26. Juni 2018   | Neuer Kommentar

„Bullerbü“ für alte Menschen | Caritasarbeit in Russland

Im Erdgeschoss des nach dem Pfarrer Hartmut-Kania benannten Caritas-Hauses in St. Petersburg betreiben Schwester Ariane und ihre Mitstreiterinnen ein Altenheim. „Wir sind hier“, sagt Schwester Ariane, „wie wir alle, sehr verschieden.“

Damit meint die Ordensschwester, dass gerade auch alte Menschen sehr individuelle Bedürfnisse haben, auf die selbstverständlich Rücksicht genommen werden muss.

Im Altenheim der Caritas geht es bei der Spielerunde sehr lebendig zu. Foto: Philipp Spalek

Die 18 teilweise schwer pflegebedürftigen Bewohnerinnen und Bewohner leben gemeinsam mit den Schwestern wie in einer Wohngemeinschaft. Wer noch kann, hilft mit. Beim Geschirr spülen, Tisch decken, sauber machen. Sogar die Wäsche wird hier im Haus selbst gewaschen. „Ganz allein,“ sagt Schwester Ariane, „würden wir das gar nicht schaffen.“

Vor allem aber sollen sich ihre Gäste hier wie zu Hause fühlen. Und dazu gehört für Schwester Ariane eben auch, dass sie alltägliche Arbeiten verrichten.„Auch alte Menschen“, sagt sie, „wollen nicht den ganzen Tag nur rumsitzen.“

Im Erdgeschoss des Caritas-Hauses in St. Petersburg betreibt Schwester
Ariane ein Altenheim für 18 teilweise schwer pflegebedürftige Menschen. Hier sieht man sie mit einer Bewohnerin – sie ist dement und braucht besonders viel Zuwendung.

Aber natürlich wird nicht nur gemeinsam gearbeitet, sondern auch gespielt, vorgelesen, manchmal auch gesungen. Am Abend versammeln sich viele zum gemeinsamen Filmeschauen im großen Esszimmer. „Meistens schauen wir aber kein Fernsehen“, sagt Schwester Ariane. „Denn da kommt selten etwas, das unsere Gäste wirklich mögen.“ Stattdessen besorgt sie DVDs mit alten Filmen oder Dokumentationen.

Verglichen mit deutschen Standards ist die Ausstattung dieser Pflegereinrichtung mehr als einfach. Es gibt keinen Badewannenlift und bis zu fünf Personen teilen sich ein großes Zimmer. „Ich weiß“, sagt Schwester Ariane, „in Deutschland habt ihr ganz andere Möglichkeiten.“

Aber es ist die Herzlichkeit und Wärme, die spürbar lebendige Gemeinschaft, die uns sofort für sich einnimmt. Seit Astrid Lindgrens Bullerbü-Geschichten steht dieser Name für eine unbeschwerte Bilderbuchkindheit. Ein Ort, an dem sich Kinder frei entwickeln und in Liebe aufwachsen können. Hier, haben wir den Eindruck, hat Schwester Ariane ein „Bullerbü“ für alte Menschen geschaffen. Einen Ort, den wir voller Respekt für die hier geleistete Arbeit der Schwestern wieder verlassen.

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Arbeitsfelder, Europa, Gesundheit, Pflege, Sucht

Über Andrea Edler

Andrea Edler ist Journalistin und Feature-Autorin. Als freie Mitarbeiterin erstellt sie die Wanderausstellungen von Caritas international zu verschiedenen Themen der Humanitären Hilfe.

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