Gespräch mit der Sozialministerin I Dialogreise Peru

Peru, 27.11.2018 – „Unsere wichtigste Aufgabe ist es, Armut in Peru zu beseitigen!“ Das sagte Sozialministerin Liliana La Rosa Huertas beim Gespräch im Rahmen der Dialogreise zu unserem Leiter Oliver Müller. Ihre entschlossene Art ist ansteckend.

Ein langer Kampf gegen Armut

Die seit sieben Monaten amtierende Sozialministerin lässt beim Gespräch in ihrem Büro vis a vis dem Präsidentenpalast in Lima keinen Zweifel daran, wie ernst ihr das Thema ist. Auch nicht daran, dass sie vieles anders machen möchte als ihre Vorgänger. Die hatten vor allem Sozialprogramme verwaltet, und Armut ausschließlich durch eine ökonomische Brille gesehen. „Das ist keine ganzheitliche Sicht auf Armut. Sie ignoriert, dass Menschen bestimmte Rechte haben.“

Sozialministerin Liliana La Rosa Huertas
Sozialministerin Liliana La Rosa Huertas fasziniert uns mit ihrer ansteckenden und energiegeladenen Art, mit der sie die Zukunft der armen Bevölkerung in Peru ändern will.

Dann greift die Ministerin mit dem herzlichen Lachen zum Stift und skizziert mit Schwung auf dem Whiteboard, wie sich der Teufelskreis der Armut aus ihrer Sicht durchbrechen lässt, nämlich weg von Ungleichheit und Diskriminierung „weg von der Sozialfürsorge, hin zu Wegen, die aus der Armut führen“.

Sie setzt zum Beispiel auf Tageseinrichtungen, die Kinder aus extremer Armut erreichen und ihnen Bildung ermöglichen. Auf Familienbegleiter, die bei Hausbesuchen über kindliche Gesundheit aufklären. Auf Anreize für Frauen, die zur Schule gehen und für Familien, die aufforsten.

Oliver Müller, Leiter von Caritas international, im Gespräch mit der Sozialministerin Liliana La Rosa Huertas in Peru.

Auch den Kampf gegen die Blutarmut von Kleinkindern hat sich die Ministerin auf die Fahnen geschrieben. In Folge von belastetem Trinkwasser und Mangelernährung haben landesweit im Schnitt 43 Prozent der Kinder eine Anämie, in manchen Landesteilen sind es sogar bis zu rund 75 Prozent. Leicht hat die Ministerin es nicht, steht doch die Mehrheit im Kongress ihrem Ansatz kritisch gegenüber.

Ein persönliches Gespräch mit Sozialministerin Liliana La Rosa Huertas

Was es bedeutet, arm zu sein, weiß sie aus eigener Erfahrung. Ihre Eltern hatten kaum Geld für das Nötigste, ihre Schwester starb aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung, wie sie uns erzählt. Als der Vater die Familie verließ, musste die Mutter alleine für Liliana und ihren Bruder sorgen sowie für deren Ausbildung und Studium auf vieles verzichten. Diese Erfahrung hat Liliana La Rosa Huertas geprägt, ebenso die Botschaft der Befreiungstheologie. Und der Funke ihrer Ideen springt auch auf die Dialogreisenden über. „Liliana ist zu bewundern für ihre Energie“, sagt etwa Michael Groß nach dem Gespräch.

Unser Treffen mit der Sozialministerin hat bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Dialogreise einen positiven und motivierenden Eindruck hinterlassen.
Unser Treffen mit der Sozialministerin hat bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Dialogreise einen positiven und motivierenden Eindruck hinterlassen.

Hier geht es zu weiteren Blogbeiträgen von der Dialogreise in Peru.

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Autor: Julia Gaschik

Julia Gaschik ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Diözesancaritasverband in Mainz. "Ich bin gebürtige Hildesheimerin, gelernte Journalistin und seit 2011 für die Caritas im Bistum Mainz im kommunikativen Einsatz. Ich freue mich sehr, die Dialogreise von Caritas international nach Peru als Kommunikatorin zu begleiten, die Menschen vor Ort zu treffen und zu erfahren, was die Caritas in diesem spannenden Land bewegt."

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