5. April 2017   | Neuer Kommentar

Jordanien: Warten auf Australien

Markus Harmann ist mit einer Gruppe von Caritas-Mitarbeitenden in Jordanien unterwegs. Auf seiner Reise traf er auf die Irakerin Eyman und ihre Familie, die vor dem IS nach Jordanien geflohen war. Jetzt eröffnet sich ihr eine neue Chance.

Krankenschwester Eyman

Krankenschwester Eyman, 26, aus dem Irak (Foto: Markus Harmann)

Zwei Stunden, bevor der IS ihr Dorf nahe Mossul im Nord-Irak einnahm, konnte Eyman entkommen. Die 26-Jährige floh mit ihrem Mann und ihren drei Kindern zunächst nach Erbil in der Kurdenregion, später nach Jordanien. Seit zehn Monaten ist sie im Land – und hat Glück. Als Krankenschwester verdient sie ein bisschen Geld, kümmert sich im Hashmi-Center der Caritas Jordanien um ihre Landsleute: Iraker, die ebenfalls vor dem IS nach Jordanien flohen und nun Hilfe brauchen. Hilfe im Umgang mit Behörden oder Vermietern, vor allem aber medizinische Unterstützung.

„Die Regierung hat die Iraker aus de Augen verloren“
Fast alle, die an diesem Morgen im Hashmi-Center warten, haben die typischen Krankheitssymptome von Menschen auf der Flucht: Bluthochdruck, depressive Verstimmungen, Traumatisierungen. Eyman kennt das, hat es selbst bei ihrem Mann erlebt, der bei den drei Kindern (8, 5 und 2 Jahre alt) bleibt während sie arbeitet.

Mindestens 60.000 Flüchtlinge aus dem Irak leben in Jordanien, fast alle unterhalb der Armutsgrenze. Und ein Großteil von ihnen haust in erbärmlich kleinen Wohnungen in Ammans Armenviertel Hashmi. Seit dem Syrien-Krieg gilt die Aufmerksamkeit im krisenerprobten Jordanien vor allem den syrischen Flüchtlingen. „Die Regierung hat die Iraker aus den Augen verloren“, sagt Omar Abawi, Programm-Manager der Caritas Jordanien und Stellvertreter von Direktor Wael Suleimann. „Für sie gibt es keinen Plan.“

Irakische Mädchen in der Maltherapie im Hashmi-Center der Caritas Jordanien

Wo der Staat nicht hilft, springt die Caritas Jordanien ein. Zum Beispiel mit medizinischer Hilfe, aber auch bei der Wohnungssuche. Fast alle Iraker sind dezentral in den Städten und Dörfern untergebracht, nur wenige in Camps. Doch der Wohnraum wird knapp und teuer. Denn neben den Irakern sind auch Flüchtlinge aus dem Jemen, aus Libyen und Ägypten im Land. Und natürlich die vielen Syrer: 650.000 von ihnen sind registriert, tatsächlich sollen aber mehr als eine Million in Jordanien leben.


Eine neue Chance in Australien

Weil es für viele von ihnen weder in Jordanien, noch in Syrien eine Perspektive gibt, ziehen sie weiter. Abawi beklagt das: „Die gut ausgebildeten und jungen Menschen wollen nach Europa. Auch weil Jordanien keine Vision hat, wie es mit den Flüchtlingen umgehen kann.“ Der weitaus größte Teil der Flüchtlinge darf zum Beispiel nicht arbeiten und lebt in Armut. Dabei könnten, sagt Abawi, genau diese Menschen gut in der Landwirtschaft eingesetzt werden und wären später einmal wichtig für den Wiederaufbau Syriens, aber auch des Iraks.

Auch Eyman, die junge Krankenschwester, will nicht in Jordanien bleiben. Als Christin sieht sie auch im Irak keine Perspektive für sich und ihre Familie. Als sie von einem Programm der australischen Botschaft hörte, hat sie sich deshalb beworben: 500 freie Visa vergibt Australien an Flüchtlinge in Jordanien, zahlt auch Flug und Unterkunft für die ersten Monate in Australien. Eyman und ihre Familie haben Glück. Sie haben die Visa bekommen, vor einigen Wochen. Jetzt warten sie nur noch auf das Flugticket. „Es könnte jeden Tag soweit sein“, sagt sie.


Flucht und Migration, Naher Osten / Nördliches Afrika

Über Markus Harmann

Markus Harmann Markus Harmann ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln. Seit Mai 2012 leitet er dort die Stabsabteilung Information und Kommunikation.

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