4. Dezember 2015   | Neuer Kommentar

Tansania: Dialogreise vom 28. November bis 6. Dezember

Tag 6 – Donnerstag, 3. Dezember 2015: Zäumen wir den Tag mal mit einem eindrücklichen Erlebnis vom Ende her auf. Wir sind beim Erzbischof von Arusha, Josaphat Louis Lebulu, zu Empfang und Abendessen eingeladen.

 

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Empfang und Abendessen beim Erzbischof von Arusha Josaphat Louis Lebulu Foto: Harald Westbeld

Als sein Teller leer ist, steht der Erzbischof auf, nimmt seinen Teller und nimmt weitere unserer Teller mit, um sie in die Küche zu bringen. Persönlich serviert er auch einem von uns ein Getränk. Es ist offensichtlich, dass er dies nicht nur für uns tut, sondern dies für ihn selbstverständlich ist.

Auch in seinem Grußwort zeigt sich Josaphat Loius Lebulu sehr lebensnah. Er betont die langjährige Partnerschaft mit der Caritas in Deutschland. Man habe viel von Deutschland lernen können, aber er hoffe, dass dies auch umgekehrt gelinge. Die soziale Arbeit der Kirche liegt ihm unverkennbar am Herzen.

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Not sehen und handeln: Bernhard Verholen von der Caritas Aachen bindet einem kleinen Jungen die Schuhe zu, als es nach draußen geht. Er war schon ganz verzweifelt, weil er mit der Schnürung nicht zurechtkam. Foto: Harald Westbeld

Er war es auch, der das Vorschulprogramm im Massai-Gebiet angestoßen hat, das seit 18 Jahren mit der Unterstützung von Caritas international wächst und jetzt das Bildungskonzept der tansanischen Regierung verändert. Die tansanische Vorschule entspricht dem deutschen Kindergarten, war nur bislang eher eine vorgezogene Grundschule, in der schon Lesen, Schreiben und Grundzüge der Mathematik gelehrt wurden.

Dagegen setzt das Vorschul-Programm der Caritas auf den in den 70er Jahren in Deutschland entwickelten „Situationsansatz“. Den erleben wir hautnah nach gut zwei Stunden Fahrt am Morgen weit abseits der Hauptstraße nach Nairobi im Nirgendwo.

Unweit einer Boma, einem Hüttendorf, wartet eine Gruppe Massai auf uns, die Kinder auf einer blauen Plane sitzend, die Sandalen sauber aufgereiht am Rand, hinter ihnen die Mütter und Väter. Mit Gesang und Tanz empfangen sie uns, viele Begrüßungsworte werden gewechselt und viersprachig übersetzt. Dann erleben wir ein Stück des Kindergartenalltags.

Nach dem Sitzkreis verteilen sich die Kinder in durch Steine abgegrenzte Ecken, können hier malen, basteln, kochen… Eine Gruppe der Kinder bleibt auf der Plane im Schatten der großen Akazie. Thema sind heute die Elefanten. Auf weißen Blättern kleben sie zwei Nüsse in aufgemalte Kreise. Sie symbolisieren Elefantenaugen. Das ist der „Life Oriented Approach“, kurz LOA. Weite Wege müssen sie zurücklegen, den weitesten hat ein kleiner Junge, der eine Stunde laufen muss. Wenn man da einem Elefanten begegnet, muss man wissen, wie man sich verhalten muss.

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Abschied von der “Vorschule unter dem Baum” Foto: Harald Westbeld

Die „Vorschule unter dem Baum“ ist schon besser als gar nichts, aber die Eltern wünschen sich ein festes Gebäude. Sie stehen auf der Warteliste, versichert uns Länderreferent Wolfgang Fritz. Aber die Bedingungen sind strikt. Neben dem ausdrücklichen Wunsch muss der provisorische Kindergarten fünf Jahre bestehen und müssen die Eltern die dauerhafte Finanzierung der Erzieher zusagen. Außerdem müssen sie selbst ein Fünftel der Summe aufbringen. 25.000 Euro kostet das Ensemble aus Schul-, Koch- und Toilettengebäuden. 5.000 Euro sind viel Geld für eine Massai-Siedlung. Den Rest steuert Caritas international bei, wofür es wiederum Zuschüsse vom BMZ gibt.

In Langhata, unserem nächsten Ziel, haben es die Eltern geschafft. Sichtbar ist der Stolz und der feste Wille, die Zukunft ihrer Kinder durch Bildung zu sichern. Die traditionellen Wege werden nicht mehr alle Massai ernähren können, das Land für Rinder und Ziegen wird knapp, die Regenfälle werden unberechenbarer. Wir erleben einen Schultag im Schnelldurchlauf mit, werden mit viel Gesang und Geschenken verabschiedet.

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Vor der Weiterfahrt müssen sich alle Teilnehmer der Dialogreise aufstellen, um von den Frauen mit Schmuck beschenkt zu werden. Foto: Harald Westbeld

Zuvor gibt es aber noch „lunch“. Vier Ziegen haben die Männer geschlachtet und die Fleischteile auf Stöcke gespießt. Es ist ein leckeres Essen.

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Afrika, Archiv, Rechte für Kinder

Über Harald Westbeld

Harald Westbeld Harald Westbeld ist Pressereferent des Diözesancaritasverbands Münster. Im Rahmen der Dialogreise 2015 reist er nach Tansania. 2007 ging seine erste Dialogreise in den Niger - eine eindrückliche Erfahrung und Harald Westbelds erster Kontakt mit Afrika.

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