9. November 2017   | Neuer Kommentar

Klimakonferenz in Bonn | Wer bezahlt den Klimaschutz?

Klimaschutz braucht Ideen, die Umsetzung kostet Geld. Insgesamt waren die Beschlüsse des Pariser Klimagipfels zur Klimafinanzierung sehr schwach.

Tag 4 / Donnerstag, 09. November 2017

Ein Ziel der diesjährigen Verhandlungen in Bonn ist daher, die Finanzierung von Klimaschutz auf sicherere Füße zu stellen, insbesondere auch, um die Anpassung an den Klimawandel für verwundbare und weniger finanzkräftige Länder sowie arme Gemeinden zu ermöglichen. Als beschlossene Sache gilt, dass ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländer fließen sollen, für die Zeit nach 2025 soll ein höheres Ziel festgelegt werden. Doch woher kommt das Geld?

Der Green Climate Fund wird als Hauptkanal für multilaterale Finanztransfers von Industrieländern in Entwicklungsländer dienen. Da die USA von ihren Verpflichtungen zurücktreten, tut sich bei der Finanzierung jedoch ein Loch auf. Für diesen UN-Fonds hatte der einstige US-Präsident Barack Obama 2014 insgesamt drei Milliarden Dollar zugesagt und eine Milliarde tatsächlich eingezahlt. Sollte das Land künftig kein Geld mehr an den Green Climate Fund zahlen, würden folglich zwei Milliarden Dollar fehlen. Die USA tragen bisher ein Fünftel der Kosten für das Klimasekretariat der Vereinten Nationen und 40 Prozent der Kosten für den internationalen Klimarat IPCC, der alle vier Jahre den aktuellen Stand der Forschung zum Klimawandel zusammenträgt.

Heute öffnet das US Climate Action Center. Die amerikanische We-are-still-in-Koalition („Wir sind noch dabei“) macht klar, dass in den USA der Klimaschutz noch nicht begraben wurde. Foto: Cop23, Twitter

Eigentlich wollte man in Bonn Trumps Entscheidung nicht allzu viel Öffentlichkeit schenken. Obwohl damit ein wichtiger Geldgeber ausfällt. Doch jetzt kommt es anders: Ein Dachverband von mehr als 500 afrikanischen Umweltorganisationen, die Panafrican Climate Justice Alliance (PACJA), will die US-Delegation vom laufenden Weltklimagipfel in Bonn ausschließen, auch um zu verhindern, dass sich die anwesenden USA Unterhändler für die Kohleindustrie und das umstrittene Fracking einsetzten. Sie könnten als Blockierer der Verhandlungen aktiv werden und das Klimaabkommen von innen her angreifen. Neben der offiziellen US-Delegation ist noch eine weitere Delegation aus den USA in Bonn dabei: die We-are-still-in-Koalition („Wir sind noch dabei“) wird angeführt vom kalifornischen Gouverneur und macht klar, dass in den USA der Klimaschutz noch nicht begraben wurde.

Vertrauen schaffen

Hier sind nun die anderen Industriestaaten gefragt, denn bei der Klimaschutz-Finanzierung geht es vor allem auch darum, das Vertrauen der Entwicklungsländer zu gewinnen und zu bewahren. Sie benötigen dringend Geld für Projekte zur Minderung von Treibhausgasen, für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels und zum Schutz sowie zur Aufforstung tropischer Wälder. Um gegenseitiges Vertrauen zu schaffen, braucht es konkrete Verpflichtungen für den zukünftigen Ausbau der Finanzhilfen, das meint die Caritas Delegation. Experten des Welternährungsprogramms gehen davon aus, dass sich rund die Hälfte der Kosten für humanitäre Hilfe einsparen lassen, wenn eine Gemeinde oder eine Region auf die Folgen des Klimawandels eingestellt ist.

Eine weitere sensible Forderung ist der Abbau der Finanzierung fossiler Brennstoffe, hier geht es der fossilen Energiewirtschaft an den Kragen: Divestment lautet hier der technische Begriff. Divestment soll zum Beispiel Subventionen für den Abbau und den Einsatz von Kohle eindämmen. Sinnvoll ist diese Forderung, die auch von den Protesten im Braunkohlegebiet Hambacher Forst in Nachbarschaft zu Bonn betont wird – und innerhalb der Klimakonferenz von der internationalen Allianz von katholischen Entwicklungsorganisationen (Cidse, Campaign Change for the Planet – Care for the People sieh auch hier). Denn: die Einsparung von klimaschädlichen Abgasen durch Klimaschutz-Initiativen wird gedämpft, wenn nicht gar zunichte gemacht, solange fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Braunkohle weiter das Klima belasten.

