24. Oktober 2016   | Neuer Kommentar

Dialogreise nach Georgien: In Vielfalt geeint

Der Stolz ist Pater Benjamin noch anzumerken. Es ist gerade erst ein paar Wochen her, dass Papst Franziskus in seiner Kirche des hlg. Simon Bar Sabbae gebetet hat und damit ein Schlaglicht auf die Situation der Katholiken in Georgien gerichtet hat.

Foto: Markus Lahrmann

Der Stolz ist Pater Benjamin noch anzumerken. Es ist gerade erst ein paar Wochen her, dass Papst Franziskus in seiner Kirche des hlg. Simon Bar Sabbae gebetet hat und damit ein Schlaglicht auf die Situation der Katholiken in Georgien gerichtet hat.

Diese Kirche, ein neues Gebäude neben einem Baumarkt mitten in Tiflis, gehört der assyrisch-chaldäischen Gemeinschaft, einer der mit Rom verbundenen Ostkirchen, die einen eigenen katholischen Ritus pflegen. Pater Benjamin stammt aus dem Iran, wurde in den achtziger Jahren in den iranisch-irakischen Krieg gezwungen, studierte dann in Rom und wurde Priester der Gemeinde in Michigan (USA). Von dort entsandte man ihn für zunächst drei Monate nach Georgien, wo er in Tiflis nun seit 23 Jahren wirkt. Und mit unserer Reisegruppe einen Gottesdienst feiert.

Weihrauchschwaden ziehen durch die Kirche, der Wechselgesang zwischen Priester, einem Frauenchor und der Gemeinde ist wunderschön. Die Sprache der assyrisch-chaldäischen Gemeinde im Gottesdienst ist aramäisch, die Sprache, die auch Jesus von Nazareth gesprochen hat. In solchen Momenten ist zu spüren, dass die Kirche in Georgien uralt ist.

Schon 334 wurde das Christentum hier zur Staatsreligion. Heute dominiert die georgisch-orthodoxe Kirche, der etwa 85 Prozent der Bevölkerung angehören, es gibt etwa 10 Prozent Muslime und nur rund ein Prozent der Menschen sind katholisch. Und die wiederum praktizieren nach drei unterschiedlichen Riten: neben dem römisch-katholischen und dem chaldäisch-katholischen Ritus gibt es auch noch den Ritus der armenisch-katholischen Kirche. Obwohl sie sehr unterschiedliche Traditionen pflegen und auch die Liturgie für manchen West-Europäer sehr exotisch klingt, arbeiten sie im Bereich der sozialen Arbeit inzwischen sehr gut zusammen.

Foto: Markus Lahrmann

Kinder und Jugendliche aus der Gemeinde von Pater Benjamin führen georgische Tänze und Musik vor den begeisterten Zuschauern aus Deutschland auf

So gibt es nur die eine Caritas Georgien, deren Vorsitz seit einer Strukturreform 2014 alle zwei Jahre zwischen den drei Gemeinschaften rotiert. Ihre soziale Arbeit läuft über die Gemeinden, nur dort, wo es keine gibt, wird sie direkt tätig. Und auch Pater Benjamin präsentiert nach dem Gottesdienst und dem anschließenden Abendessen das Ergebnis sozialer Arbeit: Kinder und Jugendliche aus seiner Gemeinde führen georgische Tänze und Musik vor den begeisterten Zuschauern aus Deutschland auf. Und zu Recht ist er wieder stolz.


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