3. Dezember 2015   | Neuer Kommentar

Tansania: Dialogreise vom 28. November bis 6. Dezember

Tag 5 – Mittwochnachmittag, 2. Dezember 2015: Anna Mollel begrüßt uns am Mittwochnachmittag sehr herzlich im Hof der inklusiven Primarschule namens „Engilang’T“, zu Deutsch „Licht“, die sie in Arusha gebaut hat und seitdem betreibt.

 

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Anna-Mollel stellt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Dialogreise ihr Schulprojekt vor. Foto: Christine Wegner-Schneider

Sie war bereits seit Ende der 1990-er Jahre zusammen mit der Deutschen Elfriede Steffen wesentlich an der Gründung, dem Aufbau und der Leitung des Reha-Zentrums für Kinder mit Behinderungen „Huduma ya Walemavu“ im Distrikt Monduli beteiligt, das wir an diesem Vormittag besucht haben.

Nach diesem Lebenswerk hätte sie sich als Rentnerin zur Ruhe setzen können. Aber Anna Mollel ließ sich weiter von der Not ansprechen, die ihr im Alltag begegnete. Einem Jungen mit einem Wasserkopf ermöglichte sie eine operative Behandlung und unterrichtete ihn anschließend auf dessen Wunsch hin. Er hatte Angst vor der regulären Grundschule im Ort, wo ihn die anderen Kinder hänselten.

Weitere Kinder mit Behinderungen kamen nach und nach hinzu, die Anna Mollel alle in ihren begrenzten und einfachen Privaträumen unterrichtete – ohne zu wissen, wie es weitergehen sollte. Dann kam unvermutet das große Glück: Vor drei Jahren wurde sie zur Siegerin des „World Children’s Award“ von Kindern überall auf der Welt gekürt. Vom Preisgeld in Höhe von 50.000 Dollar gab sie einen Teil an das Monduli Center für dessen Arbeit. Mit dem größeren Rest baute sie eine Primarschule, die inklusiv geführt wird: Unter den 270 Schulkindern sind 14 Kinder mit mittelschweren bis schweren körperlichen Behinderungen, die wie alle am Unterricht teilnehmen und zusätzliche Förderung erhalten. Die Schule nimmt bereits nach kurzer Zeit im Rahmen eines staatlichen Rankings den obersten Platz unter den Primarschulen landesweit ein.

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Ein Blick in die Klasse, in der Kinder mit und ohne Behinderungen unterrichtet werden. Mit dem Fuß zu schreiben hat der Junge im Vordergrund gelernt. Foto: Christine Wegner-Schneider

Anna Mollels Vision ist, dass Kinder mit und ohne Behinderungen sich frühzeitig aneinander gewöhnen und einen normalen, sich gegenseitig annehmenden und wertschätzenden Umgang miteinander lernen. Dass dies in ihrer Schule gelingt, konnten wir bei unserem Rundgang in den Klassen deutlich sehen und spüren. Ein etwa 9-jähriger Junge, der von Geburt an keine Arme und nur ein Bein hat, hat gelernt, alles Mögliche mit Hilfe des einen Beins zu machen, auch zu schreiben. Als er uns eine Schreibprobe vorführt, klatschen die anderen Kinder begeistert in die Hände und skandieren „Superstar“.

Die Hälfte der Kinder mit Behinderungen, die ihre Primarschule besuchen, wohnen bei Anna Mollel in ihrem Privathaus unter beengten und bescheidenen Verhältnissen, da sie als Massai-Kinder sonst zu weite Wege zur Schule hätten.

Anna Mollel unterhält zusammen mit einer kleinen Frauengruppe eine kleine Weberei, mit der die typischen tansanischen Stoffe bzw. Überwurfe aus mit Pflanzenfarben gefärbten Baumwollgarnen auf einem manuellen Webstuhl hergestellt werden. Der Erlös geht zum Teil in die laufenden Kosten der Primarschule. Außerdem benötigt Anna Mollel einen Teil, um ihre behinderten Pflegekinder zu versorgen. Es ist einfach wunderbar, mit welcher Energie sich diese bemerkenswerte und visionäre Frau unter sehr schwierigen Bedingungen für die Inklusion von Kindern mit Behinderungen einsetzt. Wir fahren sehr erfüllt von dieser Begegnung zur Lodge zurück.

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Afrika, Archiv, Rechte für Kinder, Teilhabe bei Behinderung

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