12. November 2017   | Neuer Kommentar

Klimakonferenz in Bonn | Im Schatten der großen Versprechen

Die Klimaverhandlungen in Bonn starten morgen in die zweite Woche. Nicht, dass am Wochenende die Zeit angehalten wird, damit sich die über 25.000 Teilnehmenden ein wenig ausruhen können, nein. Sollen sich auch nicht, es gibt genug Dissens und Blockierer, um die man sich kümmern sollte!

Tag 7 / Sonntag, 12. November 2017

Erst gestern machten die Zivilgesellschaft und international agierende Klimaschutzaktivist/innen mit Protesten auf der Straße klar: Tut mehr! Für die Caritas oder auch die Allianz von Katholischen Entwicklungsorganisationen (Cidse) heißt das, weitere starke Bündnisse auch innerhalb der Bonn Verhandlungszone zu mobilisieren.

Bündnisse schmieden

Eine wichtige Mission und das Ziel vieler Unterhändler auf der Weltklimakonferenz ist das Networking: Hier geht es immer auch darum, Bündnispartner für die eigenen Anliegen zu treffen oder neue zu finden, Allianzen zu schmieden. Um dann mit Gleichgesinnten die eigenen Themen und Schwerpunkte am richtigen Ort und zur bestmöglichen Zeit zu platzieren. Für die rund 500 akkreditierten Nichtregierungsorganisationen ist das nicht anders, im Gegenteil, sie sind umso mehr auf Bündnisse angewiesen.

Aber heute ein Blick auf einen anderen Event am Rande der Klimakonferenz: die Development and Climate Days (die Tage für Entwicklung und Klima). Wie jedes Jahr finden sie zeitgleich zur COP statt. Als kreativer Ort zum Netzwerken und für transdisziplinäre Lösungsansätze im Bereich Klima laden die Veranstalter, u.a. das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) und diverse Partner, dieses Jahr zu Events und Workshops ein.

Die Tage stehen unter dem Motto „Global ambition. Local action. Climate resilience for all”. Es tauschen sich hier Entwicklungsorganisationen und Humanitäre Hifswerke, neben anderen, über ein auch für die Caritas wichtiges Thema aus: Was hat der Klimaschutz mit Entwicklung zu tun? Was bedeutet er für Konflikt und Kriegsregionen? Und wie kann Klimaschutz derart gestaltet werden, dass die ohnehin schon Benachteiligten keine zusätzlichen Bürden, sondern vielmehr Unterstützung und Entlastung erfahren? Dazu versammeln sich seit gestern Leute, die nach geeigneten Lösungen suchen, um die Widerstandsfähigkeit gerade auch jener Menschen zu stärken, die in Konfliktregionen leben.

Über den Tellerrand blicken

Dabei schauen die Veranstalter über den Tellerrand: Sie wollen globale Stoffströme unter die Lupe nehmen und denken transnational. Denn das ambitionierte Ziel, gerade auch in der Vorsorge gegen die Folgen des Klimawandels und klimabedingter Katastrophen die armen und verwundbaren Gemeinden zu unterstützen, kann nur mit einem Blick über nationale Grenzen hinweg gelingen.

Das ist nicht nur notwendig, sondern unverzichtbar. Und wird auch im Pariser Klimaschutzabkommen mit den im Jargon der Klimadiplomatie üblichen Begriffen unterstrichen: Ein Grundsatz ist darin, die “unterschiedlichen Verantwortlichkeiten und jeweiligen Fähigkeiten angesichts der unterschiedlichen nationalen Gegebenheiten” anzuerkennen, ebenso die “speziellen Bedürfnisse und besonderen Gegebenheiten der Vertragsparteien, die Entwicklungsländer sind, vor allem derjenigen, die besonders anfällig für die nachteiligen Auswirkungen der Klimaänderungen sind“. Auch will das Klimaabkommen die „speziellen Bedürfnisse und die besonderen Lage der am wenigsten entwickelten Länder hinsichtlich der Finanzierung und der Weitergabe von Technologie” berücksichtigen.

Es finden sich also im Abkommen durchaus gute Vorsätze und Willenserklärungen, auf die auch die Caritas gerne zurückgreift. Der Weg dahin ist gefühlt noch ein paar Erdumrundungen weit.

Ambitionierte Winzlinge im Schatten der großen Versprechen

Indes ist ermutigend, wie viele ambitionierte Initiativen und kluge Ideen ohne jeglichen Druck durch irgendein politisches Abkommen aus der Mitte der Gesellschaft heraus entstanden sind: Veganes Essen aus dem vertikalen Paletten-Gemüsebeet vom eigenen Balkon kann sicher kein Klima retten. Und auch die Millionen von Zaunpfählen aus recyceltem Plastik von den Mülldeponien der Metropole Nairobi in Kenia sind, global betrachtet, nur ein Klimaschutz-Winzling. Sie bewahren einige Hektar Wald am Äquator vor der Abholung und führen zugleich Plastikmüll – also einen energetisch hochdichten Stoff – auf sinnvolle Weise einer nachhaltigen Nutzung zu, statt ihn zu verbrennen und damit das Klima zusätzlich zu belasten.

Es braucht mehr solcher Winzlinge. Und mehr Austausch darüber. Es braucht Räume und Möglichkeiten, damit die Winzlinge voneinander lernen, sich gegenseitig inspirieren und gemeinsam wachsen.

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Katastrophenhilfe und -vorsorge, Klimakonferenz 2017

Über Martina Backes

Martina Backes (MB) Martina Backes, Biologin und Redakteurin, arbeitet als freie Mitarbeiterin für Caritas international. Meine Arbeit ermöglicht es mir, mit Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, ins Gespräch zu kommen und Aufmerksamkeit auf ihre Schicksale zu lenken.

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