Die Wucht von El Niño I Dialogreise Peru

Chosica, 25.11.2018 – die Dialogreise durch Peru führt uns zuerst nach Chosica, eine Region, die von „El Niño“ 2017 schwer getroffen wurde. Nothilfekoordinatorin Angela Blanco berichtet uns über die Hilfsmaßnahmen. Wie so oft hat es die ärmsten der Gesellschaft am schlimmsten getroffen. Durch die Katastrophe haben viele Familien ihre Lebensgrundlage verloren und sind nun auf externe Hilfe angewiesen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Dialogreise nach Peru

Ganz von vorne anfangen – das mussten viele Menschen die wir heute in Chosica getroffen haben. Neu anfangen, weil „El Niño“ Anfang 2017 entlang der gesamten peruanischen Küste zu schweren Überschwemmungen und Erdrutschen geführt hatte. „Schlammlawinen zerstörten die Lebensgrundlage vieler Familien“, erzählt die Nothilfekoordinatorin der Caritas Chosica, Angela Blanco. Sie begruben viele Hütten unter sich, schnitten Menschen teilweise ganz von der Außenwelt ab. „Die Menschen hier waren schon immer arm. Durch die Katastrophe sind sie noch ärmer geworden.“

„Durch die Flut standen in unserer Gemeinde viele Teile unter Wasser. Wir haben daraufhin unter anderem Nahrungsmittel, Wasser und geeignete Kleidung an die Betroffenen verteilt“, erzählt uns Angela Blanco.

Auch der Pfarrer der Gemeinde, Jorge Vargas, erlebte die Katastrophe im vergangenen Jahr mit. „Die Verwaltung war überfordert. Aber Caritas und Gemeinde arbeiteten Hand in Hand und konnten schnell helfen, “ erzählt er uns. Bei allem Leid habe es auch schöne Erlebnisse gegeben: „Die Leute haben sich einfach ein Werkzeug gegriffen und geholfen.“

Die Caritas und die katholische Gemeinde haben nicht nur erste Hilfe in der Not geleistet. Sie haben mit Unterstützung von Caritas international 200 Familien, die es besonders hart getroffen hat, unterstützt. Meistens sind es die Frauen, die sich Verbündete suchen und das Schicksal ihrer Familien in die Hand nehmen.

Rufina und die Meerschweinchenzucht

Da ist zum Beispiel Rufina Acuna Dicantiote. Michael Groß, Geschäftsführender Vorstand beim Caritasverband Nürnberger Land, berichtet von dem Treffen mit ihr:

Heute früh waren wir bei Rufina. Sie ist Mitte 50, sieht für meine Wahrnehmung jedoch aus wie mindestens 20 Jahre älter. Sie lebt mit ihrem Mann von der Meerschweinchenzucht und verkauft die Tiere an örtliche Restaurants und auf der Straße zwischen 20 und 30 Soles (4-6 Euro) pro Stück. Zum Leben hat sie noch eine kleine Landwirtschaft. Für einen eher europäischen Lebensstandard braucht man ca. 750 Euro im Monat, Mindestlohn sind hier 250 Euro. Rufina hat umgerechnet nur ca. 100 Euro zur Verfügung.

“Die Fütterung der Meerschweinchen wird aufgrund der staubigen Umgebung immer schwieriger”, erzählt Rufina uns mit Tränen in den Augen.

Die Meerschweinchen sind gut untergebracht. Aber neben Rufinas Haus im Flussbett ist eine illegale Kiesgrube, die die Umgebung so stark verstaubt, dass alles Grün ungenießbar ist. Die Menschen haben wegen des allgegenwärtigen Staubs große Lungenprobleme.

Lima liegt in der Wüste und ist die zweittrockenste Stadt der Welt. Im Jahr tröpfelt es etwa fünfmal kurz. Anfang 2017 hat El Nino monatelangen Regen gebracht. Ganze Berghänge sind weggerutscht, ganze Ortschaften waren wochenlang von Verkehr, Kommunikation und Wasser abgeschnitten. Die Schlammlawinen haben viele der teils illegalen Hütten unter sich begraben. Hunderttausende Familien waren betroffen. Auch Rufinas Haus versank in den Wasser- und Schlammmassen. Durch die von Caritas international unterstütze Hilfe der Caritas Peru erhielt sie die Möglichkeit, mit ihren Meerschweinchen neu anzufangen.

Neuer Lebensmut trotz unsicherer Zukunft

Auch Ada Gamarra beeindruckt uns. „Ich habe durch El Niño von einem Tag auf den anderen alles verloren“, erzählt sie. Aber die verwitwete Mutter gab nicht auf und baute mit Hilfe der Caritas ein kleines Ladengeschäft auf. Wie es weitergeht, weiß sie selbst nicht genau. Der Fluss, nur einen Steinwurf von ihrer Hütte entfernt, könnte jederzeit wieder alles mit sich reißen. Eigentlich wollen die Behörden das ganze Viertel umsiedeln. Aber ob es dazu kommt? Unwahrscheinlich. Und was würde dann aus Adas Tieren – den kreolischen Gänsen und dem Schwein?

Ada Gamarra zeigt uns stolz ihre Nähmaschine, ein Schritt in Richtung Zukunft.

Ada hat sich derweil mit den Frauen der insgesamt 26 Familien zusammengeschlossen. Gemeinsam haben sie zwei Nähmaschinen angeschafft, wollen Nähen lernen. Ein weiterer kleiner Schritt in die Zukunft. „Caritas hat mir gezeigt, dass es weiter gehen kann“, sagt Ada.

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Caritas Chosica

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Autor: Julia Gaschik

Julia Gaschik ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Diözesancaritasverband in Mainz. "Ich bin gebürtige Hildesheimerin, gelernte Journalistin und seit 2011 für die Caritas im Bistum Mainz im kommunikativen Einsatz. Ich freue mich sehr, die Dialogreise von Caritas international nach Peru als Kommunikatorin zu begleiten, die Menschen vor Ort zu treffen und zu erfahren, was die Caritas in diesem spannenden Land bewegt."

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