2. November 2015   | Neuer Kommentar

Jute Works – Ein soziales Unternehmen der Caritas Bangladesch

Das Dorf Luduria liegt etwa 30 Kilometer nördlich von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch. Wir sind unterwegs mit Bertha Baroi und Ananda Gomes, Direktorin und Vize-Direktor eines einzigartigen sozialen Unternehmens der Caritas – „Jute Works“: Es beschäftigt im ganzen Land rund 4.000 Frauen im ländlichen Raum, die zu den Ärmsten der Armen gehören.

In Arbeitsgruppen entstehen Fair-Trade-Produkte aus Jute, Baumwolle, Ton, Palmfasern und Seide. Spielzeug, Dekorationsartikel, Schuhe und Taschen gehen in den Export für den globalen Markt. „1973 haben wir mit den ersten Frauen begonnen. Manche sind noch immer bei uns, sie konnten ihr Leben entscheidend durch diese Arbeit verbessern“, so die Direktorin Bertha Baroi.

Im Dorf Luduria treffen wir auf eine Handwerkerin der ersten Stunde. Es ist Savestina Rozario. Bevor sie spricht, bewundern wir ihre flinken Finger, die ein Jute-Püppchen flechten. Mit ihren 41 Jahren handwerklicher Erfahrung ist sie eine der schnellsten in ihrer Arbeitsgruppe, auch wenn sie schon 70 ist. Sie erzählt, wie sie in den Siebzigerjahren mit fünf Kindern und ihrem Mann, der nur wenig Geld von Gelegenheitsarbeiten heim brachte, sehr froh war, mit Hilfe der Caritas verlässlich Geld hinzu zu verdienen. „Es reichte sogar dafür, dass wir uns ein einfaches Haus bauen konnten. Das war ein unglaublicher Erfolg für unsere Familie und ein sichtbares Zeichen, dass wir nicht mehr zu den Ärmsten gehören. Alle meine fünf Kinder konnte ich in die Schule schicken“, so Savestina Rozario.

Neben ihr sitzt Schwiegertochter Suma Costa und lächelt: „Ich bin seit zehn Jahren dabei und auch für unsere Familie ist es ein Segen, dass es diese Arbeit für mich gibt. Wir haben kein Land, können also nichts anpflanzen und ernten, wir müssen Arbeit finden.“ Bei den Costas bedeutet das, sich eineinhalb Jahre am Stück nicht zu sehen. So lange muss ihr Mann als Fahrer im fernen Bahrein arbeiten, bevor er für zwei Monate nach Hause kommt. Die Costas haben zwei Kinder mit sieben und elf Jahren, für die kann Suma Costa dank „Jute Works“ wenigstens täglich da sein. Und auch für ein kleines Haus hat es nach ein paar Jahren gereicht.

Was hat es mit den Püppchen auf sich, die Savestina und Suma mit sehr vielen anderen Frauen knüpfen? Das war ein Großauftrag der Caritas international aus Deutschland. Zu Weihnachten bekommt jeder ihrer 100.000 Spender ein Püppchen als Schlüsselanhänger in einem Brief zugesandt. Das Püppchen ist ein Geschenk der Caritas, die auch im Jahr 2015 hunderte Projekte auf dem ganzen Globus dank ihrer Spender ermöglichen kann. Und mit diesem Dankeschön wissen wiederum tausende Frauen und ihre Familien in Bangladesch einige Wochen wovon sie leben sollen.

Jörg Schaper, Bangladesch, 7. September 2015

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Über Jörg Schaper

Jörg Schaper Seit 2012 ist der gelernte Biologe Referent für Fundraising und Direkt-Marketing bei Caritas international. Immer wieder reist er direkt in die Projekte der Caritas in alle Welt, um möglichst authentisch darüber berichten zu können.

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