Klimablog I Mal wieder das Klima verhandeln?

Irgendwo auf der Welt passiert ständig eine extreme Abweichung von der Norm des Wetters: In Griechenland und Portugal war es dieses Jahr außergewöhnlich trocken, in kurzer Zeit brannten Wälder so groß wie 30.000 Fußballfelder. Im südindischen Kerala wurden diesen Sommer Wege und Straßen zu Flüssen. Andernorts verdampfen die Wasserspeicher, große Seen wie der Tschadsee in Afrika schrumpfen, Wasseradern werden zu Rinnsalen. Der Klimawandel hat viele Gesichter.

Die klimabedingten Katastrophen sind weltweit nicht weniger geworden, sondern mehr. Indes hat sich die weltweite Klimapolitik nur schleichend vorwärtsbewegt. Selbst viele Zuversichtliche zweifeln mehr und mehr, dass die Politik das Erdklima noch richten kann.

Letztes Jahr auf der Weltklimakonferenz in Bonn musste ein dreizehnter Tag angehängt werden, um am Ende eine tragfähige Einigung präsentieren zu können. Inzwischen ist ein weiteres Jahr vergangen. Am 3. Dezember gehen die Verhandlungen in eine weitere Runde, auf der Weltklimakonferenz im polnischen Katowice.

zerstörte Häuser, Dach wurde vom Sturm abgehoben
Kenia, Marsabit 2016: Im Norden des ostafrikanischen Landes verursachen Dürren immer wieder Hunger, Viehsterben und Wassermangel

Weltklima & Klimapolitik

Dieser Tage mehren sich daher Berichte über den Zustand des Weltklimas und den Stand der Klimapolitik. Ein Zeichen dafür, dass das Klima weiter verhandelt wird. Indes ist das Verhandlungsklima durchaus angespannt. Kein Wunder: Der Tag im Jahr, an dem die Menge an natürlichen Ressourcen verbraucht ist, die sich wieder regenerieren können, liegt von Jahr zu Jahr früher: Der weltweite Erdüberlastungstag oder auch Welterschöpfungstag genannt, war 2018 der 1. August. (Erläuterung siehe Fussnote 1)

Insofern ist es verständlich, wenn etwa die weltweite katholische  Klimabewegung nicht nur mit Hoffnung, sondern auch mit Sorgen auf die Klimaverhandlungen schaut.

Das ist ein Grund, warum die Klimapilger einen dringenden Appell für Klimagerechtigkeit zum UN-Klimagipfel nach Katowice tragen. Yeb Saño, der ehemalige Klimaverhandlungsführer der Philippinen, leitet die Klimapilgerreise (#TheClimatePilgrimage). Vor ein paar Jahren zerstörte ein Taifun seine Heimatgemeinde. Tausende Menschen haben ihr Leben verloren. Der Klimawandel macht Stürme wie diesen wahrscheinlicher für die Philippinen.

zerstörte Häuser, Dach wurde vom Sturm abgehoben
Der Taifun Mangkhut riss 2018 auf den Philippinen ganze Hütten mit sich, wie hier in Baggao, Cagayan – eine der am stärksten betroffenen Regionen. Der Wiederaufbau wird einige Zeit in Anspruch nehmen

Jedes Zehntel Grad zählt

Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob die Weltgemeinschaft es schafft, die Erderhitzung auf 1,5 Grad oder auf zwei Grad zu begrenzen. Diese Kernbotschaft müssen sich alle, die es ernst meinen mit der Klimapolitik, nicht nur zu Herzen nehmen. Sie sollten ihr klimapolitisches Handeln zügig danach ausrichten. Verzögerungen werden später zu einer doppelten und dreifachen Last: an klimaschädlichen Emissionen, an zerstörerischen Folgen, an Kosten. Wenn das Hochwasser erst mal im Keller steht oder schmelzende Gletscher den Meeresspiegel anheben, sind viele Schäden nicht mehr zu beheben.

Die von vielen Medien zitierte oder erhoffte Einschätzung, es sei „fünf vor 12“, war auch schon vor zehn Jahre zu lesen. Inzwischen steuern wir auf eine  3 Grad wärmere Welt zu, wenn so weitergewirtschaftet wird wie bisher. Die Selbstverpflichtungen der Staaten reichen also nicht.

