Bolivien: Welcome to the Jungle

Mehr als 3000 Meter geht es für uns in die Tiefe. Auf dem possierlichen Flughafen im nordbolivianischen Cobija angekommen (hier wird das Gepäck noch ganz manuell verladen und an den Mann oder die Frau gebracht), laufen wir direkt in eine Wand aus Hitze und Feuchtigkeit.

IMG_0625Das Atmen, so stellen wir erleichtert fest, fällt hier jedoch um einiges leichter. Unsere Partner von der Caritas Pando, die in dem Distrikt insgesamt 25 Dörfer dabei unterstützen, im Regenwald verschiedene Parzellen für den Obst- und Gemüseanbau anzulegen, empfangen uns herzlich.

Nach einer allgemeinen Einführung in die Struktur des Projekts geht es für uns mit den Kollegen aus Nordbolivien ins “Feld” – damit wir hautnah sehen können, wie es vorangeht. Während die Straßen in der Nähe der Provinzhauptstadt, in der rund 40.000 Menschen wohnen, höchsten Standards entsprechen, sind alle abzweigenden Straßen vor allem mit zahllosen Schlaglöchern verzierte Feldwege.

Aber einen Schritt zurück: Worum geht es in dem Projekt genau?

IMG_0642In den Dörfern am Rande des Amazonas-Regenwalds ist die Ernährung der Dorfbewohner vor allem eines: einseitig. Das Geld, das sie verdienen, reicht nur für das Nötigste. Diejenigen, die hier Pflanzen aussäen, haben bis vor kurzem vor allem auf die Methode der Brandrodung gesetzt. Diese mag zwar kurzfristig positive Effekte auf den Anbau haben, auf mittlere und lange Sicht wirkt sie sich jedoch fatal aus. Um nur wenige Schattenseiten zu nennen: Es fehlt organisches Material, das den Boden schützt, die Erosion nimmt zu, die Asche wird durch den Wind verweht und legt sich auch auf anderen Flächen ab. Auch die Tierwelt wird durch das Feuer dezimiert.

IMG_0525Doch es geht auch anders. Mit den richtigen Kniffen können auch im Regenwald zahlreiche Pflanzen angebaut werden – ohne gleich rabiat werden zu müssen. Engagierte Familien werden in Seminaren der Caritas geschult, wie sie Yukka, Bananen, Ananas, Wassermelonen, Gurken, Zwiebeln, Paprika, Kakao und Kaffee auf ihren Parzellen anbauen können. Die Setzlinge für die Pflanzen stellt die Caritas bereit.

Es ist der Gegenentwurf zur Monokultur. Mit diesem Ansatz bereichert sich die Flora gegenseitig. Der Kakao etwa braucht zum Beispiel immer eine Pflanze in seiner Nähe, die ihm Schatten spendet. Andersherum wirft er viele Nährstoffe ab, die andere Pflanzen nutzen können. Die Techniker der Caritas helfen den Teilnehmern der Projekte dabei, dieses Wissen in die Praxis umzusetzen. In Gemeinden, in denen das Projekt sich schon etabliert hat, weiß man die neue Technik mehr als zu schätzen: “Es ist wie ein Supermarkt ohne Preise”, sagt einer der Teilnehmer. “Du musst nur in die Parzelle gehen und kannst dir nehmen, was du willst.” Auch die Arbeit, die man in diese hineinstecken müsse, halte sich in Grenzen – solange die Versorgung mit Wasser stimme. Auch wir profitieren von dem Prinzip Supermarkt: Bei jedem Besuch eines Dorfes bekommen wir ein ordentliches Stück einer Wassermelone gereicht.

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Autor: Holger Vieth

Der Politikwissenschaftler und ehemalige Agenturjournalist ist seit 2014 bei Caritas international. Als Pressereferent und Online-Redakteur kümmert er sich um Medienanfragen aller Art und versucht den Spendern die vielen Projekte mit viel Farbe näher zu bringen.

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