18. Oktober 2017   | 1 Kommentar

Bangladesch/ Rohingya: In Sicherheit gewogen

Jamtoli / Kutupalong / Balukhali. Ein für uns ungewohntes Wildwechsel-Schild steht an manchen Straßenrändern auf dem Gelände eines der Rohingya-Flüchtlingscamps: Im weißen Viereck ist kein Hirsch, kein Rehbock, sondern ein Elefant abgebildet. Die Gefahr, vor der gewarnt wird, kann nicht nur Autofahrer treffen, wie auf äußerst bittere Weise heute deutlich wurde.

Warnung vor den Elefanten! So putzig das Schild aussehen mag, so ernst ist die Gefahr, vor der hier gewarnt wird. Foto: Stefan Teplan

Eine kleine Elefantenherde aus sieben oder acht Tieren trampelte vier der Flüchtlinge, eine Frau und drei Kinder, zu Tode. Sie waren in den Wald nahe der Ortschaft Balukhali gegangen, um sich aus dem Holz der Bäume eine kleine Hütte zu erbauen. Das Verlangen nach ein bisschen mehr Komfort als Zelte aus Plastikplanen kostete sie das Leben. Es ist bereits der zweite tödliche Unfall, den Flüchtlinge durch ein Zusammentreffen mit den hier lebenden wilden Elefanten erlitten. An Essen, an Unterkünfte, an medizinische Versorgung haben die Hilfsorganisationen gedacht und leisten auf Hochtouren Nothilfe. Nun wird deutlich, dass man auch verstärkt Sicherheitsaspekte berücksichtigen und dies auch von der Regierung einfordern muss. Welch grausame Ironie! Da haben die ums Leben gekommenen Flüchtlinge den Terror in ihren Dörfern und Gewaltmärsche durch den Dschungel in Myanmar überstanden und finden just dort, wo sie sich in Sicherheit wähnen, auf solch tragische Weise den Tod.

Hygienische Bedingungen erfordern schnellen Handlungsbedarf

Die medizinische Versorgung im Flüchtlingscamp funktioniert hervorragend. Die meisten der Hunderttausende Flüchtlinge empfingen auch bereits die notwendigsten Impfungen. Im Bild: die Ärzte Taslima Antar (l.) und Habib Hasan bei der Untersuchung eines Mädchens aus Myanmar., das über Fieber klagt. Rechts daneben: der regionale Caritasdirektor James Gomes. Foto: Stefan Teplan

Sicherheitsaspekte noch ganz anderer Art spielen bei den Planungen der Caritas und anderer Hilfsorganisationen eine entscheidende Rolle: die Sicherheit für Frauen und Kinder, die immerhin rund drei Viertel der Flüchtlinge hier ausmachen. Angesichts der großen Dimension der seit Ende August angekommenden Flüchtlinge musste man sich zunächst auf die Deckung der Grundbedürfnisse – Bereitstellung von Lebensmitteln, Notunterkünften und medizinischer Versorgung – konzentrieren. Bei den sanitären Anlagen konnte man nicht mit dem hohen erforderlichen Tempo mithalten. So sind die sanitären Bedingungen in den Camps leider noch mehr als unzureichend. Latrinen, deren Fassungsvermögen nicht für den Bedarf ausreicht, stehen dicht bei den Brunnen. Eigentlich ist in Bangladesch dafür ein Mindestabstand von 50 Metern vorgeschrieben. Aber wer kann sich angesichts des knappen Raums und des hohen Tempos der sich überstürzenden Ereignisse schon an Gesetze halten? Auch nicht die Regierung selbst. Es droht, wenn die Jauche in das Grundwasser sinkt, nicht mehr und nicht weniger als der mögliche Ausbruch von Cholera. Die Caritas hat sich daher das Thema Verbesserung der sanitären Bedingungen auf die oberste Prioritätenliste gesetzt und bringt es in den Entscheidungsgremien vor Regierungsvertretern und anderen Hilfsorganisationen mit Nachdruck ein. Lange Zeit für Bürokratie ist hier nicht mehr.

Die Caritas setzt sich, was die Sicherheit für Frauen und Kinder betrifft, in den Gremien ebenfalls dafür ein, dass so schnell wie möglich die sanitären Anlagen für Männer und Frauen getrennt werden. Noch müssen beide Geschlechter die gleichen Latrinen und Duschen benutzen und es gibt kaum Sichtschutz und Privatsphäre. Kein Wunder, dass manche da auch lieber in den Wald auf die „Toilette“ gehen. Das aber kann, wie man heute auf grausame Weise erfahren hat, in der Wildnis lebensgefährlich sein.

Stefan Teplan

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Arbeitsfelder, Asien, Flucht und Migration

Über Stefan Teplan

Stefan Teplan Stefan Teplan ist Journalist und Öffentlichkeitsarbeiter für Caritas international. Seit 2007 begleitet er die jährlichen Begegnungsreisen mit Caritas-Mitarbeitenden aus aller Welt.

Eine Antwort auf Bangladesch/ Rohingya: In Sicherheit gewogen

  1. NorbWata sagt:

    En esto algo es yo parece esto la idea excelente. Soy conforme con Ud.
    frankie

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