Südsudan: Bio-Gemüse in Juba

Nach unserem Besuch im UN-Camp in der südsudanesischen Hauptstadt sind wir in der Unterkunft der DMI Schwestern am Stadtrand von Juba eingeladen. Bei indischem Essen haben wir die Gelegenheit, die Schwestern besser kennenzulernen, bevor ein nächster – im wahrsten Sinne des Wortes – “Feldbesuch” ansteht: Ein Projekt zur Ernährungssicherung in einer Dorfgemeinde im Umland von Juba.  

Das Ernährungssicherungsprogramm der DMI Schwestern in Juba. Foto: Caritas international / Philipp Spalek

Die Landwirtschaftsinitiative soll die Ernährung der Dorfbewohner sichern und genug Erträge abwerfen, so dass neben dem Eigenverzehr auch etwas für Viehfutter und den Verkauf auf dem Markt übrig bleibt – als zusätzliches Einkommen für die Dorfgemeinde. Es werden Bohnen, Zwiebeln, Kürbis, Tomaten und Okra angebaut.  Ein Bündel Bohnen Blätter, die wie Spinat verwendet werden, bringen auf dem Markt ein Südsudanesisches Pfund, was etwa 5 Cent entspricht. Für einen großen Kürbis, der auf dem Markt meist stückchenweise verkauft wird, bekommt man umgerechnet etwa 2,50 Euro – ein stolzer Preis.

Caritas Mitarbeiter Ingo Steidl im Gespräch mit den Dorfbewohner. Foto: Caritas international / Philipp Spalek

Die Anbaufläche neben einem kleinen Bach ist sehr fruchtbar, allerdings führt dieser aufgrund der seit Monaten anhaltenden Trockenheit nur noch wenig Wasser. Derzeit wird zwei Mal am Tag gegossen. Bio ist das Gemüse auch noch, denn der Einsatz von Chemikalien ist verboten, wie uns die Dorfbewohner erzählen. Gegen den Befall von Blattwürmern verwendet man daher natürliche Substanzen wie zum Beispiel Asche. Gegen die neugierigen und verfressenen Tiere im Dorf gibt es allerdings kein zuverlässiges Mittel. Sie müssen immer wieder von den Beeten verscheucht werden.

Eine Bewohnerin gießt die Anbaufläche im Dorf. Foto: Caritas international / Philipp Spalek

Ob sie sich hier sicher fühlen, frage ich die Verantwortlichen der Garten-Initiative. Joselie, die aus dem nahegelegenen Dorf Gurei stammt, deutet auf eine kleine, aber nicht allzu weit entfernte, Hügelkette im Hintergrund und sagt: “Hinter dem Berg dort wird gekämpft, aber hier ist es ruhig.” In diesem Moment wird mir auf einmal bewusst, wie relativ das “Gefühl von Sicherheit” anscheinend ist und wie sehr sich die Menschen hier bereits mit einer latenten Bedrohungslage abgefunden zu haben scheinen.

Besuch mit den DMI Sisters und der Caritas Deutschland in den südsudanesischen Flüchtlingslagern POC 1 und 3
Martin Ruri Mosoro beim Begießen der Beete. Foto: Caritas international / Philipp Spalek

Martin Ruri, der Hauptverantwortliche des Landwirtschaftskomitees, tauscht sich regelmäßig mit den Nachbargemeinden aus, um das Projekt weiterzuentwickeln und noch erfolgreicher zu machen. Seine Lebensgeschichte ist durchzogen vom Thema Flucht. 1979 verließ er den Sudan, um in Syrien zu leben und zu arbeiten. Als die Kämpfer des so genannten “Islamischen Staats” nach Syrien kamen und Angst und Schrecken verbreiteten, zog er zurück in den Südsudan. Auch dort herrschte mittlerweile Krieg.

Die Idee für das Ackerbauprojekt in seinem Dorf haben die Bewohner gemeinsam entwickelt, die Schulungen wurden von den DMI Schwestern, den “Daughters of Mary Immaculate,” organisiert und veranstaltet. Ruri geht davon aus, dass das Projekt ein Erfolg wird und sich nach und immer mehr Dorfbewohner anschließen werden. Er selbst hat eine Frau und sechs Kinder zu ernähren. Langfristig sollen die Anbauflächen vergrößert werden und landwirtschaftliche Geräte zum Einsatz kommen, so dass möglicherweise sogar Arbeitsplätze entstehen. Die DMI Schwestern werden den Menschen dabei weiterhin unterstützend zur Seite stehen.

 

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