öffentlichkeitsarbeiter für Caritas international. Seit 2007 begleitet er die jährlichen Begegnungsreisen mit Caritas-Mitarbeitenden aus aller Welt.

Eine Antwort auf Serbien: Regen und Kälte

  1. biljana.radivojevic sagt:

    Krankeschwester seit 1992 im München Kamm aus Bosnien nach Deutschland.Zweite Wohnsitz Novi Sad Serbien . Ich möchte gerne hilfberait sein und für Ihre Projekte angaz.werden Ich habe genug zeit und mächte gerne helfen.Danke

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