20. Oktober 2016   | Neuer Kommentar

Dialogreise nach Georgien: Eine zweite Familie für alte Menschen

Ivlita Kuchaidze ist fast 95 Jahre alt, sie war als Krankenschwester im zweiten Weltkrieg und hat ihr Leben lang gearbeitet. Jetzt ist sie so arm, dass sie jeden Tag ins Altenzentrum der Caritas Georgien in Tiflis geht.

Foto: Markus Lahrmann

Ivlita Kuchaidze (94) könnte ohne das Altenzentrum der Caritas Georgien in Tiflis nicht überleben: „Es ist wie eine zweite Familie“, sagt sie.

Sie sitzt da im leichten Mantel und an das Revers hat sie ihren Orden angesteckt. Es ist der Orden für ihre Verdienste im Krieg. Damals als Krankenschwester hat sie Dienst getan im großen vaterländischen Krieg für die Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland. Ivlita Kuchaidze ist fast 95 Jahre alt. Uns deutschen Caritas-Mitarbeitern erzählt sie das, als wir im Rahmen einer Dialogreise mit Caritas international Georgien besuchen und die örtliche Caritas-Arbeit kennen lernen wollen. Ivlita Kuchaidze ist so arm, dass sie zur Caritas geht.
Hier mitten in Tiflis, der Hauptstadt von Georgien, der Kaukasus-Republik, die sich 1991 losgesagt hat von der Sowjetunion, – ist ein Caritas-Zentrum entstanden. Hier treffen sich die Alten, spielen Schach, lesen, plaudern, lösen Kreuzworträtsel und können mittags kostenlos essen. Da ist die Architektin, auch schon über 90, die ehemalige Biologie-Professorin, Ivlitas Tochter, auch schon 65 spielt für uns auf dem Klavier.

Foto: Markus Lahrmann

Die ehemalige Journalistin und Musikerin, Meri Memanishvili (65), spielt jeden Tag im Caritas-Zentrum „Harmonie“ voller Inbrunst auf dem Klavier.

Sie alle haben nicht viel zum Leben, die Einheitsrente beträgt 180 georgische Lari, das sind etwa 70 Euro. 800.000 Rentner soll es in Georgien geben. Auch wenn die Lebenshaltungskosten niedriger sind als in Westeuropa und die Wohnung nichts kostet, mit dieser Rente kann man nicht leben. Ivlita und ihre Tochter leben so arm, dass die Caritas ihnen einen Kühlschrank gekauft hat. Und das als Kriegs-Veteranin, nach einem ganzen Leben voller Arbeit.
Seit Caritas Georgien das Altenzentrum aufgebaut hat, kommt sie jeden Tag. „Weil es gemütlich, warm und ruhig ist“, sagt sie. Wenn es das Zentrum nicht gäbe, könnte sie nicht überleben, es sei wie eine zweite Familie, sagt sie. Die Caritas hat in Georgien einen guten Ruf, obwohl die Katholiken eine kleine Minderheit sind, die von der großen orthodoxen Kirche manchmal argwöhnisch beäugt wird. Das Caritas gute Arbeit leistet, liegt auch daran, dass ausländische Caritasverbände hier gute und gezielte Unterstützung leisten. Die Deutschen zum Beispiel haben nicht nur Programme aufgelegt und Projekte gefördert, sondern auch Strukturhilfe geleistet und in Ausbildung investiert. Und damit ein Stück Aufbau- und Versöhnungsarbeit geleistet, die auch Alten wie Ivlita zugute kommt.

Tiflis, 18.10.2016


Europa, Gesundheit, Pflege, Sucht

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