Austausch: Soziale Arbeit in Deutschland und in der Ukraine

Auch wenn die Not der Menschen in der Ukraine viel sichtbarer wird, als in Deutschland, ist die soziale Arbeit doch an vielen Stellen vergleichbar. Unser Partner vor Ort – die Caritas Ukraine – unterstützt Kinder und Jugendliche, die in prekären Wohnbedingungen aufwachsen. Sie besuchen uns in Deutschland, um sich über Konzepte und Arbeitsweisen auszutauschen.

Fachlicher Austausch über Grenzen hinweg

Drei Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe der Caritas Ukraine sind für zehn Tage zu Besuch in Deutschland, um sich auf dieser “Begegnungsreise” mit deutschen Kolleginnen und Kollegen aus Verbänden und Einrichtungen des Deutschen Caritasverbandes auszutauschen.

Mehrgenerationenhaus mit Vorbildfunktion

(v.l.) Claudia Buchberger, Einrichtungsleiterin des Mehrgenerationenhauses in Taufkirchen/Vils mit dem Besuch aus der Ukraine: Nataliya Tchakenko (Projektkoordinatorin der Sozialarbeit für Kinder und Jugendliche innerhalb eines Netzwerks von 15 Orten in der Ukraine), Zoryana Lukavecka (Leiterin der Jugendhilfe des Caritasverbandes der Caritas Ukraine) und Iryna Puhnyak (Psychologin und Sozialarbeiterin).

Erste Anlaufstation, gleich nach deren Ankunft am Flughafen, war der Caritasverband Erding bei München. Dieser betreibt im Ort Taufkirchen/Vils unter anderem ein Mehrgenerationenhaus, das in diesem Jahr vom Bundesfamilienministerium mit dem Preis „DemografieGestalter 2018“ in der Kategorie „Partizipationsprozesse“ ausgezeichnet wurde. „Wann immer wir Politikern ein Vorzeigeprojekt präsentieren wollen, führen wir sie dahin“, verriet der bayerische Politiker Josef Erhard – Ex-Ministerialdirektor und heute unter anderem Vorstand des Kuratoriums des Zentrums für Internationale Bildungsforschung (ZIB), als er sich im Vorfeld des Besuchs mit den ukrainischen Gästen bei einem gemeinsamen Essen unterhielt.

Unsere ukrainischen Gäste waren auch sichtlich beeindruckt, wie es in Taufkirchen/Vils gelingt, Jung und Alt zusammenzubringen und Inklusion äußert erfolgreich umzusetzen – angesichts einer großen Zahl von Migranten innerhalb der Mehrgenerationenarbeit. „Das“, verriet Einrichtungsleiterin Claudia Buchberger, „gelingt uns nicht zuletzt auch deswegen so gut, weil wir hier die volle Unterstützung des Bürgermeisters und der ganzen Gemeinde haben.“ Nicht überall, so erfuhren die Gäste, sei dies in solchem Maß der Fall.

Gelebte Integration

Besonders beeindruckt waren sie von der Art, wie Leron Hemidi, ein syrischer Geflüchteter, der seit vier Jahren in Deutschland lebt, an der Mittelschule, in der er Jugendliche aus zehn verschiedenen Nationen betreut, den jungen Menschen hilft, sich in Deutschland besser zurechtzufinden und die hierzulande geltenden Werte zu verstehen, anzunehmen und zu leben. „Ich arbeite“, erklärte er bei dem Fachaustauch, nach dem Konzept ,Betzavta‘, ein in Israel entwickeltes Konzept zur Demokratie-, Toleranz- und Menschenrechtserziehung, das seine Wurzeln in der israelischen Friedensbewegung hat.

„Dieses Konzept“, sagte Zoryana Lukavecka, Leiterin der Jugendhilfe der Caritas Ukraine, „sehen wir uns noch genauer an. Vieleicht können wir das für unsere Arbeit auch verwenden. Mehr Demokratieverständnis ist für unsere Kinder und Jugendlichen schließlich auch absolut essentiell.“

Konkret geschieht, wie die Gäste erfuhren, vieles in diesem Erziehungskonzept kindgerecht und spielerisch. So etwa mit dem so genannten „Schokoladenspiel“. „Oh“, reagierte Nataliya Tchakenko bei diesem Stichwort sofort, „das hört sich gut an. Können wir das nicht gleich spielen?“ „Das dauert aber mindestens eine Stunde“, wurde ihr geantwortet. So viel Zeit war denn doch nicht mehr. Aber, so einigten sich Besucherinnen und Gastgeber, diese Begegnung muss ja nicht die letzte gewesen sein. Und beim nächsten Mal wird einfach noch eine Stunde mehr eingeplant.

Eine Million Sterne 2018

“Jeder Mensch braucht ein Zuhause” – der Deutsche Caritasverband macht dieses Jahr darauf aufmerksam, dass sich immer weniger Bürgerinnen und Bürger eine bezahlbare Wohnung leisten können. Passend zum Thema stellen wir – Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes – die Arbeit in der Ukraine in den Fokus. Seit 2014 haben hier mehr als 2,5 Millionen Menschen ihr Zuhause verloren. Gemeinsam mit der lokalen Caritas unterstützen wir Kinder und Jugendliche, die am Rande der Gesellschaft leben und in prekären Wohnbedingungen aufwachsen.

Während der Aktion “Eine Million Sterne” am 17.11.2018 wollen wir gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern auf die schwierigen Wohnsituationen aufmerksam machen – in Deutschland und weltweit! Dazu verwandeln wir über 70 Städten in Deutschland durch Kerzen in Lichtermeere und sammeln dabei Spenden, die Projekte der Kinder- und Jugendhilfe in der Ukraine sowie lokalen Projekten und Initiativen der Caritas hierzulande zugutekommen.

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