25. Oktober 2016   | Neuer Kommentar

Dialogreise nach Georgien: Ein neues Leben für Straßenkinder

Mit zwölf hatte sich Nika an das harte Leben auf der Straße längst gewöhnt. Die Lebensbedingungen in seiner Familie waren so furchtbar gewesen, dass er weglief und gezwungen war, für sich selbst zu sorgen. Er verkaufte Kerzen und billige Ikonen, ging betteln. „Ich fühlte mich stark“, sagt er heute, „man lernt auf der Straße, wie man sich verteidigt und durchsetzt“. Die anderen Straßenkinder waren Kumpels, sie gingen nicht in die Schule, draußen galt das Gesetz des Stärkeren. Was ihn damals so abgehärtet hat, ist heute noch spürbar, wenn er ohne große Emotionen über diese Zeit berichtet und Augenkontakt vermeidet.

Foto: Markus Lahrmann

Nika an der Eingangstür zum Strassenkinder zentrum an einer lauten vielbefahrenen Straße in Tiflis.

Mit zwölf Jahren kam er in Kontakt mit der Caritas, die in Tiflis ein Projekt für Straßenkinder betreibt, das von der deutschen Caritas mitfinanziert wird. „Zuerst habe ich Irina getroffen, die war ganz warm“, sagt er. Es gab zu essen, er konnte in der Notschlafstelle übernachten, er fasste Vertrauen. Hier im Tageszentrum können sich die Kinder waschen und ausruhen, sie erhalten Kleider, es gibt die Möglichkeit zu Gesprächen, medizinischer und psychologischer Betreuung und Basisunterricht. „Mit der Zeit versteht man, dass das Leben hier besser ist als auf der Straße“, sagt Nika.

Foto: Markus Lahrmann

Im Werkraum des Zentrums haben die Straßenkinder Gelegenheit, selbst mit Materialien zu arbeiten.

Ganz langsam konnte er in ein neues Leben hinübergleiten. „Vier Jahre, von zwölf bis ich sechzehn Jahre alt war, dauerte meine Rehabilitation“, erzählt er uns. Er lernte Verantwortung, Respekt, ging wieder zur Schule, machte Hausaufgaben.

Heute ist er 18 Jahre alt und selbst ein Mitarbeiter der Caritas, ein sogenannter „peer educator“. Die peer educator helfen bei der Betreuung und Erziehung der jüngeren Straßenkinder. Nika kommt zugute, dass er die Szene kennt. Er weiß, dass manche Kinder auf der Straße von Erwachsenen oder älteren Kindern ausgenutzt und misshandelt, zur Arbeit und zum Betteln gezwungen werden. „Es ist sehr schwer, ein anderes Leben anzufangen“, sagt er, „ aber ich hoffe, dass wir noch vielen Kindern helfen können“.


Chancen für Chancenlose, Europa, Rechte für Kinder

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