11. Juni 2018   | 2 Kommentare

Wo bitte geht’s hier zur WM? | Caritasarbeit in Russland

Wir – das sind der Fotograf Philipp Spalek und ich – haben einen Ball mit Caritas international Logo dabei und jede Menge Ideen, wie wir im Zuge der WM auf die Arbeit der Caritas in Russland aufmerksam machen wollen. Allerdings scheint in St. Petersburg die große WM-Euphorie noch nicht ausgebrochen. Zumindest glauben wir das, bis wir Pater Mariano treffen…

Begeisterung für die WM?

In Deutschland elektrisiert die WM. Ein Meer aus Fahnen, Autokorsos und Solidarität prägt die Zeit. In Russland ist die Euphorie noch nicht überall zu spüren. Die Aktionen zur WM halten sich in Grenzen. Foto: Philipp Spalek

Dass sich die Euphorie für die Fußballweltmeisterschaft unter den Caritasmitarbeitenden noch in Grenzen hält, dürfte mindestens zwei Gründe haben. Zum einen ist Russland keine typische Fußballnation, Nationalsport hier ist Hockey. Zum andern beschäftigen sich die inzwischen 88 Mitarbeitenden der Caritas St. Petersburg mit so vielen anderen Themen, dass für die WM kaum Platz bleibt. Sie engagieren sich im Kinder- und Jugendbereich, in der Sozialberatung, in der Alten- und Krankenpflege, arbeiten mit Drogensüchtigen und HIV-Infizierten und unterstützen Frauen in schwierigen Lebenslagen.

Die russische Bevölkerung: im Abseits des Scheinwerferlichts

20 Millionen Menschen, so die offizielle Statistik, leben in Russland unterhalb der Armutsgrenze. Inoffiziell, erzählt uns die Direktorin der Caritas St. Petersburg, Natalja Pewtsowa, sei die Zahl aber viel höher. Die WM bringt zwar durch Tourismus und Stadionbau viel Geld nach Russland, die Bevölkerung in ländlichen Gebieten sieht davon jedoch kaum etwas.

Immer in Action – die Direktorin der Caritas St. Petersburg Natalja Pewtsowa hier im Altenheim der Caritas. Foto: Philipp Spalek

Gerade kommt sie von einem Termin bei der Stadt, zu dem Vertreter aller Religionen eingeladen waren, um über die sozialen Probleme zu sprechen. Ein absolutes Novum, sagt sie. Kaum hat sie ihr dunkles Jackett über einen Stuhl gehängt, hilft sie mit, den Tisch zu decken.Egal, ob im Altenheim, im Kinderzentrum oder hier im Untergeschoss des Sozialzentrums: Natalja Pewtsowa ist immer mittendrin. Packt mit an, fragt nach, organisiert, hört zu. Ob alles gut geklappt hat? erkundigt sie sich bei den Gästen aus Deutschland. Und dann ist sie auch schon wieder weg. In ihrem Büro wartet schon der nächste Termin.

Der größte Fan der WM: Pater Mariano

Fast könnte man den Eindruck gewinnen, die Caritasmitarbeitenden in St. Petersburg hätten angesichts der enormen Herausforderungen, vor die sie ihre Arbeit täglich stellt, für ein Ereignis wie die Fußballweltmeisterschaft, schlicht keine Zeit.

Aber dann lernen wir beim Mittagessen Pater Mariano kennen. Er ist der Seelsorger der Caritas in St. Petersburg. Und er kommt dann doch ziemlich ins Schwärmen.

„Aber natürlich freue ich mich auf die WM“, sagt er. „Sehr sogar.“

Aus der ganzen Welt hat er E-Mails von seinen Mitbrüdern bekommen. „Vielleicht“, sagt er, „wird der ein oder andere mich sogar besuchen kommen.“

Mit Pater Mariano im Bus zurück ins Zentrum – er freut sich auf die WM und drauf, die Spiele zusammen mit Freunden verfolgen zu können. Foto: Philipp Spalek

Mit Pater Mariano im Bus zurück ins Zentrum – er freut sich auf die WM und drauf, die Spiele zusammen mit Freunden verfolgen zu können.

Wenn ihr mehr über die WM und die Situation in Russland erfahren wollt, besucht unser #CaritasWMSpecial!

 

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Arbeitsfelder, Europa

Über Andrea Edler

Andrea Edler ist Journalistin und Feature-Autorin. Als freie Mitarbeiterin erstellt sie die Wanderausstellungen von Caritas international zu verschiedenen Themen der Humanitären Hilfe.

2 Antworten auf Wo bitte geht’s hier zur WM? | Caritasarbeit in Russland

  1. Caroline sagt:

    Hallo Andrea! Danke für den interessanten Einblick nach Russland!
    Wie kann es sein, dass das größte Sportereignis auch die Bevölkerung nicht begeistert? Oder ist das nur auf die Caritas-Mitarbeiter bezogen? Zumindest in den Austragungsorten muss die Euphorie doch groß sein oder?

    • Andrea Edler sagt:

      Liebe Caroline,
      dafür, dass Russland keine Fußballnation ist und kaum Chancen auf den Titel hat, ist die Begeisterung für die WM sogar noch erstaunlich groß. Viele Menschen in Russland leben ein nicht einfaches, unbequemes Leben und haben schlicht andere Probleme. Aber auch die, die nicht unbedingt fußballbegeistert sind – wie eben zum Beispiel auch viele Frauen, die für die Caritas arbeiten – freuen sich darauf, dass die Welt in ihrem Land zu Gast ist und sie Teil dieses weltweiten gemeinschaftlichen Sportereignisses sind.

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