Ein Besuch bei der Caritas del Peru I Dialogreise Peru

Peru, 29.11.2018 – Die Caritas del Peru ist seit über 60 Jahren aktiv. Unter dem Motto „Leben verwandeln“ engagiert sie sich beispielsweise in den Bereichen soziale Entwicklung, Einkommensschaffende Maßnahmen, Katastrophenvorsorge, Nothilfe, Soziale Verantwortung, Ehrenamt und Umweltschutz. Für Caritas international ist sie ein wichtiger Partner.

Wir beginnen unseren Besuch im Logistikzentrum. „Im Fall einer Katastrophe ist hier alles voll“, erklärt uns ein Mitarbeiter beim Gang durch die große Lagerhalle. Doch auch jetzt sind die Regalreihen gut gefüllt. Hier lagern zum Beispiel Hygieneartikel, Kleidung, Betten, Rollstühle. Die Hilfsgüter gehen in bestimmte Projekte, aber auch in Einrichtungen, die von Kirche und Caritas betrieben werden. Vieles davon sind Spenden.

Große soziale Ungleichheit

Später sprechen wir mit dem Generalsekretär Ramiro Mendoza, aber auch mit den Fachbereichsleitungen. Victor Lainez, Leiter der Koordinationsabteilung, schildert uns eindrücklich, vor welchen Herausforderungen Caritas del Peru steht. Auch wenn die Armutsquote insgesamt gesunken ist: Die soziale Ungleichheit bleibt groß, und vor allem auf dem Land leben Menschen in bitterer Armut.

Beim Besuch unserer Reisegruppe im Lagerhaus der Caritas Peru herrscht selbstverständlich "Helmpflicht"
Beim Besuch unserer Reisegruppe im Lagerhaus der Caritas Peru herrscht selbstverständlich “Helmpflicht”

So haben 12 Prozent der Peruaner keinen direkten Zugang zu Trinkwasser, 29 Prozent keinen Zugang zum Abwassersystem. Noch immer ist die familiäre, kleinbäuerliche Landwirtschaft die Ernährungsgrundlage des Landes. Ein Großteil dieser Bauern arbeitet nach den traditionellen Methoden ihrer Vorfahren, profitiert nicht vom technischen Fortschritt. Auch deshalb ist die Armut auf dem Land deutlich größer als in der Stadt.
Zugleich schulden große Unternehmen dem Staat Steuerbeträge in Millionenhöhe. Eine große Steuerreform müsste eigentlich her, um mehr Gerechtigkeit zu ermöglichen. Die Ausbeutung der Natur etwa durch Abholzung, ist ein weiteres Problem und verschärft die sozialen Probleme.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Caritas del Peru setzt auf das Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe. 2017 wurden insgesamt rund 8 Millionen Euro ausgegeben, etwa 40 Entwicklungsprojekte unterstützt und knapp 30.000 Familien erreicht. Aufgebaut ist die Caritas del Peru wie ein Verein, dessen Mitgliederversammlung aus 45 Diözesancaritasverbänden besteht. Diese sind sozialpolitisch aktiv und initiieren vor Ort Entwicklungsprojekte.

Noemi und ihr zweijähriger Sohn Christian
Noemi und ihr zweijähriger Sohn Christian

Als wir Noemi und ihren zweijährigen Sohn Christian treffen, sehen wir, wie Die Caritas del Peru das Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe umsetzt: Noemi zeigt uns ihren Gemüsegarten.
Die Katastrophe hatte ihr früheres Feld vernichtet. Heute haben Noemi und ihr Mann eine ehemalige Kfz-Werkstatt angemietet, die ebenfalls völlig zerstört wurde. Ein paar Autowracks stehen noch schlammverkrustet da. Auf dem Gelände bauen sie Mangold, Gewürze und Kartoffeln an, zum Verkauf und für den eigenen Bedarf ihrer fünfköpfigen Familie. Auch haben sie Kleintiere zum Verkauf. Die Caritas hat einen Agraringenieur geschickt, der Noemi und anderen Kleinbauern in mehrmonatigen Kursen exakt gezeigt hat, wie sie die Tiere richtig ernähren und gesund halten. Stolz zeigt sie uns den Medikamentenschrank für die Tiere. Sie und ihr Mann arbeiten nun als Kleinbauern.

Auch der Dialogreisende Heinz Karl Kestler zeigt sich nach den Besuchen beeindruckt. „Ich habe den Eindruck, dass die Menschen für sich sorgen können. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe.“

Hier geht es zu weiteren Blogbeiträgen aus Peru von Julia Gaschik.

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Autor: Julia Gaschik

Julia Gaschik ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Diözesancaritasverband in Mainz. "Ich bin gebürtige Hildesheimerin, gelernte Journalistin und seit 2011 für die Caritas im Bistum Mainz im kommunikativen Einsatz. Ich freue mich sehr, die Dialogreise von Caritas international nach Peru als Kommunikatorin zu begleiten, die Menschen vor Ort zu treffen und zu erfahren, was die Caritas in diesem spannenden Land bewegt."

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