Schon das Zwei-Grad-Ziel  ist eher ein Attest für eine langfristige Katastrophe. Denn es reicht nicht aus, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Und die verheerenden Auswirkungen, die schon bei 1,5 Grad prognostiziert werden, machen klar: Jedes Zehntelgrad weniger Erderhitzung zählt. Jeder unterlassene Versuch, die Emissionen zu begrenzen, entscheidet über Leben und Tod. Der Sonderbericht des Weltklimarates setzt ein klares Zeichen – er muss die Politik kurz vor der Weltklimakonferenz in Polen wachrütteln.

Weltklimakonferenz in Katowice

Am 3. Dezember beginnen die Klimaverhandlungen in Polen. Die Mitgliedstaaten sind damit noch lange nicht auf der Zielgeraden – es gibt noch viel zu tun. Und doch: Katowice gilt als ein entscheidender Streckenabschnitt im Hürdenlauf auf dem noch beschwerlichen Weg hin zum Pariser Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Es geht dieses Jahr vor allem um verlässliche Regeln darüber, wie das Pariser Klimaabkommen umgesetzt werden kann.

Verbindliche Leitlinien zur Vergleichbarkeit und Transparenz der nationalen Klimapläne sind hier gefragt. Die Vorlage hat noch Lücken. Die Weltöffentlichkeit erwartet einen Plan, der detailliert erläutert, wie nun die Klimaschutzziele transparent überprüft werden können. Zudem braucht es weitere ambitionierte Einsparungsziele statt des Festhaltens an Verschmutzungsrechten, wie es etwa Länder praktizieren, die von ihrer fossilen Braunkohle- und Steinkohleverstromung nicht ablassen.

Zwischen Zweifeln und Hoffen

Selbst viele Zuversichtliche zweifeln mehr und mehr, dass die Politik das Erdklima noch richten kann. Viele Verbraucher werden selbst tätig, so gut sie es können: Sie benutzen Fahrrad, Bus und Bahn oder ernähren sich von ökologisch und regional produzierten Lebensmitteln. Es ist sinnvoll und notwendig, im Privaten wie im öffentlichen Leben den Konsum klimaschädlicher Produkte und Lebensweisen genau unter die Lupe zu nehmen, gewiss. Oft sind die Alternativen ja bereits vorhanden.

Doch es braucht eine Wende auf allen Ebenen: eine umfassende Energiewende, eine rapide Senkung des CO2-Ausstoßes im Verkehr, eine nachhaltige Landwirtschaft und die Abkehr von fossilen Brennstoffen. So schnell wie möglich. Möglich ist das aber nur, wenn auch die Politik einen entsprechenden Strukturwandel einleitet, der gemeinsam mit der Bevölkerung diskutiert und getragen wird.

Warum beobachtet die Caritas die Klimaverhandlungen in Polen?

Um der Wende hin zu einer klimagerechten Politik Nachdruck zu verleihen, wird eine Caritas Delegation an den Klimaverhandlungen teilnehmen. Die Caritas wird für ein Klima der Solidarität eintreten, gemeinsam mit Verbündeten wie der weltweiten katholischen Klimabewegung. Auch wir als Caritas international werden teilnehmen. Denn “Zeit ist ein Luxus, den wir nicht haben”, das betonten auch die sechs Präsidenten der kontinentalen Bischofskonferenzen in einer gemeinsamen Erklärung vom 29. Oktober 2018. In diesem Blog werden wir von der Klimakonferenz aus Katowice berichten.

Hinweis /FAQs Klimawandel

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Häufig gestellte Fragen – Klimawandel als Thema der Humanitären Hilfe

Auf unserer Website haben wir FAQs (häufig gestellte Fragen) zusammengestellt. Sie bieten Interessierten eine Orientierung, um besser einschätzen zu können, welche Rolle der Klimawandel bei humanitären Notlagen wie Vertreibung, Flucht und Ernährungskrisen spielt. Auch geht es darum, wie die Humanitäre Hilfe mit den daraus erwachsenden Herausforderungen umgeht.

Fussnote:
(1) Rechnerisch hatte Deutschland seine Naturressourcen 2018 bereits am 2. Mai aufgebraucht. Dass der Überlastungstag weltweit erst später erreicht wird, liegt am niedrigeren Verbrauch anderer Länder, vor allem der Entwicklungsländer. Sie drücken den Durchschnittswert und rückten so das Datum in die zweite Jahreshälfte.

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