1. Mai 2018   | 1 Kommentar

Peru – Unterwegs im Land der Gegensätze

Unser „weltwärts“-Freiwilliger Luca Weigand hat seine Urlaubstage während seiner Frewilligenarbeit in Peru genutzt, um das Land besser und von anderen Seiten kennenzulernen. Dabei haben ihn nicht nur atemberaubende Landschaften und die berühmten Ruinen von Machu Picchu beeindruckt, sondern ihm sind auch extreme Unterschiede innerhalb des Landes aufgefallen.

Das heilige Tal der Inka

Ausblick auf den Machu Picchu in Peru

Atemberaubende Natur in den Anden neben pulsierenden Metropolen wie Lima. Peru überrascht mich immer wieder.

Ein Jahr Freiwilligenarbeit im Projekt „Espacio de Escucha y Acogida ‚El Jardín‘“, dazu gehören natürlich auch die Urlaubstage – eine völlig andere Seite meiner Zeit hier! Anlässlich des Besuchs einer Schulfreundin aus Deutschland nahm ich diese im April und machte mich auf Entdeckungsreise in den Süden des Landes. Nach 23 Stunden im Bus kamen wir in Cusco an, wo uns eine gemeinsame Freundin empfing, die einen Freiwilligendienst im nahegelegenen Urubamba macht. Mit ihr verbrachten wir eineinhalb Wochen im Heiligen Tal der Inka in wunderschöner Landschaft – hier wurde mir klar, dass ich Natur in den letzten Monaten in Lima doch sehr vermisst habe (so ein paar kleine Parks sind eben doch kein Ersatz für riesige, dank Regenzeit grüne Berge, Wasserfälle, Flüsse, Wind, saubere Luft…).

Bergflair – auf dem Weg zum Machu Picchu

In diese Zeit fiel auch unser Besuch von Machu Picchu. Dieser Ort ist nicht einfach nur das Wahrzeichen und der bekannteste Punkt Perus. Als ich nach anstrengendem Aufstieg am Aussichtspunkt ankam, verstand ich die Erzählungen von vielen Peruanern, die mir von der einizigartigen Atmosphäre dieses Orts berichtet hatten. Tatsächlich fehlen mir die Worte, um dieses Santuario (Heiligtum der Inka) angemessen beschreiben zu können. Ganze acht Stunden genossen wir die Anlage und bestiegen in Rekordzeit auch den hinter den Ruinen gelegenen Huayna Picchu.

Ausblick auf den Machu Picchu

Von Cusco aus fuhren wir drei weiter nach Puno am Titicacasee, dem höchsten beschiffbaren See der Welt (3810m über Meeresspiegel). Die Kälte in dieser Höhe werde ich zwar sicher nicht vermissen, das herrlich blaue Wasser des Sees allerdings schon.

Der Titicacasee liegt auf der Grenze zwischen Peru und Bolivien. Er ist einer der größten Seen in Südamerika.

Weiter ging es nach Arequipa, einer Stadt mit spanisch-italienischem Flair, die uns nach der Puno-Kälte wieder aufwärmte.

Das Kloster Santa Catalina in Arequipa gilt als eines der wichtigsten religiösen Bauwerke aus der Kolonialzeit.

Von dort aus unternahmen wir eine zweitägige Wanderung im Colca-Canyon – erneut unglaubliche Natur gepaart mit einem zweieinhalbstündigen Aufstieg von 1200 Höhenmetern auf bis zu 3300m über Meeresspiegel, wo die Luft schon deutlich dünner wird – und das um 5 Uhr morgens.

Blick in den Colca-Canyon

Die letzten zwei Tage unserer Reise entspannten wir dann noch zwischen Sanddünen in der Wüstenoase Huacachina. Nach fast drei Wochen Reise war es dann wirklich ein „Heimkommen“ nach Lima, wo ich in meiner Gastfamilie und von meinem Arbeitsteam herzlich wieder zurückempfangen wurde.

Diese Reise war nicht nur einfach wunderschön, sondern sie hat mir auch die Unterschiede in Peru näher gebracht. Gerade auf dem Land stellte ich immer wieder fest, dass Lima eine völlig andere Welt als „die Provinz“ Perus ist. Das zeigte sich in vielen Gesprächen mit der befreundeten Freiwilligen vor Ort. Vieles, was uns jeweils selbstverständlich erschien, war dem jeweils anderen völlig unbekannt, von Sprache über Essen bis hin zur Art und Weise, im Bus zu bezahlen. Was mir viel zu denken gegeben hat, war, dass diese Realität des „Gringotrails“ (die typische Touristenroute durch den Süden Perus) oft die einzige ist, die viele Touristen während ihres Aufenthalts im Land kennenlernen.

Miraflores: Eines der reicheren Viertel Limas.

Wenn ich eines gelernt habe in meiner Zeit hier, dann dass in diesem Land viele Realitäten nebeneinander existieren, ohne dass eine davon „die wahre“ wäre. Die Menschen in meiner Einsatzstelle in Barrios Altos leben in einer anderen Realität als ich in meiner Gastfamilie im Mittelschichtsviertel Salamanca; daneben gibt es die Randbezirke Limas („pueblos jóvenes“) und die reichen, „westlichen“ Viertel Limas wie etwa Miraflores. Diese Gegensätze sind schon innerhalb Limas extrem, und das Leben auf dem Land bzw. in den kleineren Städten ist nach meinem oberflächlichen Eindruck dieser wenigen Tage wiederum völlig anders. Bei einer ersten, kürzeren Reise im Januar hatte ich die Möglichkeit, einige Tage bei einer befreundeten Familie in einem kleinen Dorf in den Anden zu wohnen und ihre Realität in Ansätzen mitzuleben. Auf dieser Reise lernte ich in einem relativ abgelegenen Dorf im Urubamba-Tal über das Freiwilligenprojekt meiner dort lebenden Freundin eine Familie kennen, in der fast ausschließlich Quechua gesprochen wird und manche Framilienmitglieder praktisch kein Spanisch können.

Pueblos jóvenes: Randbezirk in Lima. In Peru existieren viele Realitäten nebeneinander.

All das sind nur Schlaglichter der Gesellschaft eines unglaublich diversen Lands, in der es von Armut bis Reichtum, von abgelegenen Regenwalddörfern bis zur Megacity Lima eine unvorstellbare Bandbreite an Lebenswirklichkeiten gibt. Ich bin sehr dankbar, dass mir mein einjähriger Freiwilligendienst die Möglichkeit gibt, zumindest ein bisschen tiefer in diese Gesellschaft einzutauchen. Denn nur „El Condor pasa“ auf der Panflöte zu hören und sich Bilder von Machu Picchu anzuschauen, wird zwar immer ein wichtiger Aspekt Perus sein – aber eben nur einer unter vielen.

Saludos y hasta pronto,
Luca Weigand


Arbeitsfelder, Lateinamerika

Über Luca Weigand

Luca Weigand Luca Weigand stammt aus Mannheim und ist einer der ersten beiden Freiwilligen, die ihren "weltwärts"-Freiwilligendienst in einem Projekt von Caritas international (in Peru) verrichten.

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1 Kommentar auf "Peru – Unterwegs im Land der Gegensätze"

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Anny
Gast

Das ist ein sehr realitätsnaher Bericht. Meine Freundin hat gute 10 Jahre in Peru als Entwicklungsarbeiterin gearbeitet, da erkenne ich soviele Parallelen aus CH Berichten.
Danke, auch ich war in einigen Orten, unvergessliche Eindrücke und Erlebnisse.