Äthiopien: Das Hoffen auf Regen

Die Menschen in Äthiopien hoffen dieser Tage auf nichts sehnlicher als auf den Regen. Die anhaltende Dürre in dem Land am nördlichen Horn Afrikas lässt schlimme Erinnerungen an das Jahr 2011 wach werden. Ausfallende Regenfälle hatten damals zu einer massiven Nahrungsmittelkrise geführt, von der sich die Bevölkerung bis heute nicht erholt hat.

Auch damals half Caritas international, wie auch in der aktuellen Krise, mit dringend benötigten Lebensmittelhilfen. Derzeit  sind mehr als 18 Millionen Äthiopier auf Hilfe angewiesen. So auch die Bauern und Viehhirten um die Stadt Asebe Teferi im Osten Äthiopiens. Ich besuche sie einerseits, um selbst in Erfahrung zu bringen, wie dramatisch die Lage wirklich ist – und wie es den Menschen vor Ort geht, wie sie mit der Situation klarkommen, was sie sich wünschen. Andererseits möchte ich sehen, wie die von uns finanzierten Projekte vorangehen, die den Hunger bekämpfen sollen.

Vier Frauen mit Ihren Kindern sind auf der Durchreise zu Ihrem weit entfernten Dorf. Beim Ort Geduyas passieren sie einen Pass, um mit ihren Tieren ihre Wanderung weiter zu führen.
Unterwegs in der unwirtlichen Gegend von Geduyas. Foto: Christoph Gödan / Caritas international

Äthiopien – dramatisch ausgezehrt

Als ich in der Region um Asebe Teferi ankomme, werde ich von der Trostlosigkeit fast übermannt. Selbst robuste Kakteen gehen hier ein. Schuld ist die lebensfeindliche Trockenheit, die der seit fast zwei Jahren ausbleibende Regen geschaffen hat. Menschen, Tiere und Vegetation leiden gleichermaßen unter der dramatischen Situation.

Der Toyota, in dem wir unterwegs sind, quält sich auf der steinigen Strecke auf dem Weg in die Region Mullu, nördlich von Asebe Teferi. Wir sind umhüllt von einer Staubwolke. Links und rechts der Piste vertrocknete Pflanzen und vereinzelte Menschen, die mit ihren Tieren irgendwohin unterwegs sind.

“Im Juli 2014”, erinnert sich Abdulahi DiKaya Mohamed, der uns von der örtlichen Verwaltung begleitet, “fiel hier der letzte, ausgiebige Regen”. Ein Wolkenbruch, der seinen Namen tatsächlich noch verdient hatte. Doch auch dieser, klagt Abdulahi, war bereits nach zehn Minuten wieder vorüber. Seitdem warten die Menschen, die Tiere, die ganze Region, sehnsüchtig auf einen ordentlichen Regenguss.

Das Dorf Geduyas im Distrikt Mullu. Etwa 3.000 Menschen leben hier, viele von ihnen "Displaced Persons". Sie sind hierher geflohen, um zu Überleben. Foto: Christoph Gödan / Caritas international
Geduyas im Distrikt Mullu. 3.000 Menschen leben hier, viele davon “Binnenflüchtlinge”. Foto: Christoph Gödan / Caritas international

Geduyas – abhängig von Lebensmittelhilfen

Nach einer guten Stunde Fahrt erreicht der Geländewagen endlich das Dorf Geduyas. Eingerahmt zwischen weit entfernten Bergen und hügeliger Umgebung sind Steinhäuser und unzählige provisorisch anmutende Behausungen an einem Hang verteilt. An seinem Fuß ist ein Flusslauf zu erkennen, der schon lange kein Wasser mehr führt.

500 Familien leben hier, erklärt Ahmed Qabote, der sich im Hilfskomitee von Geduyas engagiert. Das Gremium koordiniert und organisiert die monatlichen Lieferungen der Regierung und der Hilfsorganisationen. Geduyas, seine Menschen und Tiere hängen an diesem  Tropf, der sie mit dem Allernötigsten versorgt: Mit einem halben Liter Öl, zwei Kilogramm Reis und zwölf Kilogramm Getreide. Pro Person. Pro Monat. Damit müssen die Menschen auskommen. Auch Edo Buho, ihr Mann und ihre acht Kinder.

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Die Familie von Edo Buho und Omer Gedi hofft auf bessere Zeiten. Foto: rf / Caritas international

“Die Dürre hat alle Arbeit vernichtet.”  Omer Gedi

Lethargisch sitzt die Großfamilie vor ihrem Haus, das aus Ziegeln und Lehm gebaut ist. Viele intern Vertriebene, die aus anderen Gebieten nach Geduyas flüchteten, sind allerdings noch schlechter dran. Sie haben meist alles verloren. Ihre Tiere sind dort, wo sie alles aufgeben mussten, verendet.

Hier in Geduyas leben sie nun unter primitivsten Bedingungen. Ihre eilig aufgestellten Hütten bieten ihnen nicht viel mehr als das Gefühl, ein Dach über dem Kopf zu haben. Doch hier in Geduyas gibt es wenigstens Wasser und ein wenig Hoffnung auf bessere Zeiten.

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Der Brunnen von Geduyas. Seit 2012 schöpft die Pumpe hier Grundwasser für den Ort. Foto: rf / Caritas international.

Die Quelle – Widerstand gegen die Dürre

Die Quelle, die heute noch Wasser spendet, wurde mit Hilfe von Caritas international und ihrem äthiopischen Partner, dem Hararghe Catholic Secretariat (HCS), 2012 erschlossen. Ein Hoffnungsschimmer für die Menschen, die seit Monaten um ihr Überleben kämpfen.

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Autor: reiner fritz

Der Politiologe und Historiker ist seit Anfang 2016 bei Caritas international. "Entscheidend ist für mich, die Situation vor Ort persönlich kennenzulernen." Seine erste Reise für Caritas international führte ihn nach Äthiopien. Im Gepäck mit dabei: Erfahrungen aus zwei Jahren Dominikanischer Republik.

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