17. April 2018   | Neuer Kommentar

Konferenz: Aufnahme und Integration von Flüchtlingen


Vom 12-13. April fand bei uns die Konferenz mit dem Titel „Housing und Integrating Refugees: Innovative Best Practices from Around the Globe“ statt. Viele internationale Rednerinnen und Redner diskutierten über gute Beispiele für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. Dazu gehörte unter anderem der UNHCR- Repräsentant Deutschlands Dominik Bartsch.

Was wir in Europa „Flüchtlingskrise“ nennen, ist auch im „Globalen Süden“ bekannt. Weit weg von Europa hat man seit Jahrzehnten Erfahrungen in der Aufnahme und Integration von Geflüchteten sammeln können. Im Libanon leben eine Million Menschen, die seit 2011 aus Syrien oder dem Irak geflohen sind. Somit ist jeder 6. Einwohner aus dem Libanon ein Flüchtling. Auch wenn die Situation sowie die Gesetze bezüglich Flucht und Migration unterschiedlich sind, können Beispiele von gelungener Integration hilfreich für andere Regionen sein. So lag der Fokus dieser Konferenz auf dem Austausch von Forschungsergebnissen und Arbeitserfahrungen.

Die Art der Unterkunft ist entscheidend für eine gute Integration

„Wenn wir nicht in nachhaltige Unterkünfte investieren, ist keine Integration möglich“, mahnte Bartsch vom UNHCR in Bezug auf die großen Flüchtlingscamps, die von der UN betreut werden. Zelte hätten nur eine kurze Haltbarkeitsdauer. Umso wichtiger sei, dass man auf die Bedürfnisse der Geflüchteten angepasste Unterkünfte schaffe. Darüber hinaus seien Hilfsgüter zur Deckung der Grundbedürfnisse essentiell. Doch sollten daraus keine Parallelstrukturen entstehen. Vielmehr müsse man den nationalen Einrichtungen, die bereits vorhanden sind, zuarbeiten.

„Es ist wichtig, neben den großen Lagern auch die Flüchtlinge zu unterstützen, die informell und verstreut in urbanen Zentren leben. Die Caritas bringt hier wichtige Erfahrung mit. Sie weiß auch, wie man ein Netzwerk der gemeinschaftlichen Hilfe aufbaut.“ Dominik Bartsch vom UNHCR

Flüchtlingscamps wie Städte sehen

Das Management im jordanischen Flüchtlingscamp Zaatari an der Grenze zu Syrien sei lange Zeit fehlerhaft gewesen, so fällt das vernichtende Urteil von Kilian Kleinschmidt aus, der dort selbst zwischen 2013 und 2014 Camp-Manager beim UNHCR war. Man habe lange Zeit nicht auf die individuellen Bedürfnisse der  Geflüchteten geschaut, sondern nur die hohen Flüchtlingszahlen im Blick gehabt. „Dann haben wir angefangen das Flüchtlingscamp wie eine Stadt zu sehen“, berichtete Kleinschmidt.  Sein Vorhaben: Statt Ausgabe von notwendigen Hilfsgütern sollten privat geführte Geschäfte entstehen, in denen die Bewohner des Camps mit Hilfe von  „Cash-Transfers“ einkaufen können. Solche Maßnahmen würden dafür sorgen, dass diese Menschen mittelfristig nicht mehr auf externe Hilfe angewiesen seien. Zudem sei es die Notwendigkeit, die lokalen Gemeinden „mit ins Boot zu holen“. Vom Aufbau mikro-ökonomischer Strukturen wie im Zaatari-Camp würde auch die jordanische Bevölkerung profitieren, erklärte Kleinschmidt.

„Nur etwa 10% aller Flüchtlinge leben in großen Camps. Ca. 90% leben in informellen Zentren, in Slums. Sie werden oft von NGOs übersehen. Deshalb tragen Organisationen wie die Caritas, die vor allem Flüchtlingen abseits der Camps helfen, große Verantwortung.“ Kilian Kleinschmidt

Integration und Akzeptanz durch Einbezug der lokalen Bevölkerung

Die Notwendigkeit, die lokale Bevölkerung mit in die Hilfen einzubeziehen, sieht auch Lana Snobar, Leiterin der psychosozialen Aktivitäten der Caritas Jordanien. Die Projekte der psychosozialen Hilfe kommen nicht nur syrischen und irakischen Geflüchteten zugute, sondern auch zu 30 Prozent Jordaniern. So könne man Konflikten vorbeugen. Ihre Argumentation ist plausibel, denn die Geflüchteten in den Caritas-Projekten haben sich größtenteils gut integriert. Lana Snobar und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen die Menschen in der Traumabewältigung. Viele der Geflüchteten haben den Krieg hautnah erlebt. „Unser Fokus liegt unter anderem auf den Kindern, der Zukunft eines jeden Landes. Wir bieten „child friendly spaces“ und die Möglichkeiten an, zu spielen und zu musizieren. Hier können die Kinder für einen kurzen Augenblick die schrecklichen Erlebnisse vergessen.“

„80 Prozent der Flüchtlinge sind gesellschaftlich gut integriert. Doch sie haben vieles gesehen und erlebt, das schwer zu verkraften ist: Gewalt, Elend, Verlust und Zerstörung. Wir leisten psychologische Betreuung und gehen auf ihre unterschiedlichen Bedürfnisse ein.“ Lana Snobar

Beteiligung aller Akteure

„Wir müssen mit Flüchtlingen reden, nicht über sie. Nur so kann Integration gelingen,“ war die Kernaussage der Konferenz, die Oliver Müller, Leiter von Caritas international, aufgriff. Nur durch den Einbezug aller beteiligten Akteure, sowohl der Geflüchteten, als auch der lokalen Bevölkerung in den Aufnahmeländern, können soziale Konflikte verhindert und die Situation der Menschen nachhaltig verbessert werden. Dies gilt für alle Regionen der Welt.

 

Johannes Ludwig

„Wir müssen mit Flüchtlingen reden, nicht über sie. Nur so kann Integration gelingen.“ Oliver Müller

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Arbeitsfelder, Flucht und Migration, Konflikte und Krisen

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