In Uganda sind die negativen Folgen des Klimawandels deutlich spürbar. Die Flüchtlinge aus dem Südsudan im Flüchtlingslager Bidi Bidi in Uganda sind stark von der Dürre betroffen. Da viele behelfsmäßig in Gastfamilien unterkommen, ist das Wasser knapp und muss oft aus weiter Entfernung herangeschafft werden. Foto: Caritas Internationalis, 2017

Privates Geld – Risiko für die Sorgfaltspflichten?

Stark umstritten ist in der Klimadiplomatie, welchen Anteil die private Klimafinanzierung spielen soll. So ist eine Meinung, dass privat finanzierter Klimaschutz nur in Kombination mit öffentlichen Mitteln auf die Klimaziele angerechnet werden sollte. Das hat einen guten Grund: Private Klimafinanzierung ist einerseits wenig transparent und daher die faktischen Einsparungen an Klimagasen schwer messbar. Zudem ist es schwierig, bei einer rein privaten Klimafinanzierung die beteiligten Akteure zur Einhaltung von menschenrechtlichen, sozialen und ökologischen Sorgfaltspflichten anzuhalten. Bei öffentlichen Geldern lassen sich diese Sorgfaltspflichten besser einfordern und kontrollieren. Die Frage der privaten Klimafinanzierung hängt also in vielerlei Hinsicht mit Klimagerechtigkeit zusammen.

Sicher ist: Der aktive Schutz des Klimas kann große Summen von Mehrausgaben einsparen, die bei einer steigenden Erderwärmung für die Klimaschäden und die humanitären Folgen durch klimabedingte Katastrophen aufgebracht werden müssen. Doch dürfen die Budgets für den Klimaschutz, für die Anpassung an den Klimawandel und für entstandene Schäden und Verluste nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Bangladesch: Während der Klimawandel anderorts durch Dürren bemerkbar ist, wird das südasiatische Land immer wieder von schwersten Überschwemmungen heimgesucht, meist während der jährlichen Monsunregen. Auch Zyklone fordern hier immer wieder Menschenleben. Foto: Gael Kerbaol


Was tut die Caritas?

Erst im Oktober hat die deutsche Bank für Kirche und Caritas eG als eine der ersten katholischen Banken der Welt beschlossen, ihre Gelder aus fossilen Brennstoffen abzuziehen. Mit diesem Schritt folgt die Bank für Kirche und Caritas eG (BKC) dem „Catholic Divestment“- Aufruf der Weltweiten Katholischen Klimabewegung (Global Catholic Climate Movement GCCM). Die GCCM ist ein weltweiter Zusammenschluss von über 400 katholischen Organisationen und Gemeinden, die dem in der Enzyklika Laudato Si‘ von Papst Franziskus gemachten Aufruf zum Kampf gegen den Klimawandel nachkommen.

Christiana Figueres, die ehemalige Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) sagt dazu: „Ich hoffe, dass sich noch weitere führende Akteure wie diese 40 katholischen Einrichtungen zum Divestment verpflichten. Denn diese Entscheidung ist nicht nur aus finanzieller Sicht klug, ein gemeinsames Vorgehen im Sinne einer besseren Zukunft für alle Menschen ist auch unsere moralische Pflicht.“ Mit der Entscheidung zum Divestment wird ein Zeichen gesetzt für eine Welt ohne fossile Brennstoffe.

Mehr zum Divestment der Caritas eG hier.


 


Katastrophenhilfe und -vorsorge, Klimakonferenz 2017

Über Martina Backes

Martina Backes (MB) Martina Backes, Journalistin und Filmemacherin, arbeitet als freie Mitarbeiterin für Caritas international. Meine Arbeit ermöglicht es mir, mit Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, ins Gespräch zu kommen und Aufmerksamkeit auf ihre Schicksale zu lenken.

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