25. Januar 2017   | Neuer Kommentar

Begegnungsreise 2016: Zu Besuch in Deutschlands ältestem Flüchtlingslager

Mehr als vier Millionen Menschen haben das Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen seit dem zweiten Weltkrieg auf ihrem Weg nach Deutschland durchquert – Kriegsvertriebene, Spätaussiedler und Asylsuchende. Zusammen mit zwei Kolleginnen der Caritas Marokko waren wir zu Besuch in Deutschlands ältestem Flüchtlingslager.

Foto: Caritas international/Mathias Birsens

Thomas Heek führt unsere Gäste aus Marokko durch das Grenzdurchgangslager Friedland. Foto: Caritas international/Mathias Birsens

Wenn man das Lager Friedland betritt, fällt einem zuerst gar nicht auf, dass man sich in Deutschlands ältestem Flüchtlingslager befindet – es gibt keine Zäune und keine Einlasskontrollen. Auch die Gebäude entsprechen nicht der Vorstellung eines typischen Flüchtlingslagers, sondern fügen sich gut in das Dorf mit gerade einmal 1300 Einwohnern ein. Die vielen Wegweiser zu Einrichtungen der Caritas, der Diakonie und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sind der erste Hinweis, dass wir uns nicht einfach in einer Wohnsiedlung befinden.
Durchs Lager, das mit gut 1000 Plätzen fast so viele Menschen aufnehmen kann wie das Dorf, in dem es liegt, führt uns der Leiter der Caritasstelle im Grenzdurchgangslager Friedland, Thomas Heek. Wir, das sind die beiden Kolleginnen der Caritas Marokko, Fanny Curet und Monica Pedraza und Emmanuel Bayemi, der in Marokko für „Ärzte der Welt“ arbeitet, sowie eine Übersetzerin und zwei Mitarbeiter von Caritas international. Schon seit etwas mehr als drei Tagen sind wir zusammen auf Begegnungsreise zum Thema Flucht und Migration, speziell unbegleiteter Minderjähriger. Nachdem wir in den ersten drei Tagen die Gegensätze der Flüchtlingshilfe in Köln erlebt haben, sind wir heute zu Besuch in Deutschlands ältestem Flüchtlingslager.

Foto: Caritas international/Mathias Birsens

Im Museum Friedland erfahren unsere Gäste aus Marokko die lange Geschichte des Grenzdurchgangslagers.Foto: Caritas international/Mathias Birsens

Unser Tag startet im Museum Friedland, das die mehr als 70 Jahre Geschichte des Grenzdurchgangslagers beleuchtet. Von der Einrichtung nach dem zweiten Weltkrieg, um die Flüchtlingsströme zu ordnen, über die Aufnahme von Aussiedlern und Spätaussiedlern aus Osteuropa, Flüchtlingen aus der DDR bis hin zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Chile, Vietnam, Syrien, dem Irak und Afghanistan heute. Ein wichtiger Bestandteil dieser Geschichte ist die Arbeit der beiden großen christlichen Hilfsorganisationen, Caritas und Diakonie, im Lager. Sie beraten Flüchtlinge im Asylverfahren und unterhalten gemeinsam Kindergruppen, Jugendclubs und Frauenzentren.

Foto: Caritas international/Mathias Birsens

Interessiert verfolgen unsere Gäste aus Marokko eine Demonstration des bildbasierten Sprachlernsystems KIKUS für Kinder. Foto: Caritas international/Mathias Birsens

Nachmittags machen sich die Kollegen aus Marokko bei einem Rundgang selbst ein Bild vom Einsatz der Hilfsorganisationen im Lager Friedland – und nehmen einige Ideen für ihre Arbeit in Marokko mit nach Hause. „Ich bin beeindruckt was die Caritas in Friedland leistet – trotz der vielen bürokratischen Verfahren und Regeln“, sagt Fanny Curet am Ende des Tages. Und Monica Pedraza ergänzt: „Wir nehmen einiges für unsere Arbeit mit Migranten und unbegleiteten Minderjährigen in Marokko mit. In der Kindergruppe haben wir zum ersten Mal von KIKUS gehört – einem auf Bildern basierenden pädagogischen Konzept, um Kindern Sprachen beizubringen – das wollen wir auf jeden Fall in unserem Vor- und Grundschulprogramm in Marokko verwenden. Wir haben aber auch verstanden, wie wichtig es ist, den Migranten nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur des Landes näher zu bringen – Jugendclubs, als Orte der Begegnung, sind dafür eine tolle Möglichkeit.“


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