Klimakonferenz in Bonn | Wird der Waldschutz dem Klimaschutz dienen?

Der Schutz der Wälder kann den Ausstoß von großen Mengen klimaschädlicher Gase verhindern. Weil der Wald eine wichtige Kohlenstoffsenke ist und das klimaschädliche Gas bindet, indem die Bäume wachsen, sind Waldschutz und Klimaschutz eng miteinander verknüpft. Wir sind auf der Klimakonferenz und berichten über Erkenntnisse.

Tag 12 / Freitag, 17. November 2017

Auf den vergangenen Klimakonferenzen wurde ein Mechanismus entwickelt, der finanzielle Anreize schafft, Wälder zu erhalten. Dieser Mechanismus trägt den langen Namen „Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern“,  kurz REDD+  (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation in Developing Countries). Verknüpft ist der Mechanismus mit der Idee, den Entwicklungsländern, die erfolgreichen Waldschutz betreiben, Geld dafür zu zahlen – für jede Tonne reduziertes CO2. Allerdings ist umstritten, in welchem Zustand der Wald sein sollte, um eine bestimmte Menge CO2 binden zu können. Aufforstungen und Regenwälder haben hier doch sehr unterschiedliche Kapazitäten.

Schutzklauseln stärken

Die Caritas wirft einen Blick auf die sozialen Belange: In der Ausarbeitung ihrer REDD+  Programme müssen die Länder durch Schutzklauseln („Safeguards“) die ökologische und soziale Integrität entsprechender Projekte sicherstellen. Um Gelder für den Waldschutz zu erhalten, sind die Akteure angehalten, eine erfolgreiche Einhaltung der Schutzklauseln nachzuweisen. Das klingt gut, funktioniert allerdings in der Umsetzung oft nicht oder nicht ohne Konflikte, wie der Vorgängermechanismus REDD zeigt. Wie so oft steckt der Teufel im Detail.

Die verbreitete Kritik von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen an REDD+ bezieht sich auf zahlreiche gescheiterte Projekte. Ein Kernproblem sind die Offsets: das ist die Möglichkeit, statt selber den Ausstoß an Kohlenstoffdioxid im eigenen Land zu reduzieren, Geld dafür zu bezahlen, dass anderswo reduziert wird – sei es durch Waldschutz oder Wiederaufforstung. Mit Klimaschutz haben diese Instrumente dann oft wenig oder gar nichts zu tun: Offsets, das betonen gerade wissenschaftliche Institute wieder und wieder, sind keine Emissionsminderungen, und die bisherigen Mechanismen gelten als gescheitert. So hat eine Studie des Öko-Instituts für die EU gezeigt, dass 75 bis 90 Prozent der hierunter laufenden Projekte keinerlei Emissionen eingespart haben.

Baum aus Holzlatten
Waldschutz-Werbung auf der Klimakonferenz

Schlupflöcher verhindern

Hier heißt es also, achtsam zu sein und die Vergabekriterien der Instrumente so mitzugestalten, dass keine Schlupflöcher entstehen. Zumal da sich zu den Finanzinstrumenten, die seit längerem in Planung sind (dazu gehört mit REDD+ die Möglichkeit, Zertifikate für den Erhalt von Wäldern zu bekommen), neue Produkte ähnlicher Machart hinzugesellt haben: etwa die Initiative für eine klimaintelligente Landwirtschaft (Climate Smart Agriculture), durch die klimafreundlichere Anbaumethoden finanziert werden sollen, oder Blue Carbon für den Erhalt von Mangrovenwäldern und Seegras. Auch Fish Carbon kann ein solches Instrument sein, denn auch Fischschwärme, so wird argumentiert, tragen irgendwie dazu bei, den Kohlenstoffgehalt im Meer nicht weiter steigen zu lassen.

Die Mechanismen sind noch nicht ausgereift. Sie bergen das Potenzial von kontraproduktiven “falschen Lösungen” für die globale Klima-, Energie- und Ernährungskrise.

Der Knackpunkt bei der klimaintelligenten Landwirtschaft wird sein, welche konkreten Anbaumethoden als klimafreundlich erachtet und dann auch aus den Budgets zur Anpassung finanziert werden: die kleinbäuerliche Landwirtschaft mit einer großen agrarbiologischen Vielfalt und aktiver Teilhabe kleinbäuerlicher Familienbetriebe, oder die digitale Präzisionslandwirtschaft mit wenigen Hochertragssorten und einer Privatisierung von landwirtschaftlichem Wissen in Form von Patenten auf Saatgut am anderen Ende der Skala.

Bereits 2011 kontrollierten die zehn größten Konzerne 75 Prozent des weltweiten Saatgutmarktes (Weltagrarbericht). Dass diese Konzentration und Marktmacht weniger Unternehmen die Ernährungssicherheit in vielen Regionen insbesondere in armen Länder untergräbt, wird von humanitären Hilfswerken und entwicklungspolitischen Organisationen oder auch der Klimaallianz immer wieder betont und mit Beispielen belegt.

Der bunte Pavillon

In den Ausstellungspavillons der Bonn Zone sind eine Reihe von Firmen vertreten, die  den Waldschutz zu ihrem Geschäftsmodell erhoben haben. Umso wichtiger ist es aus Sicht der Caritas, eine Teilhabe der Zivilgesellschaft und der lokalen Gemeinden bei Klimaschutzprojekten zu stärken. Nur mit ihnen kann eine gerechte Wende weg von fossilen Energieträgern hin zu lokalen nachhaltigen Formen der Landbewirtschaftung gelingen. „Kein Programm für die lokale Bevölkerung, nicht ohne sie“, ist die Haltung von Mercy Chirambo, Livelihood Programmkoordinatorin der Caritas Malawi, „die lokale Bevölkerung muss Teil der Klimaschutzprogramme sein, und zwar von Beginn an, bei der Planungen und bei der Umsetzung.“

Portrait
Mercy Chirambo, Livelihood Programmkoordinatorin der Caritas Malawi, auf der Weltklimakonferenz in Bonn 2017

Martina Backes

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Autor: Martina Backes

(MB) Martina Backes, Biologin und Redakteurin, arbeitet als freie Mitarbeiterin für Caritas international. Meine Arbeit ermöglicht es mir, mit Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, ins Gespräch zu kommen und Aufmerksamkeit auf ihre Schicksale zu lenken.

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