Klimakonferenz in Bonn | Im Geiste der Solidarität

Bonn. In diesem und den folgenden Blogbeiträgen kommentieren wir, was auf der 23. UN-Klimakonferenz, der COP23, im Laufe der kommenden zwei Wochen verhandelt wird und wie die Caritas-Delegierten dazu Stellung beziehen. Die Klimakonferenz ist die jährlich stattfindende Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties, COP) der UN-Klimarahmenkonvention.

TAG 1 / Montag, 6. November 2017
Im Geiste der Solidarität

Heute fällt der Startschuss zur Klimakonferenz in Bonn. Auch die Caritas wird dort vertreten sein. Denn die wichtige Frage, wie aus humanitärer Sicht die enorme Aufgabe zu bewältigen ist, die Opfer der Folgen des Klimawandels zu unterstützen, bewegt die Partner der Caritasorganisationen weltweit. Die Bauern in Indien und Bangladesch, die ihre Ernten dieses Jahr in den Fluten des Monsun verloren haben, oder die Viehhalter am Horn von Afrika, die mit Dürre, Hunger und Wasserstress kämpfen müssen, haben auf der Welt am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen. Sie fahren kein Auto, haben keine Heizung und wenig Konsumgüter. Doch sie haben am meisten unter den Folgen zu leiden.

Die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens

Auf der diesjährigen Weltklimakonferenz beschäftigen sich Regierungen und zivilgesellschaftliche Akteure vordringlich mit der Frage, wie das Abkommen von Paris umgesetzt werden soll und kann. Denn das Pariser Klimaschutzabkommen ist zwar völkerrechtlich bindend, aber die Anstrengungen zum Klimaschutz sind den Staaten selbst überlassen, sie sind also freiwillig. Umso wichtiger ist nun eine Einigung darüber, wie die Ziele ganz praktisch umgesetzt werden können. Das Abkommen braucht eine verlässliche Struktur – sozusagen ein robustes Betriebssystem, um die unverzichtbare Wende weg vom fossilen Zeitalter zu schaffen und jene zu unterstützen, deren Existenz längst durch die Folgen der Erderwärmung bedroht ist.

Neugestaltung des Verhältnisses von Mensch, Natur und Gemeinschaftsgütern

Das Paradigma, dem die Caritas Delegierten auf der Klimakonferenz in Bonn folgen, gründet auf der Laudatio Si von Papst Franziskus. Es geht ihnen um Solidarität – insbesondere mit den Menschen, die von den Folgen des Klimawandels schon jetzt betroffen sind. Und es geht um nichts Geringeres als um eine Neudefinition: Die Menschheit muss ihr Verhältnis zur Natur und den Gemeinschaftsgütern neu gestalten. Diese Kernaussage der Enzyklika des Papstes ist die Leitlinie für die Caritas Delegation mit Vertretern und Vertreterinnen aus Kambodscha, Kolumbien, Norwegen, Mali, Italien, Schweden, Frankreich, den USA und Neuseeland sowie Kenia, die sich in den kommenden zwei Wochen auf der Klimakonferenz in Bonn (COP 23) für eine gerechte Umsetzung der im Paris-Abkommen vereinbarten Klimaziele stark machen.

Brasilien: Glühende Hitze, selbst der Wind ist sengend heiß. Die Menschen hier hoffen auf jeden Tropfen Wasser. Foto: Caritas international

Die Rolle der Caritas bei der COP23

Die gemeinsame Position der Caritas Delegierten baut auf langjährigen Erfahrungen auf, einerseits in der Not- und Katastrophenhilfe, die von den Caritas Organisationen weltweit in über 160 Ländern geleistet wird. Von den armen und am meisten verwundbaren Menschen, für die sie sich in partnerschaftlichen Projekten einsetzten, haben sie viel gelernt und mit ihnen über lange Zeit Erfahrungen geteilt. Wie genau trifft der Klimawandel die Menschen? Was macht sie verwundbar gegenüber Dürren, Sturmfluten, Orkanen, Überschwemmungen und Wetterextremen? Wie kann bei einer Katastrophe Leben bewahrt und wie können Ernten gesichert werden? Welche konkrete Praxis hilft ihnen, Dürren zu überbrücken, Risiken zu meistern, die Folgen von Fluten und anderen Schäden zu bewältigen? Was brauchen sie, um ihre Widerstandskräfte zu stärken und selber den notwendigen Wandel in ihrem Umfeld gestalten zu können, um mit den Folgen des Klimawandels fertig zu werden?

Der Erfahrungsschatz der Caritasdelegierten aus allen Kontinenten macht sie zu kritischen Beobachtenden und Teilnehmenden auf der Klimakonferenz. Die gebündelten Erfahrungen von Hunderttausenden, die von der Nothilfe und Katastrophenvorsorge der Caritasorganisationen begünstigt werden oder für sie arbeiten, stellen die Basis für dieses Mandat dar.

Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQs) rund um das Thema Klima gibt es hier.

Während in vielen Orten auf der Welt Dürre herrscht kommt es anderswo vermehrt zu Flutkatastrophen und Überschwemmungen. Foto: Caritas Bangladesch

Was tut die Caritas?
Synergien für unser gemeinsames Haus

Am Dienstag wird in einem Site-Event in der inneren Verhandlungszone der Konferenz von der Caritas auf die Dringlichkeit der Ernährungssicherung aufmerksam gemacht. Unter dem Titel “Klima, Land und Nahrung – positive Synergien für unser gemeinsames Haus” präsentieren Julianne Hickey, Caritas Aotearoa Neuseeland, und Ben Kibiti von der Caritas Kenia ihre Positionen zu diesem wichtigen Bereich. Sie werden auf Gefahren und Ursachen der Zerstörung von wertvollen landwirtschaftlichen Böden aufmerksam machen und zugleich betonen, warum sie eine lokal an das Klima angepasste und agrarökologisch sinnvolle Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft als wichtiges Ziel in den Regelwerken des Klimaabkommens verankert sehen wollen.

WO: Dienstag, 7. November 2017 – 15:00-16:30, Meeting Room 10 (220)

Wer die Diskussion im Videoraum nachträglich anschauen möchte, kann das in einem Video-Newsroom tun: einfach diesem Link folgen – das Video startet ab der Zeiteinstellung 3:49:50.


Martina Backes

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Autor: Martina Backes

(MB) Martina Backes, Biologin und Redakteurin, arbeitet als freie Mitarbeiterin für Caritas international. Meine Arbeit ermöglicht es mir, mit Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, ins Gespräch zu kommen und Aufmerksamkeit auf ihre Schicksale zu lenken.

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