12. Januar 2018   | Kommentare deaktiviert für Als “Voluntario” in Peru

Als “Voluntario” in Peru

Seit über fünf Monaten bin ich nun schon im Zuge meines „weltwärts“-Freiwilligendienstes hier in Perus 10-Millionen-Hauptstadt Lima. Und längst fühle ich mich wirklich zuhause. Oft habe ich mir zu Beginn die Frage nach Sinn und Unsinn eines Freiwilligendienstes gestellt – und für mich eine klare Antwort gefunden.

Der Schritt, ein Jahr Freiwilligendienst so weit entfernt von der Heimat zu wagen, war keineswegs leicht. Im Vorfeld meiner Abreise wurde ich oft gefragt: „Wieso tust du dir das an? Du verlierst ein ganzes Jahr!“ – Nein. Dieses Jahr ist nicht verloren, ganz im Gegenteil. Natürlich, ich lerne hier keine Differenzialgleichungen, lebe anders als viele meiner Freunde noch nicht das „Studentenleben“ (was auch immer das ist) und ja, mein Studium werde ich ein Jahr später abschließen als ohne Freiwilligendienst. In diesem Jahr aber werde ich – und wurde auch schon in der noch relativ kurzen Zeit, die ich hier bin – mit völlig anderen Realitäten konfrontiert; ich lerne, mich eigenständig zu organisieren; ich lerne intensiv eine andere Kultur kennen; und ich arbeite ein Jahr lang in einem unglaublich spannenden Projekt mit.

Das Projekt

Ich (li.) und die Kinder im Spinnennetz: Alles in der Natur hängt miteinander zusammen – ein Thema unseres Umweltprojekts.

Im Projekt „Espacio de Escucha y Acogida ‚El Jardín‘“ arbeiten wir in dem von Armut und Kriminalität geprägten Stadtteil Barrios Altos. Ziel ist es, die Lebenssituation der dort lebenden Menschen vor dem Huntergrund von Drogenkonsum und Stigmatisierung zu verbessern. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt darauf, Menschen bei Eigeninitiativen zu helfen und nicht, sie zu belehren oder ihnen schon fertige Lösungen zu präsentieren. Um das zu erreichen, sind wir sozusagen als Streetworker unterwegs. Eine andere meiner vielen Aufgaben in unserer komplexen und weitgefächerten Arbeit ist Englischunterricht, den ich zweimal pro Woche, gemeinsam mit zwei vor Ort lebenden Jugendlichen, in der dritten, vierten, fünften und sechsten Klasse einer Grundschule gebe. Außerdem habe ich gemeinsam mit einer weiteren Freiwilligen ein Umweltprojekt gestartet.

Zwei weitere helfende Hände

Englischunterricht: Zur Zeit bin ich, zusammen mit zwei vor Ort lebenden Jugendlichen, die mir ebenfalls freiwillig helfen, der einzige Englischlehrer, den die Schule hat.

Die Frage, wie ich mich als achtzehnjähriger Abiturient ohne jegliche Berufsausbildung vor eine Klasse stellen und unterrichten oder überhaupt in einem Arbeitsteam von Psychologen und Sozialarbeitern eine gleichberechtigte Rolle einnehmen kann, ist durchaus berechtigt. Wäre das Geld, das für meinen Freiwilligendienst draufgeht, nicht viel besser in Form einer Spende aufgehoben? Hilft dieses Jahr wirklich den Menschen vor Ort oder nicht doch eigentlich in erster Linie mir? Natürlich habe auch ich mir diese Fragen gestellt, doch ich bin mir sicher: mein Freiwilligendienst ist sinnvoll und vor allem hilfreich für alle Seiten. Die Schule, in der ich unterrichte, hat keinen Englischlehrer – würde ich hier nicht unterrichten, hätten die Kinder gar keine Chance, Englisch in der Schule zu lernen. Und da ich aus einem anderen Land, einer anderen Kultur komme, bringe ich natürlich neue Ideen mit und kann einiges anregen. Und überhaupt: Ich bringe als Freiwilliger einfach zwei weitere helfende Hände, die uns bei der vielen Arbeit an allen Ecken und Enden fehlen.

Ein Gewinn für beide Seiten

Das zentrale Element dieses Freiwilligendienstes ist Gegenseitigkeit – genau wie wir deutschen Freiwilligen gehen jährlich auch junge Peruaner für ein Jahr nach Deutschland, um dort in Sozialprojekten zu arbeiten. Das Programm beruht daher auf gegenseitiger Unterstützung, gegenseitigem Austausch und gegenseitiger Freundschaft.


Arbeitsfelder, Chancen für Chancenlose, Lateinamerika, Rechte für Kinder

Über Luca Weigand

Luca Weigand Luca Weigand stammt aus Mannheim und ist einer der ersten beiden Freiwilligen, die ihren "weltwärts"-Freiwilligendienst in einem Projekt von Caritas international (in Peru) verrichten.

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